City4U fragt nach:

Wie schützen sich Kids vor Erwachsenen im Netz?

Was wie eine Horrorgeschichte, die Eltern ihren Kindern erzählen klingt, ist bittere Realität: Erwachsene Männer und Frauen, die sich auf sozialen Plattformen als Teenager ausgeben und gezielt junge Mädchen und Buben anschreiben, mit dem Ziel, Nacktfotos zu bekommen, über Sex zu sprechen und im schlimmsten Fall sogar ein Treffen zu arrangieren. Bereits 27 Prozent der Elf- bis 18-Jährigen Teenies in Österreich haben laut der Beratungsstelle Rat auf Draht schon mindestens einmal Erfahrung mit dem sogenannten Cyber-Grooming gemacht. City4U hat nachgefragt, wie sich Kinder davor schützen und was die Eltern tun können.

Erst vor kurzer Zeit ging das Video einer Mutter und Internetspezialistin online, die sich als junges Mädchen ausgegeben und erschreckende Erfahrungen im Netz gemacht hat. Binnen kürzester Zeit erhielt Ryan Sloan zahlreiche Nachrichten, viele auch sexueller Natur, Nacktfotos und die Aufforderungen, selbst Nacktfotos zu verschicken. Die Amerikanerin traf sich sogar mit einem erwachsenen Mann in einer Hotellobby. Dieser dachte, dass sie 15 Jahre alt und Jungfrau sei. Trotzdem wollte er sie überreden, mit ihm aufs Zimmer zu gehen, um Sex zu haben mit dem Versprechen, er würde auch sehr vorsichtig sein. Sloan hat den Mann schließlich angezeigt, doch die Polizei hat bei weitem nicht die Ressourcen und Möglichkeiten, sich um alle Cyber-Groomer zu kümmern.

Doch Cyber-Grooming ist bei weitem nicht nur ein amerikanisches Phänomen. Auch Kinder in Österreich sind davon betroffen. Laut einer Studie von Rat auf Draht und dem SOS Kinderdorf unter 400 befragten Teenies zwischen elf und 18 Jahren aus ganz Österreich, wurden 27 Prozent schon mindestens einmal sexuell belästigt online. Birgit Satke, Leiterin von Rat auf Draht, rät, misstrauisch zu sein und nicht alles leichtfertig zu glauben: „Man sollte besonders vorsichtig sein, wenn jemand auffällig viele Komplimente macht, fragt ob man sich gerade allein im Raum aufhält oder vor intimen Fragen nicht zurückschreckt.“ Außerdem sollten die Kids skeptisch sein, wenn bei einem Profil kein Foto ist. „Sollte man das Gefühl haben, dass sich die Person als jemand ausgibt, der sie nicht ist, kann man zum Beispiel um ein spezielles Foto bitten, auf dem ein Schild hochgehalten wird. Das Foto muss dann aber innerhalb kurzer Zeit geschickt werden, weil es natürlich mit Photoshop bearbeitet werden könnte“, rät Satke.

Die oberste Regel ist: Keine personenbezogenen Daten weitergeben. Zudem sollte man sich nur an öffentlichen Orten treffen, wenn es denn dazu kommt und immer Freunde oder Eltern darüber informieren. Eltern werden dazu angehalten, den Kindern die Gefahren des Internets zu erklären und sie zu informieren, wie einfach es ist, sich im Internet als jemand anderes auszugeben. "Ein generelles Verbot auszusprechen, bringt jedoch nichts, da die Jugendlichen es dann heimlich machen könnten. Wenn sich das Kind mit einer unangenehmen Erfahrung meldet, wäre es falsch, ihm Vorwürfe zu machen.“

Wenn man trotz aller Aufklärung in die Grooming-Falle tappt, ist es wichtig, sich rasch Hilfe und Unterstützung zu holen. „Je schneller man das tut, desto eher kann etwas getan werden. Außerdem ist es ratsam, Beweise wie Screenshots zu sammeln und gegebenenfalls bei der Polizei Anzeige zu erstatten“, betont die Rat auf Draht-Leiterin. Eine gute Nachricht zum Schluss: Laut Satke haben sich die Anfragen zu Cyber-Grooming in der letzten Zeit zumindest nicht erhöht.

März 2020

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Viktoria Graf
Viktoria Graf
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