30.11.2019 14:10 |

Kreisel im Talk

Den Klimawandel mit Hightech stoppen - geht das?

Der Klimawandel ist da - in der öffentlichen Debatte, in Form steigender Temperaturen im Alltag. Forscher schlagen im Fachmagazin „Nature“ Alarm, dass manche Folgen - Eisschmelzen, Korallenbleichen, sich verändernde Meeresströmungen - bereits unumkehrbar sind. Inmitten dieser Herausforderung schöpfen Wissenschaft und Wirtschaft Hoffnung aus erneuerbaren Energien, modernen Technologien und nachhaltigen Ideen. Der Mühlviertler Unternehmer Walter Kreisel beschreitet diesen Weg mit Erfolg.

Die Gäste laben sich an veganen Häppchen, Heuschrecken und Bier bei der Launch-Feier des Innovations-, Wirtschafts- und Nachhaltigkeitsmagazins „Tech & Nature“ der „Trending Topics“-Gründer Jakob Steinschaden und Bastian Kellhofer. Wer früh genug kam, sitzt auf Paletten-Sofas und wartet gespannt auf die Keynote des Innovators aus Freistadt. Die restlichen Besucher stehen, der Andrang ist groß.

Walter Kreisel (40) erklärt an diesem Abend, wie er mit intelligenter Verschwendung statt dummen Energiesparideen, riesigen Akkus und der Kraft von Wind, Wasser und Sonne dem Klimawandel entgegentritt. Und wie er mit Hightech in Afrika aus Luft Wasser macht. krone.at-Reporter Dominik Erlinger traf ihm zum Interview.

„Krone“: Was genau kann man denn mit moderner Technik gegen den Klimawandel ausrichten - und wie genau soll es funktionieren?
Walter Kreisel: Zuerst muss man Energiedaten erfassen und auswerten. Dann kann man die Frage stellen: Soll man die Energie vor Ort produzieren und wie kann man sie intelligent verteilen? Das erledigt man mit einer Kombination aus Soft- und Hardware. Die Energie wird in großen Batterien gespeichert und bei Bedarf zum Beispiel über Ladestationen für E-Autos abgegeben. Mit unseren neoom Produkten mit intuitiver Software Ntuity realisieren wir solche Anlagen für die private und gewerbliche Nutzung. Wir wollen den Leuten helfen, Energie intelligent zu verschwenden, statt sie dumm zu sparen. Ich schalte also nicht die Waschmaschine ein, wenn der Strom günstig ist, sondern speichere den günstigen Strom, bis ich ihn brauche, weil ich dann die Waschmaschine einschalten kann, wann ich will. Die Technik muss sich nach dem Nutzer richten, nicht der Nutzer nach der Technik.

Smart-Home-Technik und Riesen-Akkus für das Haus sind nicht unbedingt günstig. Muss man sich Klimaschutz leisten können?
In der Herstellung sind unsere Systeme noch nicht zur Hundert Prozent CO2-neutral. Jedoch über den Betrieb in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage ist so ein System in der CO2-Bilanz relativ schnell CO2-positiv. Außerdem senke ich, wenn ich Stromspitzen abfedere, die Netzauslastung und kriege so mehr Rendite. Damit verdient jeder, der in solche Systeme investiert. Mit der immer größeren und effizienteren Massenproduktion sinken auch die Kosten für diese Technik.

Es gibt Klimawandel-Skeptiker, die meinen, die globale Erwärmung sei nichts Unnatürliches. Wie kommt man an die heran?
Man hat jetzt 50 Jahre über fossile Energieträger geschimpft, ohne die ökonomischen Vorteile neuer Technologien abzubilden. Die sind aber sehr wichtig. Wenn einer die ökonomischen Vorteile darin nicht sieht, dann ist ihm ohnehin nicht zu helfen. Der ist dann auch nicht unsere Zielgruppe.

Auch Akkus und Solarzellen müssen produziert und entsorgt werden. Wie umweltfreundlich sind solche Technologien, wenn man das berücksichtigt?
Wir achten sehr auf die Herkunft unserer Rohstoffe und vermeiden zum Beispiel, so gut es geht, bei unserer Batterieproduktion Kobalt. Leider haben wir auch ganz wenig Anteile von seltenen Erden drin. Ich könnte mir vorstellen, dass da in Zukunft neue Quellen erschlossen werden können. Dabei denken wir an eine Fahrgemeinschaft mit Elon Musk - während er Menschen auf den Mars bringt, kann er für uns Rohstoffe mit runter nehmen. (lacht) Spaß beiseite, prinzipiell glauben wir an eine Kreislaufwirtschaft, die durch neue Materialien - Nanotechnologie, Graphen - noch optimiert werden kann. Das Gute bei unseren Technologien ist, dass wir die Rohstoffe ja nicht verbrennen, sie also wiederverwenden können. Bei einer Batterie sind 98 Prozent der Rohstoffe recyclebar, wenn sie nicht durch äußere Einflüsse wie Brände beschädigt wird.

Wie macht sich Österreich als Standort für Hochtechnologiebetriebe? Was ist gut, was könnte besser sein?
Wenn man etwas ausprobieren will, ist es gut, wenn man es in einem kleineren Land wie Österreich macht. Wenn man dann wächst, erreicht man allerdings relativ schnell die Grenzen des Potenzials. Bei der erneuerbaren Energie kommt in Österreich hinzu, dass schon sehr viel am Markt ist und wir im Vergleich zu unseren Nachbarländern sehr geringe Netz- und Stromkosten haben. Wir denken aber prinzipiell global und handeln international. Das sieht man bei uns in der Firma, wir haben Mitarbeiter aus Finnland und Afrika. Wir ziehen auch aus dem Ausland viele an.

Mit Elektrizität macht er aus Luft Wasser
Bei seiner Keynote erzählt der Vater von zwei Buben noch von seinem jüngsten Projekt: Einer Maschine, die in dürren Regionen Afrikas aus Luft Wasser machen soll. Die Idee kam ihm bei einem Besuch in einer Schule in Afrika, die er gemeinsam mit seiner Frau unterstützt. Strom habe man dort durch erneuerbare Energieträger genug, Trinkwasser dagegen nicht. Also entwickelte Kreisel mit seinen Ingenieuren, vorne Weg Manfred Ledermüller, einen Generator namens Phantor, der aus heißer Luft Wasser extrahiert und die Flüssigkeit sammelt und bis zu Trinkwasserqualität aufbereitet.

„Beim ersten Mal hatten wir schon die Panik“
„Heute haben wir beim zweiten Anlauf bei der RailTec Austria hier in Wien unseren finalen Test durchgeführt und die Zertifizierung abgeschlossen - beim ersten Mal hatten wir schon die Panik, dann zurück aufs Reisbrett, Ruhe behalten und nun bewiesen, dass es geht“, erzählt Kreisel dem Publikum.

10.000 Liter Wasser soll die mobil oder stationär nutzbare Maschine von der Größe eines LKW-Anhängers, wenn sie nächstes Jahr serientauglich ist, pro Tag aus der Luft extrahieren. „Das kann man dann als Arbeitswasser verwenden oder mineralisieren und Trinkwasser daraus machen.“

Damit geht der gelernte Elektrofachmann und studierte Marketing-Spezialist gleich die nächste Folge des Klimawandels an: die zwangsläufig daraus resultierende Wasserkrise. Denn wenn der Planet sich aufheizt, wird es in vielen Regionen dürrer und schwieriger, Wasser für Bevölkerung und Landwirtschaft bereitzustellen. Für Walter Kreisel gibt es noch viel zu tun.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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