25.02.2020 07:00 |

Studie präsentiert

Wasserkraftwerke als Gefahr für Fischbestand

Ein Team von Wissenschaftern aus Nord- und Südtirol hat sich dem Zustand der Fischfauna in Süd-, Nord- und Osttirol gewidmet. Erstmals wurden dabei mehrere Faktoren wie Verbauungen, Kläranlagen oder das Umland der Gewässer unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich, dass bei zunehmender Nutzung von Wasserkraft die Biomasse abnimmt, hieß es auf einer Pressekonferenz am Montag in Innsbruck.

Das sogenannte „Schwall-Sunk“-Ereignis sei dabei entscheidend, erklärte Wolfgang Mark von der Universität Innsbruck. Abflüsse unterhalb von Kraftwerkszentralen können dadurch täglich schwanken. „Das kann bis zum Erlöschen von Fischformen führen“, warnte Mark. Wenn man jedoch um das Wasserkraftwerk natürliche Gewässer bestehen lässt, könne der Effekt gemildert werden.

Wasserqualität deutlich verbessert
Doch die Wissenschafter verkündeten auch eine gute Nachricht: Die Wasserqualität in den untersuchten Gewässern habe sich deutlich verbessert. Chemische Substanzen liegen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. An den 81 in der Studie namens „Alfa“ untersuchten Beprobungsstellen konnten außerdem 26 verschiedene Fischarten gefunden werden, am häufigsten wurden Bachforelle, Mühlkoppe und Regenbogenforelle gezählt.

Äsche teils komplett verschwunden
Dennoch geht es einigen Fischarten regelrecht an den Kragen: Die Äsche - die einst häufigste Fischart - ist aus manchen Gewässern komplett verschwunden, berichtete Mark. Insgesamt könne man eine Abnahme der Biomasse beobachten. In Nordtirol etwa wurden durchschnittlich 48 Kilogramm pro Hektar festgestellt. „Früher hatten wir das doppelte“, stellte Mark fest.

Sorge wegen Klimawandel
In der Studie, die gemeinsam mit Eurac Research und der Agentur Landesdomäne der Provinz Bozen durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Anzahl und Vielfalt an Fischen in tieferen Lagen größer ist als in höher gelegenen Berggewässern. Doch sollte sich die Temperatur der Gewässer - bedingt durch den Klimawandel - kontinuierlich erhöhen, drohen negative Auswirkungen, erklärte Bernd Pelster, der wie Mark am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck forscht. Die Widerstands- und Fortpflanzungsfähigkeit der Fische könne dadurch abnehmen. Bisher haben sich problematische Erwärmungen, die bisher vorwiegend in Südtirol zu beobachten waren, noch nicht bemerkbar gemacht. Sorgen machte man sich jedoch bereits um den Einfluss hormonaktiver Substanzen in Gewässern. Einige Fischpopulationen werden dadurch „verweiblicht“, so Pelster. Männchen können dadurch tatsächlich zu Weibchen werden, dies stelle eine Bedrohung für die Fischpopulation dar. Die Hormone gelangen etwa durch die Antibabypille oder Diabetespräparate ins Wasser. Kläranlagen seien „nur bedingt“ in der Lage, diese Substanzen zu eliminieren, sagte Pelster.

Keine naturbelassenen Gewässer mehr
Den einen Faktor für die Beeinträchtigung der Fischfauna könne man aber nicht ausmachen, resümierte Studienleiter Erich Tasser von Eurac. Vielmehr sei es das Zusammenspiel von mehreren Faktoren, die einen Einfluss auf den alpinen Fischbestand haben. Ein bisher nicht berücksichtigter Effekt sei aber als maßgeblich zu bezeichnen: Die Nutzung der Landschaft, durch die das Gewässer fließt. Positiv für den Fischbestand sei, wenn das Gewässer nicht vom Menschen beeinflusst wird. Doch die Ergebnisse zeigten: „Ein absolut naturbelassenes Gewässer ohne menschliche Beeinflussung konnte nirgends mehr gefunden werden“.

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