22.09.2020 11:20 |

Prozess in Linz

dayli-Pleite: Freispruch und Diversion für Ex-Chef

Der bereits im Vorjahr gestartete Prozess gegen den einstigen Chef der pleitegegangenen Drogeriemarktkette dayli, Rudolf Haberleitner, hat am Dienstag am Landesgericht Linz mit einem Freispruch sowie dem Angebot einer Diversion geendet. Haberleitner war das Vergehen der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vorgeworfen worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dem Ex-dayli-Chef war angelastet worden, ab August 2012 Geschäftsbücher oder geschäftliche Aufzeichnungen nicht oder nur so geführt zu haben, dass ein zeitnaher Überblick über die wahre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erheblich erschwert wurde.  Der Freispruch „mangels Schuldbeweises“ erfolgte, weil das Gericht nur die Strafbarkeit seines Verhaltens und Agierens zu beurteilen hatte. Die Privatbeteiligten wurde mit ihren nicht unerheblichen Forderungen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

Ein weiterer Anklagepunkt, dass sich Haberleitner noch nach Eintreten der Zahlungsunfähigkeit mehr als 26.000 Euro an Geschäftsführerbezügen auszahlen ließ, wurde aus dem Verfahren ausgeschieden. Er übernahm aber die Verantwortung für den Vorwurf. Daraufhin erhielt er das Angebot einer diversionellen Erledigung, wenn er Schadenswiedergutmachung leistet und eine Geldbuße von 1500 Euro bezahlt. Dies ist aber davon abhängig, dass der Freispruch rechtskräftig wird. Ein mitangeklagter Geschäftsführer war schon im Mai rechtskräftig freigesprochen worden.

Von Geschäftspartner um Millionen geprellt
Ende Juni 2013 wurde Haberleitner in Norditalien von vermeintlichen Geschäftspartnern um eine Million Euro geprellt. Bei der gestohlenen Million handelte es sich um Firmenvermögen. Am 4. Juli 2013 wurde dann ein Insolvenzverfahren über die TAP dayli Vertriebs GmbH eröffnet. Nach der Übernahme der angeschlagenen Schlecker-Österreich-Tochter und anderer Auslandstöchter durch die TAP-Gesellschaft des Beraters Rudolf Haberleitner musste die in dayli umbenannte Drogeriemarktkette nach einem Jahr Insolvenz anmelden. Die im Insolvenzverfahren anerkannten Forderungen beliefen sich auf 112,9 Millionen Euro.

3500 Beschäftigte verloren ihren Job
Die knapp 900 Filialen von dayli (der Nachfolgefirma der Kette Schlecker Österreich; Anm.), wurden noch im Jahr 2013 geschlossen, 3500 - vor allem weibliche - Beschäftigte verloren ihren Job. Seit April 2014 wird das Insolvenzverfahren als Konkursverfahren geführt. Mitte 2017 überwies der dayli-Masseverwalter in einer ersten Zwischenverteilung rund elf Millionen Euro an die Gläubiger.

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