08.04.2021 07:30 |

Steirer-Bauern kämpfen

Mit Eis, Wind und Feuer gegen verheerenden Frost

Derzeit kämpfen steirische Bauern mit aller Macht gegen den verheerenden Frost - mit Heizkanonen, Windmaschinen und Wasser. Doch viele Kulturen sind schon verloren.

Woran erkennt man dieser Tage einen steirischen Obstbauern? An seinem müden Gesichtsausdruck. Galgenhumor. Denn zu lachen hat Adi Schmidt aus Buchberg bei Ilz nach vier durchwachten Frostnächten nicht viel. Stundenlang war er auf den Beinen, selbst sein schon 81-jähriger Vater, mit Leib und Seele Obstbauer, hielt mit ihm mit.

Gleich auf vier Methoden setzt der versierte Landwirt, der mit seinen 20 Hektar zu den größeren zählt, im Kampf gegen die verheerende Zerstörungsmacht. Die heuer schon wieder seinen Marillen-, Kirschen- und Zwetschkenbäumen, die er erfolgreich ab Hof und im Großhandel verkauft, zusetzt, die zarten Blüten zerstört. Im Jahr 2016 hat er fast die ganze Ernte verloren, „das passiert nie mehr“, schwört er.

Drei große Windmaschinen blasen nachts die wärmere Luft von oben nach unten, um die eiskalte in Bodennähe zu vertreiben. Dazu hat Schmidt große Paraffinkerzen aufgestellt, bis zu 400 (!) pro Hektar. Und zusätzlich sorgen Heizkanonen unter einem Foliendach dafür, dass es ein bis zwei Grad wärmer wird. „Ich setze auf diese Kombination.“

„Könnte es mir nicht leisten, Ernte zu verlieren
Wie viel das alles kostet? „Andersherum: Ich könnte es mir nicht leisten, Ernte zu verlieren. Schon allein wegen meiner Arbeiter, meinen Kunden.“ So viel Aufwand - und trotzdem ergibt sich Mittwochfrüh schon ein dramatisches Bild: Viele Blüten sind erfroren. „Verdammt“, entfährt es ihm beim Nachschauen. Um gleich darauf wieder Zuversicht auszustrahlen: „Die Natur ist verschwenderisch. Wenn aus einem Drittel der Blüten Früchte entstehen, wird das noch eine halbwegs gute Ernte.“

Szenenwechsel ins wenige Kilometer entfernte Nestelbach. Thomas Reisenhofer prüft mit Sohn Jakob die Blüte. 50.000 Apfelbäume kultiviert er auf 16 Hektar, für seine Elstar, Evelina, Gala ist er als Spezialist berühmt. Auch er hat die letzten Nächte kein Auge zugemacht, setzt auf Bewässerung aus seinem extra dafür angelegten, einen halben Hektar großen Teich. „Das Wasser benetzt den Baum, friert, dabei wird Energie frei, die die Blüte wärmt“, erklärt uns der Profi. „Auf ein Hektar fließen in der Stunde zirka 40.000 Liter, das wird dann wieder aufgefangen, der Boden benötigt die Feuchtigkeit aber auch.“

„Vier Frostnächte kosten uns auch Tausende Euro“
Was es am Tag danach braucht: „Wärme und Sonne, damit das Eis auch wieder von den Blüten schmilzt. Wenn man sonst noch einmal beregnet, sich wieder Eis bildet, wird das für die Blüten zu schwer, sie brechen ab.“ Am Mittwoch hat er kein Glück, es ist kalt in Nestelbach, eisiger Wind weht: Reisenhofer muss sich an die ausgesprochen mühselige Arbeit machen - und das Eis händisch von der Anlage schlagen! Eine Mordsaufgabe. Und alles so teuer. Der Teich samt Leitungen, allein diese Investition geht in die Zehntausende Euro. „Vier Frostnächte kosten uns auch Tausende Euro.“ Zum Vergleich: „10- bis 15.000 Euro ist der Durchschnitt-Umsatz aus einem Hektar Bäume.“

Aufgeben ist für ihn dennoch keine Option: „Wir machen weiter. Das ist so, wenn man mit Leib und Seele Bauer ist. Und wir hoffen auf Wärme.“ Laut Prognose steht allerdings noch eine Frostnacht bevor ...

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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