12.11.2021 12:29 |

Nehammer beeindruckt

Cyber-Security: Österreich sucht Nähe zu Israel

Österreich und Israel wollen bei Kriminalitätsbekämpfung und Sicherheit enger zusammenarbeiten. Innenminister Karl Nehammmer (ÖVP) hat auf seiner dreitägigen Israel-Reise eine entsprechende Vereinbarung mit seinen israelischen Amtskollegen geschlossen. Unter anderem soll bei der Abwehr von Cyber-Attacken die Kooperation vertieft werden.

„Bei der zunehmenden Digitalisierung wurden bisher immer nur die Chancen gesehen, die Gefahren werden aber immer größer. Wir legen daher als österreichische Bundesregierung einen klaren Schwerpunkt besonders auf die digitale Krisen- und Daseinsvorsorge“, sagte Nehammer beim Besuch der Israelischen Cyberdefence-Behörde INCD in Be‘er Sheva Donnerstagmittag.

Nehammer: „Die Pandemie hat uns eindrucksvoll vor Augen geführt, was im Gesundheitsbereich alles vormals undenkbar war. Und die zunehmende Anzahl an Angriffen im Internet zeigt uns, dass wir uns auch für diese Krisenszenarien rüsten müssen, insbesondere um die kritische Infrastruktur im Cyberraum zu schützen, aber auch um der dramatisch ansteigenden Fallzahlen im Bereich von Cybercrime entsprechen zu können.“

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Israel ist Vorreiter und hat eine beeindruckende Behörden-Infrastruktur, die in vielen Fragen auch bereits beispielgebend für die Welt war.

Innenminister Karl Nehammer

Doch die Cyberwelt kenne keine nationalen Grenzen, umso wichtiger sei die internationale Zusammenarbeit insbesondere auch mit Israel im Kampf gegen Cyberattacken. „Israel ist Vorreiter und hat eine beeindruckende Behörden-Infrastruktur, die in vielen Fragen auch bereits beispielgebend für die Welt war.“

So hat etwa die Cyberdefence-Behörde INCD vor zwei Jahren als erste Einrichtung der Welt ein Hotline-Center eingerichtet, das von jedem Menschen aus der Bevölkerung kontaktiert werden kann, der glaubt, Opfer einer Cyberattacke zu sein. Für Österreich ist eine solche Hotline derzeit kein Thema, weil das ressourcenmäßig zu aufwendig wäre. Mittelfristig laufe es aber darauf hinaus, dass am Ende des Tages jeder Staat so etwas haben werde, betonte Nehammer. Derzeit gibt es beim Bundeskriminalamt eine Meldestelle für Cyberkriminalität, die man schriftlich erreichen kann.

Die israelische Hotline hat an einem ruhigen Tag bis Mittag 30 Anrufe, an einem starken Tag gebe es aber bis zu 2000 Anrufe. Die Cyber-Behörde beschäftigt sich nur mit dem Aufspüren und Abwehren der Attacken, nicht aber mit den Verursachern dieser. Dafür ist die Polizei oder das Militär zuständig. Die Attacken werden dabei immer mehr, so habe es von 2019 bis 2020 eine Verdoppelung gegeben. Weltweit werden täglich 70 bis 100 Millionen Angriffe registriert.

IT-Security und Cyber-Spionage sind in Israel Milliarden-Business
IT ist in Israel generell ein großes Thema, die Cyber-Industrie in dem Land ist ein milliardenschwerer Wirtschaftszweig. Es gibt sieben Unicorns, das sind Unternehmen, die einen Marktwert von mehr als einer Milliarde Euro haben. Zuletzt geriet mit dem Spyware-Entwickler NSO Group, dessen Software zur Überwachung von Politikern, Forschern und Journalisten eingesetzt wurde, aber auch ein großer Vertreter der israelischen IT-Wirtschaft in die Kritik.

Die Zusammenarbeit der österreichischen und der israelischen Sicherheitsbehörden beschränkt sich aber nicht nur auf den Cyberbereich, sondern erstreckt sich auch auf die Bereiche organisierte Kriminalität, Menschenhandel und -schmuggel, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Geldwäsche, Betrug und Wirtschaftskriminalität, Korruption, Fälschung und Dokumentenhandel sowie Terrorismus.

„Rechtsverbindliches bilaterales Abkommen“ angestrebt
In einem Memorandum of Understanding, das am Mittwoch unterzeichnet wurde, bekunden beide Seiten ihre Absicht, „ein rechtsverbindliches bilaterales Abkommen mit dem Ziel zu schließen, die Zusammenarbeit im Bereich der inneren Sicherheit zwischen der Republik Österreich und dem Staat Israel auszubauen und zu vertiefen.“

Die hybride Kriegsführung sei schon längst in der Mitte in der Gesellschaft angekommen, Cyberkriminalität sei in einem Jahr (2019 auf 2020) von 28.500 auf 36.000 Fälle und damit um 26 Prozent gestiegen. Dem müsse man etwas entgegensetzen, sagte der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit Franz Ruf. In Österreich gibt es viele Akteure, bisher aber keine zentrale Stelle, die alles koordiniert. Am Dienstag wurde ein Cybercrime-Kompetenzcenter (C4) des Bundeskriminalamts eröffnet.

Das C4 ist die Schnittstelle zu Europol, Interpol und den Behörden anderer Staaten. Dazu kommt die Meldestelle Cybercrime, bei der 2020 rund 15.000 Anfragen und Einmeldungen eingingen.

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