Gewusst wie

Das Tierheim Parndorf ist eine Arche für Wildtiere

Verwaiste Fuchsbabys, flugunfähige Störche: Claudia Herka vom Tierheim Parndorf ist Expertin, wenn es um die richtige Behandlung und Aufzucht von Wildtieren geht.

Streichelzoo ist das Tierheim keiner!“, stellt Claudia Herka gleich zu Beginn unseres Besuchs in Parndorf fest. Neben Hunden, Katzen und Nutztieren werden hier vor allem Wildtiere behandelt, aufgepäppelt und wenn möglich wieder ausgewildert. Dass diese Arbeit durch die Tierärztin von einer absoluten Wildtier-Expertin geleistet wird, darüber kann das Burgenland sich glücklich schätzen. Denn nicht umsonst übernimmt Herka zahlreiche verletzte und kranke Vierbeiner und Vögel nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von zahlreichen Vereinen weit über die Grenzen des Burgenlands hinweg.

Bis zu 600 Tiere werden von ihr und einem (!) weiteren Mitarbeiter versorgt - darunter derzeit etwa Fuchs- und Marderbabys, Eulen, über zwanzig Störche, Ziesel, Feldhasen und Eichhörnchen. Jene, die aufgrund von Verletzungen nicht mehr ausgewildert werden können, verbleiben am Gnadenhof. Herka: „Besonders freut mich die Zusammenarbeit mit Artenschutzprojekten, wie jenem des Zoo Wels. Vier meiner flugunfähigen Störche sind dorthin übersiedelt, wir hoffen dass sie sich fortpflanzen.“

Weniger groß ist die Freude über die zahlreichen selbst ernannten Experten, die Wildtiere mit Haustieren verwechseln (siehe auch Bericht unten). „Ich bekomme immer wieder Anfragen, dass Leute Rehkitz schauen kommen wollen“, erzählt Herka. „Das gibt es bei mir nicht! Jeder Kontakt mit Menschen bedeutet einerseits Stress für die Tiere, andererseits wird es dadurch immer schwieriger, sie auszuwildern.“ Deshalb dürfen auch wir nur zu ausgewählten Tieren. „Die Anfragen nehmen zu, der Lebensraum der Wildtiere wird immer kleiner, weshalb die Wildtierpflege immer mehr zum Thema wird“, so Herka. Zumindest in Parndorf finden Fuchs, Hase und Co. eine artgerechte Zuflucht...

Falsche Aufzucht bedeutet für Tiere meist Todesurteil
Die einen meinen es gut. Die anderen wollen mit Bildern von süßen Eichhörnchen-Babys möglichst viele „Likes“ in sozialen Medien generieren: Es sind Laien, die Wildtiere aufpäppeln, um sie dann wieder freizulassen. Mit fatalen Folgen: Die zahm gemachten Tiere haben kaum Überlebenschancen. „Es ist ein Irrglaube, dass Füttern alleine reicht“ erklärt Tierärztin Claudia Herka, „man muss auch über die Biologie der Wildtiere, deren Verhalten Bescheid wissen um ihnen die Chance auf ein Leben in freier Wildbahn geben zu können.“

So wird etwa der Großteil der Wildtiere von ihren Eltern, meist der Mutter, aufs Leben vorbereitet. Fuchs und Marderbabys müssen etwa lernen wie sie jagen und sich selbst versorgen können. Gerade bei Marderbabys kann das bis zu zwei Jahre dauern. Dieses „Training“ wird im Tierheim Parndorf übernommen – mit so wenig Kontakt zu Menschen, wie möglich.Herka: „Idealerweise arbeite ich mit Ammenaufzucht. Das heißt, dass alte verletzte Tiere der entsprechenden Spezies die Waisen annehmen und groß ziehen, bis sie freigelassen werden können.“ Deshalb richtet sie einen Appell an alle, Wildtiere wirklich nur von Experten aufziehen zu lassen.

Melanie Leitner, Kronen Zeitung

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Dienstag, 22. Juni 2021
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