09.11.2020 14:54 |

Wifo zeigt auf:

Wer für Schulschließungen teuer bezahlen muss

Schulschließungen - wie sie gerade von Wissenschaftlern gefordert werden - ziehen aus ökonomischer Sicht „hohe individuelle und gesellschaftliche Kosten nach sich“. Zu dieser Schlussfolgerung kommt ein „Research-Brief“ des Wifo. Diese Kosten könnten sowohl direkt über Einkommenseinbußen entstehen oder indirekt etwa über steigende Gesundheitskosten wegen fehlender Bewegung, psychischer Belastung etc. Besonders betroffen dürften jüngere Kinder sein, die noch umfassende Unterstützung beim „Erlernen von Lernen“ benötigen.

In der Untersuchung, die diverse Studien der vergangenen Jahre zusammenfasst, verweisen die Autorinnen Julia Bock-Schappelwein und Ulrike Famira-Mühlberger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) auch auf historische Beispiele. So waren etwa 1990 im wallonischen Teil Belgiens aufgrund von Streiks nahezu alle Schulen über mehrere Monate hinweg immer wieder geschlossen, sechs Wochen zur Gänze. Im Vergleich zu den Schülern im flämischen Teil Belgiens mussten in der Folge wallonische Schüler vermehrt Klassen wiederholen. Sie erreichten auch langfristig nur niedrigere Bildungsabschlüsse, was negative Effekte auf ihren persönlichen Arbeitsmarktverlauf hatte und zu gesellschaftlichen Wohlfahrtsverlusten führte. Ähnliche empirische Ergebnisse gebe es auch für Kanada und Argentinien.

31 Prozent der Beschäftigten haben Kinder unter 15 Jahren
Folgen haben Schulschließungen aber auch auf das Arbeitsangebot der Eltern: In Österreich haben rund 31 Prozent der Beschäftigten Kinder unter 15 Jahren in ihrem Haushalt und rund 25 Prozent keine potenzielle Betreuungsperson, also keine erwachsene Person ohne Beschäftigung, im gleichen Haushalt. Insgesamt 12,5 Prozent der Beschäftigten kommt im Fall von Schul- oder Kindergartenschließungen eine Versorgungsverpflichtung gegenüber Kindern zu, wobei von diesen Personen neun Prozent aller Arbeitsstunden in Österreich geleistet werden. „Auch wenn diese betroffenen Personen kreative Wege des Verbindens von Beschäftigung außer Haus bzw. Home-Office und Home-Schooling finden, sind die unmittelbaren Effekte auf das Arbeitsangebot negativ“, heißt es in der Untersuchung.

Frauen im Nachteil
Auch Verluste beim BIP sind durch die Einschränkung der elterlichen Berufstätigkeit möglich, wenn dadurch unwiederbringliche Umsatzverluste entstehen wie zum Beispiel einer Nicht-Beteiligung an Ausschreibungen oder einer Nicht-Erbringung von Dienstleistungen. Zusätzlich hätten Schulschließungen negative Effekte auf die Lohnungleichheiten zwischen Männern und Frauen, da letztgenannte ihr Arbeitsangebot bei Schulschließungen stärker einschränken.

Lange Liste an negativen Folgen
Negative Folgen gibt es außerdem für Zulieferbetriebe - also etwa Betreiber von Fahrtendiensten, Bäckereien oder Gastro-Betriebe, die Schulessen bereitstellen. Langfristige ökonomische Effekte würden für Unternehmen bzw. die Gesellschaft auch entstehen, wenn der Anteil von Schülern mit unzureichenden Basiskompetenzen weiter steigt - das habe Konsequenzen auf das Angebot an Fachkräften wie für Innovationen.

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