31.10.2021 06:30 |

Brauch oder Geschäft?

Halloween: Warum wir das Gruselfest feiern

Am 31. Oktober wird auf der ganzen Welt Halloween gefeiert. Aufgrund der Corona-Krise wohl vielerorts nur in abgespeckter Form. Fest steht: Der krisengebeutelte Handel freut sich über die zusätzlichen Einnahmen, heuer wird österreichweit mit 42 Millionen Euro gerechnet - ein Plus der Ausgaben von 40 Prozent. Durchschnittlich lassen wir je 25 bis 30 Euro für Süßigkeiten und Co. springen. Doch wieso feiern wir dieses „Geisterfest“ überhaupt?

Die ältesten Wurzeln Halloweens finden sich bei den schottisch- und irisch-keltischen Druiden: Demnach war es der Tag der Ernte und die Nacht, in der die Erde am nächsten bei der Welt der Geister war und deren verirrte Seelen umhergingen. Mit einem Festmahl sollten diese besänftigt werden. Die Rolle der Geister haben heute die Kinder übernommen. In den Gewändern von Gespenstern, Hexen, Dämonen, Teufeln, Skeletten oder Fledermäusen ziehen sie durch die Straßen.

Die Bezeichnung für den Abend des 31. Oktober geht auf eine Verballhornung von All Hallows‘ Eve (der Abend aller Heiligen) zurück. Und weit zurückgeht die Schauerspur dieses Brauches. Das Totengedenken ist eine Kulturleistung des Homo Sapiens. Die Heiden kannten diesen Kult ebenso wie die Römer, und immer war er mit dem Übergang zur dunklen Jahreszeit verbunden. Notgedrungen musste auch die katholische Kirche im neunten Jahrhundert ihr Totengedenken vom Frühling auf den 1. November verlegen. Der Allerheiligentag wurde im christlichen Jahreslauf verankert, und der Abend davor blieb weiterhin fest in Brauchtumshand. Wer nun denkt, wir hätten Halloween als neumodische Tanz (Wienerisch für Blödheiten) den Amerikanern zu verdanken, irrt. Es waren die über den großen Teich Ausgewanderten, die den Brauch aus Europa mitnahmen.

Denn egal, ob in Europa oder Amerika, in dieser Nacht kommen die armen Seelen aus dem Fegefeuer zu Besuch auf die Erde. Man muss ihnen Essen und Wärme geben: Kerzen, Allerheiligenstriezel, Allerheiligenzöpfe (symbolisieren die weiter wachsenden Haare der Verstorbenen), einen Krug Wasser, einen Laib Brot. Da aber die Tür zur Anderswelt weit offen ist, kommen natürlich auch alle möglichen Dämonen und böse Geister auf die Erde. Gegen dieses Gelichter muss man sich maskieren. Motto: Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Maskerade und Mildtätigkeit sind die beiden Seiten von Halloween. Die Armen, die einst von Haus zu Haus zogen (ein Heischebrauch der Erwachsenen, der erst in jüngerer Zeit zum Kinderbrauch mutierte), hatten es in Zeiten mangelnder sozialer Absicherung bitter nötig. Sie sangen Seelenlieder, bekamen einen Seelenzopf und bedankten sich mit einem Vergelt’s Gott. Und auf diese Vergelt’s Gott kam es an, denn sie sind jenes Zahlungsmittel im Jenseits, mit dem man aus dem Fegefeuer erlöst werden kann.

Soul Cakes bäckt man in Großbritannien und Irland seit dem Mittelalter. Der berührende Refrain des Heischeliedes lautet: „One for Peter, two for Paul, three for Him who made us all“. Mit irischen Auswanderern kam auch die Sage von Jack O’Lantern nach Amerika. Dieser Jack war ein listiger Schurke, dem es sogar gelang, den Teufel zu betrügen und der nun zur Strafe für immer zwischen Himmel und Hölle festsitzt. Sein einziger Trost ist ein Stück glühende Kohle, das nie erlischt und das er in einer Rübe für ewig durch Zeit und Raum trägt.

Dieser Rübenbrauch wurde in Amerika zum Kürbisbrauch und der Kürbis zum Symbol für Halloween, die gruseligen Fratzen sollen die Geister der Toten, die an diesem Tag die Erde besuchen, fernhalten. Furchterregende Verkleidungen gehen auf die Iren und Schotten zurück. Schwarz oder weiß, jedenfalls unkenntlich geschminkte Burschen zogen durch die Dörfer und drohten mit Unheil, würde man sie nicht willkommen heißen. Mit den Unruhnächten im Alpenraum finden wir bis heute ein abgewandeltes Beispiel.

Halloween als wichtiger Wirtschaftsfaktor
Gefeiert wird Halloween vorwiegend von Familien und jungen Menschen unter 35 Jahren. Ganz oben auf den Einkaufszetteln stehen dafür Süßigkeiten (34 Prozent). Aber auch Kürbisse (20 Prozent), Snacks (19 Prozent), Grusel-Deko (17 Prozent), Kostüme (zwölf Prozent) und alkoholische Getränke (elf Prozent) werden gerne gekauft. In Summe werden dafür in der Alpenrepublik heuer 42 Millionen Euro ausgegeben, alleine in Wien rund 13 Millionen.

Wiener am spendabelsten
Im Bundesländervergleich zeigt sich die Hauptstadt Wien mit Pro-Kopf-Ausgaben von 30 Euro am spendabelsten. Ex aequo an der Spitze liegen die Steiermark und Kärnten mit ebenfalls 30 Euro. Deutlich sparsamer geben sich die Konsumenten in den westlichen Bundesländern Vorarlberg, Tirol und Salzburg mit jeweils 20 Euro pro Kopf.

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