
Monatelang wurde hinter verschlossenen Türen ein Dossier zur zweiten Tierhaltungsverordnung ausgearbeitet. NGOs wurden, wie sonst eigentlich üblich, nicht einbezogen. Erst mit der Begutachtungsphase kamen die Pläne ans Licht, welche die Politik nun als positive Errungenschaft verkaufen möchte.
Was der Öffentlichkeit allerdings hier als Fortschritt präsentiert wird, könnte sich als massiver Rückschritt entpuppen, befürchtet eine Allianz aus mehreren Tierschutzorganisationen. Diese wird auch von der „Krone“ unterstützt, Tierecke-Leiterin Maggie Entenfellner lässt aufhorchen: „Das ist das schlechteste Gesetz seit 25 Jahren!“
Verpflichtendes Wissen
So ist zwar ein verpflichtender bundesweiter Sachkundenachweise vor der Anschaffung von Hunden, Vögeln oder Reptilien gefordert, allerdings gibt es massive Mängel bei der Umsetzung. Dieser scheint alles andere als gut durchdacht zu sein. Ein drängender Punkt: Wer genau darf die Sachkundekurse für neue Hundehalter anbieten?
„Es gibt de facto keinerlei qualitative Anforderungen an jene Personen, die diese Kurse leiten sollen“, kritisiert die Tierschutzallianz. Denn der Beruf Hundetrainer zählt als „freies Gewerbe“, das jeder relativ schnell ausüben kann. Einen staatlichen Befähigungsnachweis für diesen Beruf gibt es nicht. Das führe aus Sicht von Tierschützern zu deutlichen Qualitätsunterschieden.
Wiener Modell als Vorbild
Für die Allianz von Vier Pfoten, den Verein gegen Tierfabriken, Tierschutz Austria, den Verein Freunde der Tierecke, den Verein Pfotenhilfe und Tiko NÖ ist dies vollkommen inakzeptabel. Sie fordern, dass das Abhalten der Kurse ausschließlich „tierschutzqualifizierten Hundetrainern“ vorbehalten sein sollte.
Dieses Gütesiegel wird vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität vergeben und ist in Wien bereits Standard, wo ein Sachkundenachweis für Hundehalter schon seit vielen Jahren Pflicht ist. Auch für Exoten wie Reptilien, Amphibien und Papageienvögel ist ein entsprechender Kurs in der Hauptstadt seit drei Jahren ein Muss.
Immerhin müssen künftige Tierhalter für diese Kurse zahlen – und dann sollten sie doch erwarten können, dass sie von echten Experten geschult werden. Für heftige Kritik sorgen auch die neuen Regelungen zur Zucht. So dürfen künftig weibliche Katzen bereits mit zehn Monaten gedeckt werden – in einem Alter, in dem die Tiere noch nicht ausgewachsen sind.
Wird noch eingelenkt?
In der Hundezucht gibt es einen besonders schwammig formulierten Passus, der es künftig erlauben könnte, kranke oder unverträgliche Tiere in Boxen sperren zu dürfen. Warum die Politik und allen voran die drei Regierungskoordinatoren Tierschutz derartig mit Füßen treten, ist schwer zu verstehen. Die Tierschutzallianz hofft auf ein Umdenken.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.