10.11.2021 07:00 |

Lebensräume in Gefahr

Klimakrise: Artensterben droht auch in Österreich

Während in Glasgow aktuell die Klimakonferenz COP stattfindet, sehen wir dramatische Konsequenzen der Erderhitzung bereits tagtäglich - wie Wetterextreme oder Ernteausfälle. Lokal oder regional können sich einige Arten nicht schnell genug anpassen - und sterben im schlimmsten Fall ganz aus. Auch Tierarten in Österreich sind bedroht, darunter etwa das Schneehuhn oder der Seeregenpfeifer.

Auch auf die Biodiversität wirkt sich die Klimakrise direkt aus, beispielsweise durch Änderungen der Temperatur, des Niederschlags und damit auch der jahreszeitlichen Abläufe. Sensible Arten sind zumeist an ganz bestimmte Bedingungen angepasst. Wenn sich diese Bedingungen zu stark oder zu schnell ändern, dann verlieren diese Arten ihren Lebensraum und müssen sich abhängig von ihrer Mobilität einen neuen Standort suchen.

Folgende Tiere sind weltweit von der Klimakrise bedroht:

  • Lederschildkröte: Bereits sechs von sieben Meeresschildkrötenarten sind von der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet eingestuft - dazu gehört auch die Lederschildkröte. Neben industrieller Fischerei und Plastikverschmutzung bedroht vor allem die Klimaerhitzung die majestätischen Meeresbewohner. Durch wärmere Gewässer und veränderte Strömungen verlängern sich die Wanderrouten. Das wirkt sich negativ auf die Fortpflanzung aus. Vor dreißig Jahren gab es an den Stränden Französisch-Guayanas pro Saison 50.000 Lederschildkröten-Nester. Heute sind es nicht einmal mehr 200.
  • Afrikanischer Elefant: Die Populationen der Elefanten sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Die Hauptgründe dafür sind Wilderei für Elfenbein und der Verlust ihres Lebensraums für Plantagen. Doch auch die Erderhitzung hat verheerende Folgen für die Tiere: Zunehmende Dürreperioden führen dazu, dass die Elefanten verdursten. Denn die mächtigen Tiere brauchen extrem viel Wasser pro Tag. Aber auch die Pflanzen, die ihre Lebensgrundlage bilden, fehlen mit der Dürre immer häufiger.
  • Eisbären: Der Eisbär ist wie kein anderes Tier ein Symbol der Erderhitzung. Eisbären benötigen festes Eis und Eisschollen, um auf die Jagd nach Robben zu gehen. Doch die Temperaturen steigen weltweit an - und besonders rapide passiert diese Entwicklung in der Arktis. Somit schmilzt den Eisbären das Eis und damit ihr Lebensraum unter den Pfoten weg! Zwar sind die weißen Bären hervorragende Schwimmer, doch die langen Distanzen, die sie mittlerweile im Wasser zurücklegen müssen, sind zu viel - sie ertrinken oder verhungern.
  • Blauwale: Die gigantischen Blauwale ernähren sich fast ausschließlich von Antarktischem Krill, garnelenartige Tierchen, die im Südlichen Ozean in den Gewässern um die Antarktis leben. Doch schmilzt das Eis in der Antarktis in Folge der Klimaerhitzung, bedroht das die Existenz des Krills und somit die Nahrungsgrundlage von Blauwalen und vielen anderen Tieren in der Antarktis. Wenn die Erderhitzung weiter voranschreitet, könnte der Antarktische Krill bis Ende des Jahrhunderts zwischen 20 und 55 Prozent seines Lebensraums verlieren.
  • Zügelpinguine: Auch Pinguine sind vom Antarktischen Krill abhängig - und somit von der Klimaerhitzung extrem bedroht. Ein Forschungsteam hat die Zügelpinguine auf der nordostantarktischen Insel Elephant Island untersucht. Das Ergebnis: Einzelne Pinguin-Kolonien sind in den letzten 50 Jahren um fast 60 Prozent eingebrochen. 

Zu den Tierarten in Österreich, die von der Klimakrise betroffen sind, gehören:

  • Schneehuhn: Das Schneehuhn ist im alpinen Raum zu Hause. Es gehört zu den Eiszeitrelikten. Darunter versteht man kälteliebende Arten, die heute in arktischen Regionen bzw. im Hochgebirge vorkommen. Während der letzten Eiszeit war ihr Verbreitungsgebiet südlicher bzw. in tieferen Lagen. Durch die Erwärmung wanderten diese Arten wieder höher bzw. nach Norden. 
  • Zylinder-Felsenschnecke: Die in Österreich einheimische Zylinder-Felsenschnecke ist streng an hochalpine Kalkgebiete gebunden und bewohnt dort ausschließlich kühle, feuchte Lebensräume. An etlichen tiefer gelegenen Standorten ist sie bereits verschwunden, was höchstwahrscheinlich auf höhere Temperaturen in Folge der Klimakrise zurückzuführen ist.
  • Seeregenpfeifer: Die Art ist einer der seltensten Vogelarten Österreichs. Gab es zwischen 2005 und 2009 noch 33 bis 47 Brutpaare, waren es zwischen 2018 und 2020 nur noch sechs bis elf Brutpaare. Der Vogel kommt noch im Seewinkel vor. Allerdings haben veränderte Niederschlagsmengen verheerende Auswirkungen auf Salzwiesen, Salzsteppen und salzhaltige Stillgewässer.
  • Balkan-Moorfrosch: Die Art gilt in Österreich als gefährdet. Wie alle Arten der Feuchtlebensräume macht auch dem Balkan Moorfrosch extrem zu schaffen, dass sein Lebensraum z.B. durch industrielle Landwirtschaft zerstört wird. Es ist zu erwarten, dass die Klimakrise die Situation für Feuchtlebensräume und somit auch für den Moorfrosch aufgrund längerer Trockenperioden weiter verschlechtert.

„Das Artensterben ist eine der größten Krisen unserer Zeit und bedroht das Leben, wie wir es kennen. Uns muss klar sein, dass die Klimakrise und die Biodiversitätskrise nicht nur ähnliche Ursachen haben, sondern sich auch gegenseitig verstärken. Regierungen weltweit müssen endlich aus ihrem Winterschlaf erwachen, um das Massensterben von Tier- und Pflanzenarten aufzuhalten“, appelliert Biodiversitätsexperte Lukas Meus.

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Montag, 06. Dezember 2021
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