01.02.2021 13:54 |

Einsatz-Bilanz in Wien

Demonstranten wollten „Parlamentsrampe stürmen“

Rund 10.000 Demonstranten, insgesamt mehr als 1700 Anzeigen, elf Festnahmen und mehrere verletzte Polizisten - das ist die Bilanz der als Corona-„Spaziergang“ titulierten und nicht bewilligten Demo am Sonntag in Wien. Was zunächst als friedliche Mini-Demo im Volksgarten begann, wuchs sich ab dem Nachmittag aus und entwickelte eine Eigendynamik. Neben Wortgefechten und Tumulten versuchten Teilnehmer nach Angaben von Innenminister Karl Nehammer auch das Parlament bzw. dessen Zugangsrampe am Ring zu stürmen - das Parlament allerdings wird ja zurzeit renoviert …

Vom frühen Nachmittag bis zum Abend um 19.30 Uhr erstreckte sich die Demonstration, die wie auch 14 andere Kundgebung an diesem Wochenende im Vorfeld seitens der Exekutive untersagt worden war. Begründet worden war das u.a. mit dem Umstand, dass auch bei Demos in der Vergangenheit weder auf Abstand noch auf Maskenpflicht seitens der Teilnehmer Rücksicht genommen worden war, der gesundheitliche Aspekt habe den Ausschlag für die Untersagung gegeben, wurde seitens der Landespolizeidirektion Wien betont.

Dennoch strömten am frühen Nachmittag zahlreiche Protestteilnehmer zum Maria-Theresien-Platz, bald wurde von den Anwesenden der Ring blockiert. Mehrere Demo-Züge zogen daraufhin durch die Stadt. Insgesamt habe sich ein „verheerendes Bild gezeigt“, so Innenminister Nehammer, der gemeinsam mit Wiens Polizeichef Gerhard Pürstl am Sonntagabend eine erste Bilanz zog.

Hooligans, rechtsradikale Szene, aber auch Familien
An den Versammlungen nahmen Hooligans, Personen aus der rechtsradikalen Szene - auch Identitäre rund um Martin Sellner oder der Neonazi Gottfried Küssel samt Mitstreitern -, aber auch Familien teil.
Die Polizisten hätten gute Arbeit geleistet, betonte Nehammer. Eskalationen und Ausschreitungen wurden vermieden, bilanzierte Pürstl. Bei dem „herausfordernden Einsatz“ habe die Polizei die Balance gehalten.

„Eigene Dynamik entwickelt“
Nehammer betonte auch, dass der Einsatz „eine eigene Dynamik entwickelt hat“, so hätten Teilnehmer unter anderem auch versucht, die Parlamentsrampe zu stürmen und das Parlament, dass derzeit renoviert wird, zu besetzen. „Es war immer notwendig, taktisch neu zu entscheiden“, sagte der Innenminister. Auch der Polizeieinsatz am Sonntag soll wieder evaluiert werden, damit man sich noch effizienter aufstellen könne, kündigte Nehammer an.

1766 Anzeigen, Festnahmen, Verletzte
Es sei klar gewesen, dass man den Demonstranten „nachgeben und Raum bieten“ müsse. Immerhin seien auch Mütter mit Kindern im Kinderwagen unter den Teilnehmern gewesen. Zumindest zum Schluss sei die Exekutive doch noch „sehr massiv eingeschritten“, sagte Pürstl. Insgesamt gab es exakt 1766 Anzeigen, 850 Anzeigen nach dem COVID-Gesetz, elf Personen, drunter auch der Rädelsführer der Corona-Skeptiker, Martin Rutter, wurden festgenommen. Letzterer soll laut APA-Informationen versucht haben, Polizisten zu verletzen. Insgesamt wurden vier Beamte bei dem Einsatz verletzt, zwei „durch fremde Gewalt“, zwei bei Stürzen.

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