„Jetzige Einschätzung“

Anschober: Auch in Zukunft keine Ausgangssperren

Politik
14.03.2020 15:14

Trotz der drastischen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus schließt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Ausgangsperren in Österreich auch für die Zukunft aus. Überdies kündigte er im Ö1-„Mittagsjournal“ am Samstag den Ausbau von Intensivbetten und Unterkünften für leichtere Fälle, etwa in leer stehenden Hotels, an. Per Aussendung gab der Gesundheitsminister zudem bekannt, dass mit Hochdruck an einer Lösung für 24-Stunden-Betreuerinnen gearbeitet werde, von denen viele aus Rumänien stammen.

50,8 Prozent der Rund-um-die-Uhr-Betreuer und -Betreuerinnen kommen aus Rumänien über Ungarn nach Österreich und betreuen mehr als 33.000 pflegebedürftige Menschen, heißt es in der Aussendung des Ministeriums. „Ziel ist eine Ausnahmeregelung aus der Grenzschließung, damit die Betreuung pflegebedürftiger Menschen in Österreich gesichert bleibt“, so Anschober.

(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

„Nach allen jetzigen Einschätzungsmöglichkeiten“
Einmal mehr argumentierte der Gesundheitsminister die Strategie der Regierung, dass die Bevölkerung zum jetzigen Zeitpunkt ihre sozialen Kontakte herunterfahren soll, um die Zahl der Neuansteckungen zu minimieren. Ausgangssperren für die Zukunft schließt er allerdings aus - „nach allen jetzigen Einschätzungsmöglichkeiten“, so Anschober im ORF-Radio.

Noch immer rund 100.000 Österreicher derzeit grippekrank
Die „Strategie des Zeitgewinns“, wie Anschober es nennt, habe mehrere Gründe: Die exponentielle Anstiegskurve bei den Erkrankungen - derzeit liegt sie täglich bei 40 bis 50 Prozent - solle nämlich so weit gedämmt werden, dass „der Höhepunkt der Entwicklung in einen Zeithorizont kommt, wo wir erstens möglicherweise ein Medikament haben, das direkt spezifisch angewendet werden kann, und wir auch die Grippewelle, die nach unseren Erfahrungen immer circa Ende März abflacht, überstehen und übertauchen“. Derzeit gebe es in Österreich rund 100.000 Menschen mit Grippe oder grippeähnlichen Erkrankungen.

Ein leeres Restaurant in einem Einkaufszentrum in Dornbirn (Bild: APA/JOCHEN HOFER)
Ein leeres Restaurant in einem Einkaufszentrum in Dornbirn

Der Gesundheitsminister ist übrigens überzeugt, dass zuerst ein Medikament auf den Markt kommen wird. Mit einer Impfung rechnet er erst später: „Ich wäre wirklich sehr, sehr glücklich, wenn es die Impfung bis Jahresende, Anfang des nächsten Jahres geben würde. Das sind die Prognosen, die uns seitens der Wissenschaft vorgelegt werden.“

Anschober versichert schonenden Umgang mit Ressourcen
Was die Situation in Österreichs Spitälern anbelangt, so versicherte Anschober, dass mit Voraussicht gehandelt werde - beispielsweise mit dem schonenden Umgang von Ressourcen, etwa durch die Verschiebung nicht notwendiger Operationen. Geplant sei auch der ausreichende Einkauf von Schutzmaterial, wie beispielsweise Schutzbrillen. Doch das sei ein Problem, da der Weltmarkt im Augenblick „leer“ ist.

(Bild: APA/Hannes Markovsky)

Exportverbot von Schutzmasken „völlig unsolidarisch“
In diesem Zusammenhang kritisierte er in dem Interview auch das Vorgehen Deutschlands, das ebenso wie Frankreich ein Exportverbot für diese Materialien verhängt hat: „Aus meiner Sicht geht das nicht. Das ist völlig unsolidarisch.“ Zumindest sei es gelungen, dass es nun in Deutschland einen Erlass gebe, der vorsehe, „dass die Lkw, die schon an der Grenze stehen voller Gesichtsmasken für Österreich, dass die jetzt über diese sogenannte Grenze innerhalb der Europäischen Union fahren können und die Zulieferung zu den Spitälern ermöglicht wird“.

(Bild: APA/Barbara Gindl)

„Jedes zusätzliche Intensivbett ist ein Erfolg“
Ein weiteres Thema des Interviews war die Anzahl an Intensivbetten, die es in Österreichs Spitälern gibt - konkret auch, wie viele Normalbetten in Intensivbetten umgewandelt werden können. Details dazu konnte Anschober noch nicht liefern. Man sei gerade in der Erhebung, die bis auf ein paar ausstehende Zahlen im Wesentlichen abgeschlossen sei. „Jedes zusätzliche Bett“ sei „ein Gewinn und ein Erfolg. Deswegen arbeiten wir auf Länderebene derzeit ganz intensiv daran, dass wir diese Strukturen aufstocken, und wir unterstützen sie aber auch, diese neuen Strukturen zusätzlich zu schaffen.“

(Bild: APA/Helmut Fohringer (Symbolbild))

Lazarette in Messehallen oder Hotels
Der Minister veranschaulichte, dass es sich dabei nicht nur um Spitäler handeln muss: Es gebe Bereiche und Flächen, die jederzeit umgebaut werden könnten, verwies er auf die Vorgehensweise Wiens, wo die Messe in ein Betreuungszentrum für leichte Erkrankungsfälle umfunktioniert werden kann. In anderen Bundesländern könnte dies beispielsweise ein leer stehendes Hotel sein: „Da wird es unterschiedliche Lösungsansätze geben - wichtig ist, dass wir jetzt ausreichend Potenzial schaffen.“

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