Illustre Treffs

Poker und Koks: Auch Tiroler zu Haft verurteilt

Tirol
09.03.2021 07:00

Nächtelange Pokerrunden um horrende Summen, Kokain und manchmal auch Prostituierte - nach Auffliegen der illustren Montags-Treffs in Innsbruck und Völs sorgte der Prozess bereits Anfang Jänner für Gesprächsstoff. Für einen Türken setzte es vier Jahre Haft. Nun mussten sich zwei Tiroler (39 und 45 Jahre) für ihren Beitrag rechtfertigen - je zwei Jahre Haft!

Wie berichtet, gingen die geselligen Pokerrunden für Hochrisiko-Spieler ab Mai 2018 in zwei Wohnungen in Innsbruck und Völs über die Bühne. Die Abende zogen sich meist bis in den Vormittag hinein, einmal sogar 30 Stunden. Für Essen und Getränke war gesorgt, denn ein Mitorganisator war Spitzenkoch. In wechselnder Besetzung waren rund 80 notorische Zocker dabei. Es soll vorgekommen sein, dass ein Spieler mit 70.000 Verlust den Heimweg antrat.

Als „Muntermacher“ gab es immer Kokain
Als „Muntermacher“ – so nannte es am Montag der bereits verurteilte Türke (43) im Zeugenstand – war stets Kokain im Spiel. Beim fortgesetzten Prozess vor Richterin Helga Moser ging es darum, inwieweit auch seine Tiroler Mitorganisatoren im Rahmen einer kriminellen Vereinigung zur Beschaffung und Verteilung des Kokains beigetragen hatten.

Schreiduell zwischen Zeugen und Angeklagten
„80 Prozent des Muntermachers habe sicher ich beschafft“, räumte der Türke ein. Insgesamt sprach er an etwa 80 Spieltagen von rund einem Kilo Suchtgift. Weil er in weiteren Aussagen die Einheimischen belastete, kam es zum Schreiduell im Gerichtssaal: „Erzähl doch keinen solchen Blödsinn, du hast deine Strafe eh schon“, schüttelte einer der Tiroler den Kopf. Der Türke giftete lautstark zurück.

Das „Rundherum“ organisiert
Die Verteidiger sahen nur geringe Mengen als tatsächlich weitergegeben, denn die Organisatoren hätten ständig selbst Koks-Linien gezogen – und viele Spieler hätten diese gar nicht angerührt. Der Schöffensenat blieb davon unbeeindruckt und verhängte jeweils zwei Jahre unbedingte Haft – Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde! „Sie haben gewusst und geduldet, was im Hinterzimmer vor sich ging. Am besten wären Sie schreiend davongelaufen, als Sie sahen, was ihr Kollege tat“, begründete die Richterin. Sie räumte ein, dass die Tiroler keine Dealer seien, sie hätten die Kokserei mit dem „Rundherum“ aber ermöglicht.

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