Schande von Genua

Serbische Hooligans zu Haftstrafen verurteilt

Fußball
08.03.2011 14:20
Vier serbische Hooligans, die 2010 beim EM-Quali-Duell zwischen Italien und Serbien für Ausschreitungen gesorgt hatten, sind am Dienstag in Genua verurteilt worden. Der Belgrader Rädelsführer Ivan Bogdanov muss für drei Jahre und drei Monate in Haft. Die drei Mitangeklagten fassten Haftstrafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren aus. Seit den Ausschreitungen am 12. Oktober des Vorjahres befanden sich die vier Serben in Untersuchungshaft.

Bogdanov war als tragende Gestalt der Ausschreitungen im Oktober 2010 in der Hafenstadt in die Akten eingegangen. Vermummt hatte er im Marassi-Stadion die serbischen Hooligans aufgehetzt, Feuerwerkskörper auf das Spielfeld zu werfen und die Sperrgitter zu durchbrechen.

Quali-Spiel abgebrochen
Die schweren Ausschreitungen führten zum Abbruch des EM-Quali-Spiels zwischen Italien und Serbien. Nach den Randalen serbischer Fans hatte die UEFA strenge Strafen verhängt. Die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union wertete die nach sechs Minuten abgebrochene Partie mit 3:0 für Italien. Außerdem musste der serbische Verband 120.000 Euro Strafe zahlen und ein Spiel vor leeren Rängen austragen. 

Sollte es innerhalb einer Bewährungszeit von zwei Jahren zu erneuten Ausschreitungen serbischer Fans kommen, muss Serbien ein weiteres Mal ohne Publikum antreten.

"Ultranationalistische Demonstration"
Die Schande von Genua sorgte in ganz Europa für Entsetzen. Die italienische Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" sprach von "Bestien", die im Marassi-Stadion von Genua eine "ultranationalistische Demonstration" abgehalten hätten. "La Repubblica" zeichnete nach den Randalen bereits ein düsteres Bild für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine: "In Osteuropa, von Polen bis Ungarn, von Serbien bis Russland, wachsen in den Stadien ultranationalistische und neo-nationalsozialistische Gruppen. Bei der nächsten Europameisterschaft wird es voraussichtlich wenig Spaß geben. Andere Sportarten haben das Phänomen der Gewalt isolieren und heilen können. Der Fußball nicht."

Aber auch Serbiens "Danas" fand keine guten Worte über die "Fans" der Nationalmannschaft: "Wir haben uns geschämt und wurden vor der Welt rot, die in der TV-Liveübertragung die hartnäckigen Versuche der Wilden vom bergigen Balkan, fälschlicherweise als Schlachtenbummler bezeichnet, verfolgte."

Vorwürfe gegen italienische Polizei
Schwere Vorwürfe gab es im Oktober aber auch in Richtung der italienischen Polizei. Diese soll nämlich einem Schreiben aus Belgrad zu wenig Beachtung geschenkt haben, in dem mitgeteilt worden sei, dass sich 400 rechtsextreme Hools unter die insgesamt 1.600 serbischen Fans mischen wollen. "Man hatte uns über die Zahl der anreisenden Fans, nicht über ihre Gefährlichkeit informiert. Diese Leute hätten niemals einreisen dürfen", beschwerte sich der für die Sicherheit der italienischen Nationalmannschaft zuständige Funktionär Roberto Massucci.

Serbiens Verbandspräsident Tomislav Karadzic hatte bereits unmittelbar nach dem Spielabbruch erklärt: "Wir hatten Informationen, dass diese Fans hierherkommen und beabsichtigen, das Spiel zu sabotieren. Dies haben wir den italienischen Verantwortlichen gemeldet."

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