Legende des Fußballs

Herzstillstand! Diego Maradona (60) ist tot

Die Fußball-Welt erstarrt in Trauer und Unglauben: Die argentinische Kicker-Legende Diego Maradona ist tot! Der Weltmeister von 1986 starb nach Angaben der Zeitung „Clarin“ im Alter von 60 Jahren an einem Herzstillstand daheim in seinem Haus in Tigres nahe Buenos Aires. Dort wollte er sich von einer Kopf-Operation erholen, der er sich wegen einer Gehirnblutung unterziehen hatte müssen ...

Maradona war vor Kurzem wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn notoperiert worden. Anschließend musste der Weltmeister von 1986 aber länger als geplant im Krankenhaus bleiben, weil er unter Entzugserscheinungen gelitten hatte. „Diego hat den vielleicht schwierigsten Moment seines Lebens durchgemacht, und ich denke, es war ein Wunder, dass sie (die Ärzte, Anm.) diese Blutung in seinem Gehirn gefunden haben, die ihn das Leben hätte kosten können“, betonte damals Maradonas Anwalt Matias Morla. Maradona sei gewillt, sich wegen persönlicher Probleme zu rehabilitieren: „Es wird Maradona noch eine Weile geben.“ Ein trauriger Irrtum ...

„Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum“, sagte sein langjähriger Fitnesstrainer Fernando Signorini einmal. Unvergessen sind die „Hand Gottes“, mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit blondiertem Haar.

Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei. All das war Diego Armando Maradona. „Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein“, sagte vor vielen Jahren der Leiter der Klinik Guemes in Buenos Aires, Hector Pezzella, wo Maradona 2007 in Behandlung war.

Für die meisten ist Maradona stets ein Mythos geblieben. Die Legende begann dabei in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo „El Pibe de Oro“ (der Goldjunge) früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wurde. Als zwölf Jahre alter Ballbub soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeit-Pausen schon mehr Unterhaltung als die 1. Mannschaft geboten haben.

Im Alter von 15 Jahren gab er sein Debüt in der 1. Liga, mit 16 war er Nationalspieler, mit 17 Torschützen-König und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres. Ob er der neue Pele sei, wollten argentinische Reporter damals von ihm wissen. „Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein“, antwortete der junge „Diegito“. Und das gelang ihm ohne Zweifel: dass sein Lebensweg unvergleichlich war.

Am Anfang ging noch vieles gut: 1982 wechselte Maradona für eine Rekordablöse zum FC Barcelona, zum Halbgott stieg er aber erst zwei Jahre später auf. Für eine weitere Rekordsumme ging es weiter zum SSC Napoli, also nicht zu den großen Klubs im Norden Italiens, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. „Kloake Italiens“, tönten Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell. Hier begann die Verwandlung.

Maradona stieg höher und höher, 1987 und 1990 führte er Napoli zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Schon bei seiner Begrüßung hatten mehr als 70.000 Fans ihn im Stadio San Paolo empfangen, später lungerten die Menschen immer wieder vor seiner Haustür herum. Einmal soll eine Krankenschwester eine Blutprobe von ihm gestohlen und in die Kirche gebracht haben. Die Neapolitaner verehrten ihn wie einen Heiligen. Maradona kam mit dem Hype zurecht, so lange er Fußball spielte - auf dem Rasen wurde er besser und besser.

„Auf dem Platz wird das Leben unwichtig. Die Probleme, all das wird unwichtig“, sagt er in der Amazon-Dokumentation „Diego Maradona“. Mit Argentinien wurde er 1986 Weltmeister, 1989 gewann er mit Neapel auch noch den UEFA-Cup. Abseits des Platzes wurde er genauso unkontrollierbar wie für seine Gegenspieler.

Er verfiel dem Kokain („Eine Line - und ich fühlte mich wie Superman“), zog zum Teil von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser, um danach bis zum nächsten Spiel am Wochenende wieder alles auszuschwitzen. Seine Nationalteam-Karriere endete bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Doping-Sperre durch die FIFA.

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nahm bisweilen groteske Ausmaße an. So gab es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das „Diego Unser“ gebetet wurde.

Gegen das ÖFB-Team spielte Maradona mit Argentinien übrigens erstmals 1980 im Wiener Prater-Oval. Maradona, damals „erst“ ein Jungstar, traf beim 5:1, dem Abschiedsspiel von ÖFB-Kapitän Robert Sara, zum ersten Mal mehrfach für die „Albiceleste“. Spätestens nach seinen drei Toren wusste die österreichische Öffentlichkeit von der Genialität des Ballkünstlers zu berichten.

Nach seiner Fußball-Karriere suchte Maradona auch immer wieder die Nähe zu den linken Caudillos Lateinamerikas. Gerne zeigte er sich an der Seite von Fidel Castro, Hugo Chavez oder Nicolas Maduro. Der Ausnahme-Spieler hatte sich nie geschont, weder auf noch neben dem Platz. „Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter“, sagte Fitnesstrainer Signorini. „Wenn Diego einmal nicht mehr da ist, wird er noch mehr geliebt werden.“

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