29.09.2020 11:00 |

Tirols ARBÖ-Präsident:

„Mit den Öffis alleine wird es nicht gehen!“

Helmut Glantschnig ist seit 1996 Obmann des ARBÖ in Lienz, er war ab 2002 Vizepräsident in Tirol und übernahm 2019 die Präsidentschaft. Im Interview mit der „Krone“ spricht er über geplante Vorhaben, die Auswirkungen der Coronakrise sowie aktuelle Herausforderungen. Er erklärt auch, welchen Beitrag ein Automobilklub im Kampf gegen die Klimakrise leisten kann.

Krone: Wie ist der ARBÖ in Tirol derzeit aufgestellt?
Glantschnig: In Reutte haben wir vergangenes Jahr unser zehntes Prüfzentrum in Tirol eröffnet. Das war der letzte weiße Fleck auf der Landkarte. Seit 2012 konnten wir im Land kontinuierlich Mitarbeiter dazugewinnen. Im Verwaltungsbereich sind wir dabei bewusst sparsam vorgegangen. Ganz nach dem Motto: „Lieber einen Techniker mehr.“ Diese sind letztlich auch vor Ort beim Kunden. Aktuell zählen wir 30.000 Mitglieder in Tirol.

Wie hat sich die Coronakrise bei Ihrem Unternehmen in Tirol bemerkbar gemacht?
Die Pannen gingen deutlich zurück. Bis Juni waren es im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent weniger. Im April und im Mai wurden wir nur zu 800 Einsätzen gerufen. Einsätze für außerösterreichische Partnerklubs gingen um 30 Prozent zurück. Als der Lockdown vorbei war, wurden wir zu sehr vielen Einsätzen wegen defekter Batterien gerufen, die durch den längeren Stillstand eingegangen sind.

Zwei Millionen Euro für Prüfzentrum in Wörgl

Welche Projekte möchten Sie in Ihrer fünfjährigen Amtszeit umsetzen?
In Wörgl platzen wir aus allen Nähten. Eine Vergrößerung am derzeitigen Standort ist leider nicht möglich. Daher ist ein Neubau vonnöten. Ein passendes Grundstück haben wir schon gefunden und sind gerade in der Planungs- und Bewilligungsphase. Wenn alles gut läuft, sollte der Bau 2021 beginnen. Rund zwei Millionen Euro werden dafür investiert. Weiters möchten wir die Landesorganisation in Innsbruck umbauen. Hier stehen wir aber noch am Beginn der Planung.

Vor welchen Herausforderungen steht ein Automobilklub heute?
Die Art der Antriebstechnologien wird immer bunter. Stichwort Hybrid, Plug-in-Hybrid, Erdgas, Wasserstoff und Elektro. Die zwei Bereiche Diesel und Benzin, die früher für sich alleine existierten, wurden extrem aufgefächert. Unsere Techniker müssen also in sehr vielen Gebieten Fachwissen mitbringen, es ständig erweitern und bei einem Einsatz sofort parat haben.

Pkw-Bestand steigt jährlich um 30.000

Zu welchen Einsätzen werden die Pannenfahrer am häufigsten gerufen?
Ein Drittel entfällt auf die Batterie, eines auf Reifenschäden und eines auf Probleme mit der Elektronik. Das sind die häufigsten Ursachen für eine Panne. Da der Pkw-Bestand in Österreich, der aktuell bei fünf Millionen liegt, pro Jahr um 30.000 steigt, wird der Bedarf an einem Pannen- und Reparaturdienst in den nächsten Jahren sicher nicht kleiner. Die romantische Vorstellung, dass wir nur noch mit den Öffis und dem Fahrrad fahren, hört sich nett an, hat aber mit der Lebensrealität wenig zu tun.

Neben Corona ist die Klimakrise das große Thema unserer Zeit. Welchen Beitrag kann ein Automobilklub in diesem Kampf beitragen?
Wo es geht, statten wir die Prüfzentren mit Fotovoltaikanlagen aus. Und wir setzen uns dafür ein, dass die „alten Stinker“ weg von der Straße kommen und der motorisierte Individualverkehr durch neue umweltfreundliche Fahrzeuge ersetzt wird. Wir bekennen uns dazu, dass es ein Nebeneinander von Autos und Öffis braucht. Wo es geht, gehe auch ich zu Fuß, nehme das Fahrrad oder Zug und Bus. Je nachdem, was für mein Ziel am besten geeignet ist.

Manuel Schwaiger
Manuel Schwaiger
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