Zehn Jahre nach dem Versprechen eines runderneuerten Schwedenplatzes bleibt er die Schmuddel-Ecke der Wiener Innenstadt. Das wenige Geld, das für Stadterneuerung derzeit da ist, wird bewusst anderswo als beim einstmals glamourösen Entrée der Innenstadt verwendet.
Graffiti an grauen Wänden, Leerstand, Müll, dazu der Geruch von Imbissbuden: So sieht man die Innenstadt, wenn man sie über den Schwedenplatz betritt. Und nach Sonnenuntergang kommen noch andere Probleme dazu. Nicht umsonst wird seit Jahrzehnten über eine Umgestaltung diskutiert, die vor zehn Jahren auch schon fix versprochen war. Geschehen ist: nichts.
Grüne Träume an Realität vorbei
Grünflächen, 160 neue Bäume, die Fußgänger vom Autoverkehr abschirmen und zwischen denen sich die Straßenbahn durchschlängelt – so sah das Siegerprojekt für die Umgestaltung des Schwedenplatzes aus, das die damalige grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou 2016 präsentierte. Die Initiative zeigte, wie sehr der Schwedenplatz der Bevölkerung ein Anliegen ist: Die Wiener konnten sich mit eigenen Ideen beteiligen, 3000 machten mit. Das Problem an der Vision: Sie war nicht durchführbar.
Die Stadt konnte – und kann bis heute – über weite Teile des Platzes nicht verfügen. Tankstelle und Busparkplatz etwa operieren unter unverrückbaren Pachtverträgen. Vassilakous Hoffnung, die irgendwie abschütteln zu können, blieb ein zu optimistisches Luftschloss. Weil sie das 2019 auch selbst einsehen musste, schlug sie eine Teil-Umgestaltung vor. Die verweigerte jedoch Markus Figl (ÖVP), schon damals Bezirksvorsteher der Inneren Stadt.
Seit 48 Jahren hat der Schwedenplatz im Wesentlichen sein heutiges Gesicht. Nach der großen Umgestaltung im Zuge des U-Bahn-Baus 1978 gab es nur noch kleinere Veränderungen.
Damals wurden die Kosten für die gesamte Umgestaltung auf 20 Millionen Euro geschätzt. Das wären heute rund 29 Millionen. Ungefähr gleich viel ist für die Umgestaltung des Naschmarkt-Areals veranschlagt. Nicht in die Rechnung miteinbezogen wurden damals jedoch nötige Gleis- und Straßenbaukosten.
Stadtplanerisches Pingpong zwischen Stadt und Bezirk
Darüber, dass die 2016 präsentierten Pläne ein Bauchfleck waren, sind sich Rathaus und Bezirk einig. „Das damalige Projekt ist aufgrund der fehlerhaften Ausschreibung nicht realisierbar“, sagt Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP). Und im Büro von Infrastruktur-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) ätzt man, dass „die einstige, grüne Planung vor allem aus schönen Renderings bestand, wie wir sie ja von vielen Projekten der Grünen kennen“. Selbst habe man hingegen 340 „Raus aus dem Asphalt“-Projekte realisiert „und nicht nur Renderings produziert“. Aber eben nicht am Schwedenplatz.
Das Rathaus räumt ein, dass der Platz als Verkehrsknotenpunkt städteplanerisch eine härtere Nuss ist als andere Innenstadt-Gegenden, denen man sich sehr wohl gewidmet hat, vom Michaelerplatz und dem Neuen Markt bis zu einzelnen Straßen und Gassen. Es geht aber eingestandenermaßen auch um eine „bewusste politische Entscheidung“, denn in der Donaustadt (Wagramer Straße), Favoriten (Favoritenstraße), Ottakring (Thaliastraße) und anderswo abseits des Stadtzentrums traute man sich teils recht komplexen Umgestaltungen zu.
Lieber dort umgestalten, wo „viele Menschen wohnen“
Auch bei kommenden Projekten liegt der Fokus auf Stadtteilen, „wo viele Menschen wohnen“, etwa der Simmeringer Hauptstraße. Und nicht einmal abseits des Zentrums könne man wegen der angespannten Budgetlage alle Pläne umsetzen. In anderen Worten: schon gar nicht den Schwedenplatz. Der Bezirk könne ja „kleinräumige Umgestaltungsmaßnahmen“ setzen, wenn ihm das wichtig sei. Dafür habe man kein Budget, kontert Figl.
Eine Privatinitiative wie bei den Kaufleuten der Herrengasse ist laut Figl wegen der „komplexen Anforderungen“ ebenso nicht möglich, ein Match von Flächenbezirken gegen Nobelbezirke außerdem „nicht zielführend“. Der Schwedenplatz müsse „zurück an den Start“. Wenn es um die Innenstadt geht, denkt man in Simas Büro derzeit allerdings nur an die kommende Umgestaltung der Ringstraße. Und da bleibt der Franz-Josefs-Kai entlang des Donaukanals offenbar dauerhaft eine Lücke – nicht nur, was den Straßennamen anbelangt.
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