Bluttat in Altenheim

„Aggressivität ist in der Demenz sehr häufig“

Mit einem Jausenmesser stach ein dementer 87-Jähriger, wie berichtet, in einem Heim im oberösterreichischen Vöcklabruck auf einen Mitbewohner (85) ein. Er ist nun in „vorläufiger Anhaltung“. Elmar Kainz, Chef der neurologisch-psychiatrischen Gerontologie am Linzer NeuromedCampus, erklärt, warum Demente oft so aggressiv werden.

„OÖ Krone“: Der blutige Vorfall in einem Vöcklabrucker Seniorenheim erschüttert und irritiert. Der Tatverdächtige ist so dement, dass er nicht vernehmbar ist.
Elmar Kainz: Aggressivität ist in der Demenz sehr häufig. Durch die Krankheit fallen gewisse Hirnareale einfach aus, so sind auch Zentren für Aktivierung und Deaktivierung betroffen, die zum Beispiel dafür zuständig sind, dass man die Selbstkontrolle behält. Wenn hier ein Defekt passiert, dann fällt diese Bremswirkung weg. Es kann aber auch genauso gut sein, dass der Demente gar nichts gegen sein Opfer hat, sondern dieses schlicht nicht mehr erkennt und sich dadurch bedroht fühlt. Allerdings ist es auch nicht so selten, dass Demente lustvoll aggressiv agieren.

Es gibt immer mehr Warnungen, dass sich Demenz zur Volkskrankheit entwickelt.
Ich hab’ mir die Zahlen rausgesucht: 2010 sind 50 Menschen in Oberösterreich daran gestorben, 2020 sind wir bei 500 Toten. Die Anzahl hat sich also in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht. Und die Gruppe der Demenzkranken nimmt bei den Über-70-Jährigen sprunghaft zu. Auch deshalb, weil die Medizin die sonstigen Erkrankungen gut im Griff hat.

Aber wie kann man durch Demenz sterben?
Indem man auf das Essen oder das Schlucken vergisst und keine Magensonde hat, weil man keine wollte.

Was würden Sie selbst machen, wenn man bei Ihnen eine Demenzerkrankung diagnostizieren würde?
Sofort eine Vorsorgevollmacht ausfüllen, dass in der Endphase nichts gemacht werden darf, damit diese künstlich verlängert wird. Das Sterben gehört zum Leben wie das Leben selbst.

Christoph Gantner
Christoph Gantner
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Mittwoch, 02. Dezember 2020
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