08.04.2021 12:27 |

Azure-Experiment

Microsoft kühlt Server in kochender Flüssigkeit

Der Softwarekonzern Microsoft testet in einem seiner Rechenzentren in den USA eine neue Kühlmethode für Server seiner Cloud-Infrastruktur Azure. Statt diese mit Luft oder einem über die heißen Komponenten geleiteten geschlossenen Wasserkreislauf zu kühlen, versenkt er sie in einer Wanne mit einer nicht leitenden Flüssigkeit, in der sie vor sich hin kochen.

Die Idee ist an sich nicht neu: An der TU Wien arbeitet seit Jahren ein Supercomputer im Ölbad, auch manch Krypto-Schürfer kühlt seine Mining-Anlagen, indem er sie in nicht leitender Flüssigkeit versenkt. Im großen Stil eines ganzen Rechenzentrums kommen solche Kühllösungen aber in der Regel nicht zum Einsatz. Microsoft will das nun ändern.

Server kochen in Fluorocarbon-Flüssigkeit
In einem seiner US-Rechenzentren hat das Unternehmen Server in mit einer Fluororcarbon-Flüssigkeit gefüllten Truhen versenkt. Das Medium hat einen Siedepunkt von 50 Grad, weshalb die Server im Betrieb aussehen, als würden sie kochen, erklärt Microsoft in einem Blogeintrag. Der aufsteigende Dampf kondensiert in der Truhe und fließt dann wieder ins Flüssigkeitsbad.

Im Gegensatz zur Luft- oder geschlossenen Wasserkühlung hat der Betrieb in der Flüssigkeit einige Vorteile. Zum einen hat das Kühlmedium direkten Kontakt mit den zu kühlenden Komponenten, was die Wärme besonders effizient abführt. Zum anderen schützt die Flüssigkeit die empfindliche Elektronik vor Korrosion durch Kontakt mit Sauerstoff. Der Nachteil so einer Lösung: Die Wartung ist etwas komplizierter als bei einer Luftkühlung.

Microsoft mit Kühl-Experiment zufrieden
Laut Microsoft sei man mit den bisherigen Ergebnissen des Experiments sehr zufrieden und erwäge, solche Kühllösungen künftig auch im größeren Stil in weiteren Rechenzentren zu etablieren. Vor allem bei rechenintensiven Aufgaben wie dem KI-Training sieht Microsoft Vorteile.

Es ist nicht das erste Experiment, bei dem Microsoft unkonventionelle Kühlmethoden für seine Server-Infrastruktur erprobt. Vergangenes Jahr schloss das Unternehmen ein Experiment ab, bei dem eine wasserdichte Kapsel voller Server für zwei Jahre am Meeresgrund vor den schottischen Orkney-Inseln versenkt wurde, wo das sie umgebende vier Grad kalte Wasser für Kühlung sorgte. Auch dieses Experiment wertete Microsoft als Erfolg.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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