15.04.2020 02:40 |

US-Beiträge auf Eis

Trump: „So viele Todesfälle durch Fehler der WHO“

Bereits in der Vorwoche hatte er es angekündigt, nun dürften die US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation WHO tatsächlich auf Eis gelegt werden: Präsident Donald Trump verkündete am Dienstag bei seiner täglichen Pressekonferenz: „Heute beauftrage ich meine Regierung damit, die Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation einzustellen.“ Zudem lasse er prüfen, welche Rolle die WHO bei der „schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus“ gespielt habe, so Trump im Rosengarten des Weißen Hauses. Die „zahlreichen Fehler“ der Organisation seien für „so viele Todesfälle“ verantwortlich. Sich selbst lobte er als Retter „Abertausender Menschenleben“.

Bereits in der Vorwoche hatte der US-Präsident der WHO Versäumnisse im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie vorgeworfen und die Weltgesundheitsorganisation als „zu China-freundlich“ attackiert. „Die WHO hat es wirklich vergeigt“, hatte Trump getwittert. Die Organisation werde zwar größtenteils von den USA finanziert, agiere aber „China-zentrisch“. Im Kampf gegen eine Ausbreitung des Virus habe die WHO eine „fehlerhafte Empfehlung“ abgegeben. „Zum Glück habe ich frühzeitig ihre Empfehlung zurückgewiesen, unsere Grenze zu China offen zu lassen“, so Trump.

Fehler der WHO „für so viele Todesfälle verantwortlich“
Am Dienstag legte Trump nach und warf der WHO vor, die Ausbreitung der Pandemie sogar beschleunigt zu haben. Die Organisation habe „political correctness“ über die Rettung von Menschenleben gestellt, so der US-Präsident. Durch das „Missmanagement der WHO“ und deren Vertrauen auf die Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und rund um die Welt verbreitet. Die „zahlreichen Fehler“ der Organisation seien für „so viele Todesfälle“ verantwortlich, sagte Trump weiter.

Der Präsident kritisierte insbesondere erneut, dass die WHO sich gegen Einreisesperren aus China ausgesprochen hatte. Diese Politik habe bei der Eindämmung der Epidemie „wertvolle Zeit“ vergeudet, kritisierte Trump weiter. Die WHO habe es zudem versäumt, die Angaben der chinesischen Regierung kritisch und zeitnah zu überprüfen. Mit einem schnelleren und entschlosseneren Einschreiten der WHO hätte die Epidemie mit wenigen Toten auf ihren Ursprungsort begrenzt werden können, behauptete Trump.

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Unsere Länder erleben jetzt ungeheuren Tod und wirtschaftliche Verwüstung, weil diejenigen, die damit beauftragt waren, uns zu beschützen, indem sie ehrlich und transparent sind, dies nicht getan haben.

Donald Trump

Trump lobt sich als Retter unzähliger Menschenleben
„Zum Glück“ habe er nicht auf die WHO gehört und die Flüge aus China gestrichen, so Trump. Damit habe er „unzählige Leben gerettet“, andernfalls „wären Abertausende gestorben“. In Richtung Weltgesundheitsorganisation sagte Trump: „Unsere Länder erleben jetzt ungeheuren Tod und wirtschaftliche Verwüstung, weil diejenigen, die damit beauftragt waren, uns zu beschützen, indem sie ehrlich und transparent sind, dies nicht getan haben. Es wäre so einfach gewesen, ehrlich zu sein.“

Angriff wohl Ablenkungsmanöver von eigenen Verfehlungen
Allerdings dürfte Trump mit den Attacken gegen die WHO von seinen eigenen Verfehlungen in der Krise ablenken wollen. Der Republikaner hatte die Gefahr des Coronavirus öffentlich lange heruntergespielt. Noch bis Anfang März beteuerte er, das Virus sei für die USA kein Grund zur Sorge. Mittlerweile muss er sich vehement gegen den Vorwurf wehren, trotz der Flugstopps zu langsam auf den Ausbruch reagiert zu haben. Er beteuert, alles in seiner Macht Stehende getan und auf den Rat von Experten gehört zu haben. So „antwortete“ er am Montagabend zu Beginn einer Pressekonferenz mit einem Propaganda-Video auf Skepsis von Journalisten, die auch jetzt nicht mit Kritik am Präsidenten hinter dem Berg halten.

Streit mit Gouverneuren „Meuterei“
Dass Trump sich ungern etwas sagen lässt, hatte er bereits zuvor auf Twitter unter Beweis gestellt: Im Streit mit mehreren Bundesstaaten über eine Lockerung der Corona-Maßnahmen sprach der US-Präsident von einer „Meuterei“. Man sollte den demokratischen Gouverneuren sagen, dass der Film „Meuterei auf der Bounty“ einer seiner Lieblingsstreifen sei, twitterte Trump.

Der Republikaner hatte am Montag im Zusammenhang mit einer Lockerung der Schutzmaßnahmen eine „allumfassende Macht“ des Präsidenten beansprucht. Mehrere Gouverneure, unter ihnen der Demokrat Andrew Cuomo in New York, widersprachen ihm. Inzwischen koordinieren zehn Bundesstaaten ihre Pläne unabhängig von der Regierung in Washington. Bis auf einen Bundesstaat werden sie alle von Demokraten regiert.

Mehr als 25.000 Tote in den USA, mehr als 600.000 infiziert
Daten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge überstieg die Zahl der Toten in den USA am Dienstag die Marke von 25.000 und verdoppelte sich damit innerhalb einer Woche. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben 2200 Menschen. Das ist die weltweit höchste Zahl. Insgesamt sind in den USA nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 600.000 Infektionen bekannt.

WHO: Trumps Vorgehen „das Schädlichste, was jetzt passieren kann“
Die WHO hatte die Vorwürfe und Drohungen von Trump, die er in der Vorwoche von sich gegeben hatte, bereits mit einem dramatischen Appell gekontert. Das Coronavirus für politische Zwecke zu missbrauchen, sei das Schädlichste, was jetzt passieren könne, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vergangene Woche. Nur Einigkeit helfe, wenn man nicht „noch viel mehr Leichensäcke“ riskieren wolle. Die in Genf ansässige WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich.

Beiträge hängen von Bevölkerungsgröße und Wohlstand ab
Das Budget der WHO besteht nach Angaben der Organisation zu weniger als einem Viertel aus den verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis aber der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar (106,75 Millionen Euro) fällig. Chinas Beitrag liegt für diese beiden Jahre bei jeweils rund 57 Millionen US-Dollar. Chinas Beiträge sind in den vergangenen Jahren aber deutlich gestiegen: 2018 und 2019 lagen sie noch bei je 37,9 Millionen US-Dollar, während sie bei den USA fast gleich blieben. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt laut WHO von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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