26.08.2020 18:24 |

„Historischer Tag“

Dank Impfung: Afrika erklärt Polio für besiegt

Nach Jahrzehnten des Kampfes ist Afrika frei von wildem Polio. Die unabhängige Africa Regional Certification Commission (ARCC) erklärte am Dienstag, dass in allen 47 Ländern der Afrika-Region der WHO der Wildtyp des Poliovirus ausgerottet sei. „Heute ist ein historischer Tag für Afrika“, sagte die Leiterin der Kommission, Rose Leke. Das Virus ist damit nur noch in Afghanistan und Pakistan aktiv.

Nach den Pocken vor rund 40 Jahren ist es der WHO zufolge erst das zweite Virus, das auf dem Kontinent ausgerottet wurde. „Nun müssen wir Polio endgültig beenden“, sagte die Leiterin der WHO in Afrika, Matshidiso Moeti. Denn noch immer besteht auf dem Kontinent eine seltene, von Impfungen stammende Form von Polio - und zwei Länder der Welt kämpfen noch immer gegen das wilde Poliovirus: Afghanistan und Pakistan.

Impfskepsis erschwerte Ausrottung
Polio galt jahrzehntelang als eine extrem große Bedrohung für Kinder weltweit. Die Krankheit greift das Nervensystem an und kann innerhalb von Stunden zur Lähmung führen, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren sind betroffen. 1988 beschloss die Weltgemeinschaft, die Krankheit auszurotten. Doch die Herausforderungen in Afrika waren gewaltig: Konflikte, schlechte Infrastruktur, Menschen auf der Flucht und Misstrauen gegenüber Impfungen erschwerten die Arbeit der Helfer.

1,8 Millionen Fälle verhindert
1996 lähmte der wilde Poliovirus laut der WHO mehr als 75.000 Kinder in Afrika. Jedes Land auf dem Kontinent war betroffen. Erst als Südafrikas Präsident Nelson Mandela im selben Jahr eine Kampagne startete, wurde die Krankheit in Afrika verstärkt bekämpft. Millionen von Impfungen wurden verabreicht. Laut der WHO wurden rund 1,8 Millionen Fälle von Lähmung durch Polio verhindert.

Corona bremst Bekämpfung
Doch die globale Gefahr ist noch nicht gebannt - Pakistan und Afghanistan kämpfen noch immer gegen die Krankheit. Alleine in Pakistan wurden in diesem Jahr bisher 67 Fälle mit dem Polio-Wildtyp bestätigt, in Afghanistan 37. Der Kampf gegen Polio ist dort besonders schwer wegen islamistischer Extremisten, die die Verschwörungstheorie verbreiten, der Westen wolle mit der Impfung muslimische Kinder sterilisieren.

Auch die Corona-Pandemie erschwerte die Arbeiten: Wegen der Pandemie wurden in beiden Länder Impfkampagnen ausgesetzt, alleine in Pakistan fehlten dadurch Schätzungen zufolge rund 40 Millionen Kindern die wichtige Schutzimpfung gegen die Erkrankung. Experten gehen dennoch davon aus, dass das Virus auch hier in den nächsten zwei bis drei Jahren ausgerottet werden könne.

Impfungen gehen weiter
Michael Galway, der stellvertretende Leiter des Polio-Programms bei der Gates Foundation, hofft, dass „innerhalb des nächsten Jahrzehnts jede Form von Polio beenden sein wird.“ Bis dahin besteht auch in Afrika weiterhin die Gefahr, dass wilder Polio durch einen importierten Fall zurückkehrt.

Daher werden weiterhin Kinder geimpft und die Krankheit wird verfolgt. Außerdem löst auch die Impfung selbst in vereinzelten Fällen eine bestimmte Form von Polio aus. Solche Fälle gibt es derzeit in 16 afrikanischen Ländern.

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