09.08.2020 09:00 |

Heimatjuwelen

Österreichs Nationalparks: Immer in Bewegung

Die österreichischen Nationalparks befinden sich im steten Wandel und sind genau aus diesem Grund etwas ganz Besonderes. Im Osten, mit den Parks Donau-Auen, Neusiedler See - Seewinkel und Thayatal, taucht man in drei komplett verschiedene Welten ein.

Die niederösterreichischen Donau-Auen sind eine Welt für sich, und wer nur die Wälder und Gebirge sowie die Ebenen dieses Landes kennt, ahnt nicht, dass in unmittelbarer Nähe der Weltstadt eine noch recht einsame und ganz für sich allein charakteristische Wildnis besteht“, so schwärmte schon Kronprinz Rudolf 1888 über den jetzigen Nationalpark Donau-Auen. Über 9615 Hektar erstreckt er sich, seit er 1996 aus der Taufe gehoben wurde. Bei einer Tschaiken-Fahrt – das ca. 20 Meter lange Boot ist der Nachbau eines typischen Donauschiffes aus der Zeit von 1530 – bekommt man einen ersten Eindruck davon, was Kronprinz Rudolf gemeint hat.

Schon nach wenigen Metern Fahrt erblicken wir am obersten Wipfel eines dürren Baumes einen Seeadler. Sechs Brutpaare nisten zurzeit in diesem Lebensraum. Etwas ganz Besonderes, wenn man bedenkt, dass diese Art noch vor wenigen Jahrzehnten in Österreich als ausgestorben galt. Aber auch die europäische Sumpfschildkröte, Eisvögel und Flussregenpfeifer fühlen sich hier recht wohl. Wie noch an die 7000 bis 8000 Tier- und Pflanzenarten mehr.

Die wahren Geheimnisse der Au befinden sich allerdings weit hinter den Daubelhütten (kleine Fischerhütten), in einem unberührten Teil des Nationalparks, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Durch die Renaturierung der Augewässer bilden sich neue Lebensräume: Kiesbänke, Sträucher, dschungelartige Auwälder, in denen die Brennnesseln meterhoch wuchern. Umgestürzte Bäume, sogenanntes Totholz, werden nicht entfernt und dienen als Futter, Unterschlupf und Nährboden. Im ständigen Wandel der Zeit „wandern“ die Seitenarme der Donau, reißen bei Hochwasser langsam die Ränder des Auwaldes mit sich, während auf der anderen Seite ein neuer entsteht. Und so findet möglicherweise im Laufe der Zeit auch Theodoxus danubialis wieder den Weg in die Donau-Auen. Die Schnecke, deren Name übersetzt so viel bedeutet wie „Gottes Geschenk an die Donau“, hätte hier die besten Voraussetzungen, gilt aber als verschollen. Der Natur Zeit und Raum geben, um die Vielfalt zu erhalten, lautet also die Devise. Eingegriffen wird hier nicht in das Mosaik an Lebensräumen.

Die Salzlacken sind extrem gefährdet
Von der wasserreichen Donau geht es weiter nach Süden. Mit etwa 9600 ha Fläche liegt nur ein kleiner Teil des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel auf österreichischer Seite. Der größte Teil entfällt auf unsere ungarischen Nachbarn. Nichtsdestotrotz konnten bisher in der Region ca. 360 Vogelarten - davon 178 Brutvogelarten - nachgewiesen werden. Ein Paradies für Ornithologen. Der Schilfgürtel, die Hutweiden, Wiesen, Salzlacken, Sandböden und auch Ortschaften sind Lebensraum unzähliger Tierarten. Ein besonderes „Sorgenkind“ sind allerdings die Salzlacken.

Das Prinzip ist Folgendes: Eine Mulde, die nach unten hin dicht ist, füllt sich mit Regenwasser. Wenn das Grundwasser nun hoch genug ist, transportiert es durch Kapillaren die Salzablagerungen im Boden an die Oberfläche. Nur leider hat der Mensch hier verheerend in die Natur eingegriffen. Grundwasserspiegelsenkungen aufgrund von Kanalisationen und Entnahme des Wassers für Bewässerung sind nur zwei Beispiele dafür. Die Überlebenschance dieses Biotops sinkt und steigt im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Grundwasserspiegel. In den Salzlacken fühlen sich Wasserflöhe und Urzeitkrebse besonders wohl. Und diese wiederum sind wichtige Nahrungsquellen für Vögel wie den Säbelschnäbler oder Seeregenpfeifer, Zugvögel, die auf diese Nahrungsquellen auf ihren Wegen angewiesen sind.

Doch im Laufe der letzten gut 150 Jahre zeigt sich ein dramatisches Bild. 1858 gab es noch rund 130 Salzlacken mit einer Fläche von 3615 ha, im Jahr 2016 waren es nur noch 48 Stück (656 ha). Das kann Harald Grabenhofer vom Nationalpark Neusiedler See aus eigener Erfahrung bestätigen: „Als Illmitzer kenne ich die Salzlacken seit meiner Kindheit. Viele davon würde heute niemand mehr erkennen. Sie sind komplett ausgetrocknet und zugewachsen.“ Aus diesem Grund kämpft er mit seinem Team für das Überleben und die Renaturierung.

So wie der Nationalpark im Burgenland gehört auch der Nationalpark im Thayatal (NÖ) nicht nur uns Österreichern. Wir teilen ihn uns mit Tschechien. Auf „unseren“ 1360 ha präsentiert sich eine Artenvielfalt, die sich sehen lassen kann. 44% aller Pflanzenarten Österreichs sind hier zu finden. 92% der Fläche sind von Wald bedeckt, der Rest entfällt auf Wiesen und Wasser. Auch hier lässt man der Natur ihre Zeit – und das seit 20 Jahren. Denn so alt ist dieser kleinste Nationalpark des Landes. Die unterschiedlichen Waldtypen, die sich hier im Thayatal befinden, erklären sich durch die landschaftlichen und geologischen Unterschiede. So gibt es hier dichte Buchenwälder ebenso wie trockene Steppenwälder, je nach Standort im Tal oder auf steilen Hängen.

Neben dem Naturschutz zählt natürlich auch die Forschung zu den Aufgaben der Mitarbeiter hier vor Ort. Am Ende des derzeit durchgeführten Projekts TERZ soll eine trockenheitsresistente Traubeneiche stehen. Zu diesem Zweck wurden 400 Bäume auf verschiedenen Extremstandorten ausgewählt, markiert, Bohrkerne gewonnen, die daraufhin untersucht wurden, wie die Bäume auf Trockenjahre in der Vergangenheit reagiert haben. Von den „besten“ 100 Exemplaren werden dann im Herbst die Samen gewonnen und die Bäumchen im Pflanzgarten gezogen und anschließend der Forstwirtschaft zur Verfügung gestellt. Erst in ein paar Jahren wird man allerdings sagen können, ob dieser Langzeitversuch auch Früchte trägt.

Die österreichischen Nationalparks befinden sich im steten Wandel. So unterschiedlich sie auch sind, überall stehen bestens ausgebildete Rangerinnen und Ranger den Besuchern gerne Rede und Antwort, begleiten sie bei Wanderungen, Bootstouren und Führungen aller Art. Aber natürlich lässt sich das Erlebnis Nationalpark auch auf eigene Faust auf allen ausgewiesenen Wanderwegen erkunden.

Elisabeth Salvador, Kronen Zeitung

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