27.09.2020 17:00 |

ORF-Meteorologe Wadsak

Buch zum Klimawandel: Aufklären statt verbieten

ORF-Chefmeteorologe Marcus Wadsak stellte in Innsbruck sein neues Buch vor und sprach mit uns über Verzicht, Trends und das Wetter.

„Krone“: Auch heuer war der Sommer sehr warm. Ist dies schon der Klimawandel?
Wadsack: In Österreich können wir 250 Jahre zurückschauen. Und diese Messungen zeigen, dass es seit zwanzig Jahren kein einziges Jahr gibt, in dem die Temperaturen nicht überdurchschnittlich hoch verlaufen sind. Daran sieht man ganz eindeutig einen Trend Richtung menschengemachter Erderwärmung.

Was bedeutet das für uns im Alltag?
Das heißt, dass wir uns sehr umgewöhnen müssen. Wir haben in den Städten im Sommer schon Hitzestress mit sehr heißen Nächten. Und auch die Winter werden wärmer, was gerade für tiefer gelegene Skigebiete ein Problem darstellt. Zudem haben wir eine Verlängerung der Vegetationsperiode. Daher muss auch die Landwirtschaft umdenken und mit Veränderungen kämpfen.

Was tun Sie dafür, dass ihre Kinder und Enkel noch hier leben können?
Ich versuche, so oft es geht mit den Öffis unterwegs zu sein, und verzichte schon seit mehr als zwei Jahren auf Urlaubsflüge. Zudem esse ich sehr wenig Fleisch und wenn, dann aus der Region.

Möchten Sie mit Ihrem Buch „Klimawandel – Fakten gegen Fake & Fiction“ aufklären oder aufrütteln?
Das Buch ist aufklärend gedacht und soll den neuesten Stand der Wissenschaft in einer alltagstauglichen Sprache übermitteln. Ich bin nicht dafür, Dinge zu verbieten. Es braucht das Wissen, um zu Handeln, damit wir nicht von einer Klimakrise in eine Klimakatastrophe schlittern. Wir haben jetzt schon ernst zu nehmende Probleme, die sich noch verschärfen, wenn wir nichts dagegen tun.

Handy-Wetter-Apps werden gerne verwendet. Warum liegen diese so oft daneben?
Die meisten Apps sind umsonst. Komplexe Wettermodelle, wie wir sie auch verwenden, sind aber sehr teuer. Viele in Handys vorinstallierte Wetter-Apps bekommen daher Daten von sehr groben Modellen. Die berechnen beispielsweise in Österreich nur zehn oder zwanzig Punkte und dazwischen wird interpoliert. Und auch die Arbeit eines Meteorologen steckt nicht drin.

Sie sagen ja nicht gerne länger als fünfzehn Tage voraus. Geben Sie uns trotzdem Ihre Wetterprognose für den kommenden Winter?
Die einzige sinnvolle Prognose, die ich geben kann ist, dass der Winter kälter wird als der Sommer (lacht).

Recka Hammann, Kronen Zeitung

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