28.03.2020 15:15 |

Darf das sein?

Polizei stellt Wanderer mit Drohne an den Pranger

Auch in Großbritannien, wo man in den ersten Tagen der Corona-Krise noch zögerlich war, hat die Regierung mittlerweile Ausgangsbeschränkungen erlassen. Daran halten sich allerdings nicht alle, wie die Polizei Derbyshire auf Twitter ankreidet. Sie hat Wanderer und Spaziergänger in einem Nationalpark per Drohne gefilmt und die Aufnahmen ins Netz gestellt, um Nachahmer abzuschrecken. Die Aktion kommt nicht überall gut an.

In dem 90-Sekunden-Drohnenvideo, das die Polizei auf Twitter gestellt hat, zeigt sie einen halb vollen Parkplatz im Nationalpark Peak District. Die Analyse der Nummernschilder habe gezeigt, dass einige der Besitzer von weither angereist seien, kritisiert die Polizei und weist darauf hin, dass Spaziergänge nur erlaubt seien, wenn dafür keine Anreise mit Öffis oder Auto notwendig sei.

„Instagram-Snaps sind nicht notwendig“
Mit der Drohne suchen die Polizisten im Video auch nach den Besitzern der Autos - und erklären: Im Nationalpark mit dem Hund Gassi zu gehen, sei momentan „nicht essenziell“. Eine Person, die sich mit dem Handy fotografiert, kommentieren die Polizisten mit: „Instagram-Snaps sind nicht notwendig.“ Auf Twitter erntete das Video gemischte Reaktionen, manch einer sieht darin eine Grenzüberschreitung.

„Nanny-Polizeiarbeit der schlimmsten Art“
Viele Twitter-User fragten nach Veröffentlichung des Videos, inwiefern es das Ansteckungsrisiko für andere erhöhe, wenn sich eine Einzelperson allein durch die Natur bewege. Manch einer fragt auch, ob die Polizei derzeit keine anderen Sorgen habe, als harmlose Wanderer an den Pranger zu stellen. Ein Twitter-User spricht von „Nanny-Polizeiarbeit der schlimmsten Art“. Die Bürgerrechtler von Big Brother Watch sprechen von einem „finsteren und kontraproduktiven“ Treiben.

Polizei wollte „illustrieren, dass das falsch ist“
Bei der Polizei sieht man in der Veröffentlichung nur eine Maßnahme, um die Vorgaben der Regierung durchzusetzen. Dabei wurde noch einmal betont, dass Bewegung an der frischen Luft erlaubt sei, damit aber keine stundenlangen Wanderungen im Nationalpark nach längerer Anreise mit dem Auto gemeint seien, sondern kurze Spaziergänge in der Nähe des Wohnortes.

Im Peak District treffe man immer wieder auf Wanderer, die von weither angereist sind, musste kürzlich sogar ein Picknick auflösen, klagt man bei der Polizei. Die Absicht hinter dem Drohnenvideo sei gewesen, „zu illustrieren, dass dies in der momentanen Situation falsch ist.“

Auch Italien, Spanien, Österreich nutzen Drohnen
Drohnen zur Überwachung der Corona-Maßnahmen werden indes nicht nur in Großbritannien eingesetzt. Sie spielten schon im chinesischen Wuhan eine Rolle bei der Durchsetzung der Ausgangssperre, weisen in Italien und Spanien mit Lautsprechern auf die Ausgangsbeschränkungen hin und werden auch in Österreich genutzt, um die Bewegungen der Bevölkerung zu beobachten, wie Innenminister Karl Nehammer kürzlich dem Radiosender Ö1 bestätigte.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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