Temperaturen steigen

Mittelmeerraum wird zu „Hotspot des Klimawandels“

Ausland
07.08.2021 14:43

Beispiellose Feuersbrünste in Griechenland, der Türkei und den Balkanländern machen den Menschen derzeit heftig zu schaffen. Vielerorts herrschen bereits seit Tagen rekordverdächtige Temperaturen jenseits der 40 Grad, eine ebenso willkommene wie dringende Abkühlung ist nicht in Sicht. Doch in Zukunft könnte es im Mittelmeer infolge des Klimawandels noch dramatischer kommen: Laut dem Entwurf eines Berichts des Weltklimarates Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) könnte Europa noch schlimmere Hitzewellen, Dürren und Brände erleben.

Die Mittelmeerregion mit ihren rund 500 Millionen Einwohnern gelte als „Hotspot des Klimawandels“, heißt es in einem Kapitel über die Region der IPCC-Arbeitsgruppe II, die die Folgen der Erderwärmung beleuchtet. „Zu den Gründen für die Besorgnis zählen Risiken durch den Anstieg des Meeresspiegels, den Verlust der Artenvielfalt an Land und im Meer, Risiken durch Dürren, Waldbrände, Veränderungen im Wasserkreislauf, die bedrohte Nahrungsmittelproduktion, die Gesundheitsrisiken in städtischen und ländlichen Gebieten durch Hitzewellen und veränderte Krankheitsüberträger und krankheitsübertragende Mücken“, heißt es in dem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Bericht.

Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus unter Druck
Die Temperaturen im Mittelmeerraum würden in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich schneller ansteigen als im weltweiten Durchschnitt. Dies werde wichtige Bereiche wie die Landwirtschaft, Fischerei und den Tourismus unter Druck setzen. Dutzende Millionen Menschen würden zudem von zunehmendem Wassermangel, Küstenüberschwemmungen und potenziell tödlicher Hitze betroffen sein.

Videos aus europäischen Brandgebieten:

Erde hat sich bereits um 1,1 Grad erwärmt
In einigen Regionen des Mittelmeerraums könnten die landwirtschaftlichen Erträge aus dem Regenfeldbau demnach um 64 Prozent zurückgehen. Die Fläche abgebrannter Wälder werde bei einer Erderwärmung von zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um 87 Prozent zunehmen, bei einem Anstieg um drei Grad sogar um 187 Prozent. Doch nur eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad könne „wahrscheinlich Küstensiedlungen, Kulturerbestätten, Land- und Meeresökosysteme in den meisten Gebieten des Mittelmeerraums in einem lebensfähigen Zustand erhalten“.

Infolge dieser Entwicklung wächst auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden. Dabei seien Hitzewellen die größte Bedrohung für den Mittelmeerraum, da sie „bei weitem die tödlichsten Extremereignisse in Europa“ darstellten, sagte Friederike Otto von der Universität Oxford.

20.000 Hitzetote im Jahr möglich
Bis zum Jahr 2050 könnten bis zu 93 Millionen Menschen zusätzlich an den nördlich gelegenen Küsten des Mittelmeers von Hitzewellen betroffen sein. Im Nahen Osten und in Nordafrika könnte sich das Risiko älterer Menschen, an den Folgen extremer Hitze zu sterben, bis zum Jahr 2100 um das Drei- bis Dreißigfache erhöhen. Die Zahl hitzebedingter Todesfälle im nördlichen Mittelmeerraum könnte bis 2050 auf 20.000 pro Jahr steigen.

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