06.09.2020 06:00 |

Kultige Neuauflage

The Rolling Stones: Abschluss der goldenen Ära

Es war das Album nach dem gefeierten „Exile On Main St“ und steht bis heute in dessen Schatten: 1973 veröffentlichten die Rolling Stones „Goats Head Soup“. Mit „Angie“ ist einer der bekanntesten Songs der Briten enthalten. Am Freitag eschien eine Neuauflage in verschiedenen Formaten, sämtliche Tracks wurden neu abgemischt. Diverse Versionen bieten auch bisher Unveröffentlichtes aus dem Archiv.

Der elfte Studio-Longplayer war der letzte unter der Regie von Langzeitproduzent Jimmy Miller. Aufgenommen wurde in Jamaika, Los Angeles und London. Kritiker bezeichneten „Goats Head Soup“ als weniger inspiriert und kreativ als die Vorgänger, was vielleicht auch daran lag, dass die Atmosphäre innerhalb der Band nicht die beste war. Mick Jagger genoss den Jetset, Keith Richards zog es immer tiefer in die Heroinabhängigkeit, Neuzugang Mick Taylor war mit seiner Rolle unzufrieden. „Goats Head Soup“ wird oft als Abschluss der goldenen Stones-Zeit bezeichnet.

Feines aus Reihe zwei
Doch das Album, wenn auch kein echter Klassiker, hat mehr als „Angie“ zu bieten, das an die Spitze der US-Charts stürmte. Der Opener „Dancing With Mr D.“ mag ein gekünstelter Versuch sein, an „Sympathy For The Devil“ anzuknüpfen. Aber das macht „Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)“ wett, ein Song über die Gewalt und Drogen in New York mit fantastischer Gitarrenarbeit von Taylor und Richards. In Amerika als Single ausgekoppelt, avancierte der Track zum Hit. Auch großartig: „Silver Train“, ein Rock-Boogie mit Bandgründer Ian Stewart am Piano und Taylor an der Slide-Gitarre. Dann wäre da noch das melancholische „Winter“, selten in den Stones-Best-Of-Listen zu finden, aber ein heißer Anwärter für die Rubrik „Lieder, die zu Unrecht im Schatten stehen“.

Zweifelhaften Ruhm, was den Text betrifft, genießt „Star Star“, das ursprünglich „Starfucker“ heißen sollte. Die knackige Rock-Nummer über Groupies spielten die Stones übrigens laut Angaben des Portals Setlist.fm erstmals live am 1. September 1973 in der Wiener Stadthalle. Weitere Beiträge auf „Goats Head Soup“ wie „You Can Hear The Music“ oder „Hide You Love“ mögen nicht mithalten können, verdienen sich jedoch ebenfalls ein Wiederhören: Letzter genannten Song etwa allein wegen der wunderbaren Bluesgitarre von Taylor.

Zahlreiche Preziosen
Die Wartezeit auf ein neues Stones-Album verkürzt die am Freitag erschienene 2020-Ausgabe von „Goats Head Soup“ mit drei bisher unveröffentlichten Nummern: „Scarlet“ mit Jimmy Page an der Gitarre, „All The Rage“ und „Criss Cross“. Diverse Ausgaben auf CD und Vinyl (für Soundfreaks auch im half speed master mit Bonus 7„) bieten Outtakes und Demos, Deluxe-Versionen des weiteren den fantastischen Live-Mitschnitt “Brussels Affair“, der lange Zeit nur als legendärer Bootleg existierte, aber seit einiger Zeit über die Internetseite der Band vertrieben wird, sowie Buch und Poster. Somit wäre auch “Goats Head Soup" im Museum angekommen.

 Wien Krone
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