06.11.2021 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Pensionen: Spinnen die, diese Schweden?

Wann immer es um die Pensionen in Österreich geht, sticht man journalistisch in ein Wespennest. Sicher sollen sie sein, eh klar, und de facto inflationsgeschützt und überhaupt: Hört endlich auf, darüber zu reden. Das passt schon so und basta!

Sorry, so ist es nicht. Jeder Statistiker stellt fest, dass sich da eine gewaltige Finanzierungslücke aufbaut. Sie wissen ja: Bei uns herrscht das „Umlageverfahren“, was bedeutet: Was die Arbeitenden an Beiträgen einzahlen, wird sofort für bereits fällige Pensionen ausgegeben. Und was fehlt (derzeit ca. 20 Milliarden Euro), wird aus Steuergeld aufgefüllt. Diese Lücke wird ständig größer.

Andere Länder machen es anders. Werfen wir einen Blick nach Schweden, einem Wohlfahrtsstaat. Dort werden 2,5 Prozentpunkte des gesetzlichen Rentenbeitrags in Aktien und andere Wertpapiere investiert. Der Staat hat dafür einen Pensionsfonds eingerichtet, der mit niedrigen Verwaltungskosten arbeitet. Dieser Fonds hat seit seiner Gründung vor 21 Jahren stattliche elf Prozent Rendite erwirtschaftet. Pro Jahr! Das Geld, das jemand in diesen Fonds einzahlt, geht bis zum 55. Lebensjahr vollständig in Aktien, das ermöglicht eine hohe Rendite. Dann wird das Geld schrittweise in festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen) umgeschichtet. Das soll vor Kurseinbrüchen schützen. Ausbezahlt wird dann ein gleichbleibender, fixer Zuschlag zur Pension. Dieses System hat sich auch in allen Krisen bisher bewährt. Spinnen die, diese Schweden? Ich glaube nicht, eher, dass sie kapitalistisch ziemlich schlau sind - warum diskutiert man so etwas nicht bei uns???

Georg Wailand
Georg Wailand
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