14.08.2021 08:00 |

Von wegen Baustopp

Graz: Anrainer kämpfen gegen neue Bau-Projekte

Ist das Ende der Bauwut in Graz angebrochen? Obwohl alle Parteien im Wahlkampf das beteuern, merkt man kaum etwas davon. Bei dutzenden Neubau-Projekten in der Landeshauptstadt formiert sich Widerstand von Anrainern. Wir haben drei dieser Schauplätze besucht und mit enttäuschten Nachbarn gesprochen.

Die Peterstalgasse ist genau das, was man sich unter einem grünen Idyll in der Stadt vorstellt: Einfamilienhäuser zu beiden Seiten der Hänge, große Gärten, Bäume, eine einspurige Straße, die nicht für den Durchzugsverkehr geschaffen ist. „Bei uns ist das Paradies aber schon verbaut“, sagt eine Anrainerin. Denn neben ihrem Einfamilienhaus wurde eine großes Luxus-Wohnanlage mit Tiefgarage in den Hang gebaut. „Die Grünfläche, die da übergeblieben ist, ist lächerlich, das ist ein Streifen von einem halben Meter. Wo soll denn da das Wasser hin, wenn es bei Regen den Hang runter schießt?“, fragt sie sich.

Die versprochenen begrünten Dächer seien bis jetzt nicht realisiert worden, sagt die Nachbarin. Was sie besonders ärgert: „Meine Garage für ein Auto ist wegen der Bebauungsdichte nicht bewilligt worden. Und daneben steht jetzt eine Tiefgarage mit zehn Stellplätzen.“

Und nun herrscht wieder Aufregung: Ein zweites solches Projekt soll gleich daneben realisiert werden. Nächste Woche ist die Bauverhandlung. Zustimmen wollen die Anrainer nicht. „Das entwertet unsere Grundstücke“, sagt eine andere Nachbarin. „Wir hoffen, dass wir das Projekt wenigstens verzögern können.“

Schauplatzwechsel. In einem Innenhof zwischen Naglergasse und Rechbauerstraße im Bezirk St. Leonhard empfängt uns Frau Soyka. „Alles Grüne, was Sie hier sehen, kommt weg“, sagt sie. Denn mitten im Innenhof sollen zwei Wohnblöcke mit 50 Einheiten und Tiefgarage entstehen.

Altes Theater soll abgerissen werden
Betroffen sind nicht nur Bäume und Wiesen, sondern auch das historische Gebäude des Theaters KiStL, das abgerissen werden könnte. Der Bauträger BeWo will auf „Krone“-Anfrage dazu keine Auskunft geben, die Stadtbaudirektion verweist darauf, dass es bereits einen gültigen Bebauungsplan gibt. Auf dem sind zwar einige Bäume eingezeichnet – aber die Sorgen der Anrainer bleiben...

Noch einmal wechseln wir den Schauplatz. „Es entsteht ein Wohnbunker nach dem anderen“, klagt ein Anrainer in der Mariatroster Straße. Als Nächstes sei die Villa Brauner und die Wiesen auf beiden Seiten dran. Bezirksvorsteher Erwin Wurzinger (ÖVP) verteidigt das Projekt: „Der Gemeinderat muss das erst beschließen, es dauert also noch. Die Villa war eine Bausünde, sie steht zu nahe an der Straße. Mit dem neuen Projekt wird die Kurve sicherer. Ersatzbegrünung wird es auch geben“, sagt er. Die Politik sei machtlos. „Das ist Bauland, also werden die Leute auch bauen.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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