04.01.2021 07:07 |

Fuchsteufelswild

Granerud stichelt gegen Stoch bei Tournee

Fuchsteufelswild stapfte Halvor Egner Granerud durch das Zielgelände und haderte mit sich und der Welt, die in diesem Fall auf einen einzigen Ort beschränkt war: Innsbruck. Denn mit dem Bergisel-Absturz am Sonntag könnte dem Norweger seine Chance des Lebens entglitten sein. Mit Platz 15 verlor der 24-Jährige die Führung in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee der Skispringer an Kamil Stoch. Sticheleien gegen die Polen und eine spätere Relativierung auf Twitter folgten.

„Ich habe das Gefühl, dass die Bedingungen die ganze Tournee für die Polen günstig waren. Es war furchtbar nervig, Kamil Stoch wieder gewinnen zu sehen“, sagte Granerud zunächst dem norwegischen TV-Sender „TV2“. Die Nachfrage, ob die Polen mehr Glück hatten als er, beantwortete Granerud so: „Sie hatten definitiv mehr Glück als ich, aber heute hatten sie auch mehr Glück als Geiger.“

11,4 Meter Unterschied
Mit den zweiten letzten zwei Sprüngen beim Finale in Bischofshofen am Mittwoch müsste Granerud etwa 11,4 Meter weiter springen als Stoch. Das traut er sich selbst offenbar zu. Denn Stoch sei „so instabil, dass es gutgehen sollte - oder gut gehen kann“, stichelte Granerud weiter. Sein Trainer, der Tiroler Alexander Stöckl, sah die Ausgangslage eine Spur nüchterner. Stoch sei sehr erfahren und in guter Form. „20 Punkte sind sehr viel.“

Den Ärger seines Athleten könne er nachvollziehen, betonte Stöckl gegenüber österreichischen Journalisten, noch bevor er Graneruds Wut-Interview gesehen hatte. „Das ist die Frustration des Augenblicks. Das verstehe ich. Wenn du das Gefühl hast, dass du es nicht mehr selbst im Griff hast, sondern die Umstände, dann tut das einfach weh.“ Nachsatz: „Morgen kann er sich abreagieren. Er geht sicher einmal eine Stunde laufen und dann startet er in Bischofshofen wieder ganz normal.“

Die Bergisel-Schanze (oben im BIld) hatte zuvor wieder einmal ihre Tücken demonstriert. Nach nur 116,5 Metern setzte Granerud im ersten Durchgang auf, was gerade noch Rang 29 bedeutete. Dabei sei er kompletter Windstille im unteren Teil ausgesetzt gewesen, betonte Stöckl. „Da hast du am Bergisel sowas von keine Chance. Da holt es dich so dermaßen runter. Das ist dann wirklich bitter, wenn du um den Gesamtsieg kämpfst und dann an den Verhältnissen scheiterst.“ Das sei im Freiluftsport Skispringen auch einfach Pech. „Unfair kann man nicht sagen, es war alles innerhalb vom Windkorridor. Für das heute kann man niemandem die Schuld geben.“

Auf dem Weg zum ersten Tourneetitel eines Norwegers seit 14 Jahren funken just die kurzzeitig aller Chancen beraubten Polen dazwischen. Er habe es befürwortet, die starken Polen wieder zuzulassen, sagte der Trainer angesichts der zwischenzeitlichen Kollektiv-Sperre nach einem Corona-Anlassfall. „Wir brauchen die Polen, es wäre schade fürs Skispringen, wenn sie nicht dabei sein könnten. Aber wir haben natürlich einen starken Gegner zurückbekommen.“

Zwei Polen vorne mit dabei, Norweger im Pech
Die Polen, die in den vergangenen vier Jahren dreimal den Goldenen Adler holten, hätten auch dieses Mal einen entscheidenden Vorteil, erklärte Stöckl: „Sie haben zwei Leute vorne mit dabei. Das hat man bei der Tournee immer wieder gesehen: Das waren Morgenstern/Schlierenzauer, Kraft/Hayböck, das sind Kubacki/Stoch. Wir haben leider nur Einen, der Zweite liegt im Krankenhaus.“ Marius Lindvik musste wegen einer Zahn-OP nach dem Auftaktbewerb pausieren und wird laut Stöckl auch in Bischofshofen eher kein Thema sein.

Granerud relativierte seine Aussagen wenige Stunden danach: „Ich war frustriert mit meinem Ergebnis und das bin ich noch immer“, schrieb er auf Twitter. „An diese Schanze habe ich nur schlechte Erinnerungen und mit dem heutigen Tag sind meine Emotionen hochgekocht.“ Er halte den Rivalen Stoch „noch immer für einen der ganz Großen“.

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