Einen Coup-de-foudre, einen Blitzschlag, nennen Franzosen die Liebe auf den ersten Blick. Doch mit dem Bild von Spannung, Gewalt und Zerstörung, das der Begriff auslöst, hat die Liebe zwischen Veronique Chambon und Jean nicht viel gemein. Im Gegenteil: langes Zögern, verlegene Annäherungen, Angst vor den eigenen Gefühlen und tiefe Sehnsucht verbindet die beiden und lässt sie fast schon qualvoll umeinander werben. Brize schafft dadurch eine ganz eigene Anziehungskraft, die den Zuschauer in Bann zieht.
Jean (Vincent Lindon) ist Maurermeister und mit seinem Leben rundum zufrieden. Er hat einen soliden Job, den er liebt, einen Sohn, den er vergöttert, und eine sympathische Frau, die er liebt. Eine Idylle, die bedroht wird, als er eines Tages Veronique Chambon (Sandrine Kiberlain), die Klassenlehrerin seines Sohnes, kennenlernt. Brize lässt die beiden Protagonisten langsam zusammenkommen, in kleinen Etappen und Schritten. Zunächst stellt Jean in der Schulklasse von Veronique seinen Beruf als Maurer vor. Dann repariert er bei der jungen Frau zu Hause ein morsches Fenster und entdeckt dabei ihr Geigenspiel. Die Musik berührt ihn und er lernt eine ihm fremde Welt kennen.
In dem Film gibt es keine heftigen Streitereien, keine Ehetragödie oder temperamentvolle Gefühlsausbrüche. Dafür gibt es Dialoge, Blicke und Gesten, die sparsam eingesetzt werden, und dennoch mehr aussagen als so manches große und wortgewaltige Beziehungsdrama. Es gibt weder Böse noch Gut, weder den üblen Ehebrecher noch ein Opfer, sondern zwei Menschen, die ihre Gefühle füreinander entdecken und doch wissen, dass diese Liebe zum falschen Zeitpunkt kommt.
Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Regisseur Stephane Brize berührt uns mit diesem zarten Melodram rund um zwei Menschen zwischen Sehnen und Scheitern, die im wirklichen Leben nichts verbindet, und er darf sich dabei ganz auf die sensible Performance seiner beiden Hauptdarsteller verlassen. Es ist seine subtile und delikate Beobachtung persönlichen Hoffens, die unter die Haut geht und die sich so wohltuend von US-amerikanischen Beziehungsszenarien abhebt.









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