19.05.2021 20:50 |

Schläge, Demütigungen

Nach Ehe-Martyrium stach 73-Jährige auf Mann ein

Sie schwor ihrem Mann ewige Treue – bei der Hochzeit vor 50 Jahren. Sie ertrug Schläge und Demütigungen und versteckte blaue Flecke. Eine Trennung war in ihrem Lebensplan nicht vorgesehen. Als der Mann (84) wieder einmal zuschlug, duckte sie sich nicht mehr weg. Die 73-jährige Wienerin griff zum Messer und stach zu. Am Mittwochabend  wurde sie am Wiener Landesgericht zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt verurteilt.

„Es war keine gute Ehe“, gibt sogar der Staatsanwalt im Prozess wegen Mordversuch zu. Schon seit 30 Jahren, so sagt die Angeklagte dann, habe sie ihr Mann immer wieder geschlagen. Und das aus nichtigen Gründen. Wie viele gequälte und geknechtete Frauen macht sie den Mann nicht direkt für ihr Leid verantwortlich, sondern entschuldigt ihn: „Es war vielleicht der Umzug in eine neue Wohnung, der ihm zugesetzt hat. Das hat er dann an mir ausgelassen.“

Einmal waren die Verletzungen so schlimm, dass die Frau ins Spital fahren musste. Den wahren Grund verheimlichte sie aber: „Damals ist er jeden Tag auf Besuch gekommen und hat geschaut, dass ich nichts Falsches sage.“

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Warum haben Sie sich nicht von Ihrem Mann getrennt? – Ich habe ihm bei der Hochzeit ewige Treue geschworen, das wollte ich halten.

Richterin Claudia Zöllner im Gespräch mit der Angeklagten

Auch der Sohn bestätigt, dass es Gewalt in der Ehe gegeben haben muss: „Mein Vater hat meine Mutter wie eine Putzfrau behandelt.“ Oft ging es bei den Streitigkeiten um Geld. „Er wollte die Erbschaft von meiner Mutter verwalten. Aber das war doch mein Geld“, verteidigt sich die Frau.

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Ich war in der Küche eingesperrt, ich konnte nicht weg. Da hab ich das Messer genommen und zugestochen.

Die Angeklagte über die Tat

Am 23. Jänner ging sie in der Früh mit dem Hund spazieren, dann attackierte der 84-Jährige neuerlich seine Frau. „Ich war in der Küche eingesperrt, ich konnte nicht weg. Da hab ich das Messer genommen und zugestochen“, erzählt die Angeklagte. Das Opfer erlitt einen Bauchstich. Das Messer hätte fast das Herz getroffen.

Für die Zukunft in Freiheit hat der Sohn der Frau eine kleine Wohnung gemietet. Vielleicht, so sagt sie, kehrt sie irgendwann einmal zu ihrem Mann zurück: „Ich habe ihm doch die ewige Treue geschworen.“ Ewige Treue bis in den Tod ...

Wegen Körperverletzung schuldig gesprochen
Das Urteil: Kein Mordversuch, drei Jahre Haft, davon ein Jahr unbedingt. Die acht Geschworenen verneinten die auf versuchten Mord lautende Anklage einstimmig. Schuldig gesprochen wurde die Frau wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung. Sowohl Staatsanwalt als auch der Verteidiger der Frau waren mit der Entscheidung einverstanden. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Peter Grotter
Peter Grotter
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