06.08.2021 15:31 |

Waldbrände im Süden

Mehr Brände auch bei uns „leider relativ sicher“

Rund um das Mittelmeer kämpfen Griechenland, die Türkei, Italien und zuletzt auch Nordmazedonien mit verheerenden Waldbränden. Es sind allseits bekannte und beliebte Urlaubsorte, die da betroffen sind. Tausende müssen evakuiert werden, Existenzen gehen zugrunde und Menschen verlieren ihr Leben. Wie solche Waldbrände entstehen - die allermeisten sind menschengemacht - warum sie so schwer zu beherrschen sind und warum der Klimawandel sie verschlimmert, erklären Dr. Mortimer Müller vom Institut für Waldbau an der BOKU und Dr. Klemens Schadauer vom Bundesforschungszentrum für Wald diese Woche bei „Moment Mal“ im Gespräch mit Damita Pressl.

Nur 4% der Waldbrände haben natürliche Ursachen. „Global gesehen löst der Mensch die allermeisten Waldbrände aus“, sagt Müller, entweder durch Brandstiftung, Fahrlässigkeit oder durch indirekte Ursachen wie gerissene Stromleitungen. Daher ist wichtig, sagt Schadauer, im Wald von allen Aktivitäten abzusehen, die irgendwie mit Feuer zu tun haben, sei es das Rauchen oder Lagerfeuer: „Kein Feuer, Punkt, aus“. Die häufigste natürliche Ursache für Waldbrände hingegen sind Blitze.

„Normale Laubwälder brennen relativ selten“, erklärt Müller - wenn, dann nur im Spätwinter oder im Frühjahr, wo noch viel trockenes Altlaub aus dem Vorjahr übrig ist. „In der Regel sind es bei uns die Nadelwälder, die brennen“. Diese hätten nämlich einen höheren Harzgehalt, seien leichter entzündbar, der Bestand sei lichter und damit käme mehr Sonne auf den Boden.

Die Ausbreitung eines Waldbrands hängt von der Menge des Brennmaterials und deren Trockenheit ab, also Holz, heruntergefallenes Laub, Äste, Stöcke oder Nadeln, sagt Schadauer. „Es gibt sehr viele Waldbrände in Österreich, aber das sind meistens sehr kleine; sogenannte Bodenfeuer. Das, was wir derzeit im Fernsehen sehen, ist ganz ein anderes Szenario. Das sind riesige Waldflächen. Da entsteht ein völlig anderes Brandverhalten aufgrund der irrsinnigen Hitzeentwicklung. So etwas kennen wir in Österreich bislang Gott sei Dank noch nicht. Da sind die Bekämpfungsmaßnahmen sehr kompliziert und schwierig.“

„Auch der Wind ist sehr relevant“, ergänzt Müller. „Die Verbindung aus starker Trockenheit mit starkem Wind ist besonders gefährlich, denn der Wind lässt das Feuer stark ausbreiten und birgt die Gefahr, dass es sich zu einem Kronenfeuer entwickelt. Dann brennt der komplette Wald.“

Die Löscharbeiten sind herausfordernd. „Wenn man den Brand nicht in der Anfangsphase bekämpfen kann - das ist etwa eine halbe Stunde oder Stunde, was in vielen Ländern einfach nicht funktioniert - und wenn die Bedingungen für den Brand gut sind, weil es trocken und heiß ist, dann breitet sich dieses Feuer so rasch aus, dass es keine Möglichkeit für Gegenmaßnahmen mehr gibt. Je nach Region gibt es auch das Problem des starken Wassermangels. Oft kann man in diesen Ländern nicht so viel Wasser transportieren, wie man eigentlich bräuchte“, so Müller. Zu Ende würden die Brände dann gehen, wenn entweder das Wetter feuchter wird, oder das Brennmaterial zu Neige geht: „Wenn der Wald vollständig abgebrannt ist, erreicht das Feuer ein Feld, wo der Brand leichter zu bekämpfen ist“. Selbst dann besteht noch ein Risiko: „‘Brand aus!‘ zu rufen, ist im Wald sehr schwierig“, sagt Schadauer, denn mögliche Nester aufzuspüren, wo es noch glüht und die sich nochmal entzünden könnten, sei gar nicht so einfach. Hier werde etwa mit Wärmebildkameras gearbeitet.

Auch Österreich erwarten Waldbrände
Hinter all dem steckt, wie so oft, der Klimawandel, sagt Schadauer. „Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die Temperatur in Österreich um 2°C gestiegen. Das ist mehr, als im weltweiten Schnitt. Österreich ist besonders betroffen von der Temperaturzunahme. Und wir rechnen bis 2050 damit, dass noch 1,5°C dazukommen.“ Dass damit die Waldbrände auch bei uns zunehmen werden, „das wissen wir leider relativ sicher“. Das Bundesforschungszentrum sei daher nun im Begriff, eine Risikokarte zu erstellen, um gezielter vorbeugen zu können und besser gerüstet zu sein. Risikogebiete sind in Österreich einzelne Bezirke, etwa im südlichen Niederösterreich, wie Neunkirchen oder Wiener Neustadt Land, aber auch das Inntal in Tirol und einige Gebiete in Kärnten. Müller: „Es ist zu befürchten, dass es weitere extreme Waldbrandjahre gibt. Aber wenn wir uns bemühen und vielleicht ein bisschen motivierter sind, auch jeder einzeln, können wir verhindern, dass es noch extremer wird“

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