27.11.2019 11:55 |

krone.at-Kolumne

Strache - der ewige Schatten der FPÖ

Die Freiheitlichen haben derzeit keinen Lauf. Nach dem Debakel bei der Nationalratswahl und in Vorarlberg verlieren sie nun auch in der Steiermark. Dabei können die Blauen gar nicht so viel dafür. Sie dürfen sich bei ihrem ewigen Schatten Heinz-Christian Strache dafür bedanken.

Es ist keine zwei Monate her, dass der ehemalige Vizekanzler im Zuge einer zack zack zack einberufenen Pressekonferenz verkündete, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen. Nach dem Bekanntwerden der Spesenaffäre rund um Mietzuschuss und Gucci-Tascherl wollte er ja eigentlich „keine politische Funktion mehr“ anstreben. Der daraufhin gelöste Consulter-Gewerbeschein scheint aber nicht so schnell gebraucht zu werden - Strache bot Anfang der Woche seinen Rücktritt vom Rücktritt an. Der Posten als Wiener Parteichef dürfte ihm nun doch besser gefallen als ein Job in der Privatwirtschaft.

Strache ist mit dem „Bin da, bin wieder weg“-Syndrom keineswegs ein bedauerlicher Einzelfall - schon sein Lehrmeister Jörg Haider perfektionierte dieses Spiel. Die Blauen scheint dieses Comeback-Geplänkel dennoch unbeeindruckt zu lassen, denn: Zurückhaben möchte Strache kaum einer. Und das ist auch mehr als verständlich.

Solange Strache wütet, wird der FPÖ kein Neustart gelingen
Zwar versorgen die nächtlichen Facebook-Ausschweifungen des ehemaligen Vizekanzlers eine ganze Nation mit ausreichend kabarettistischer Unterhaltung der allerfeinsten Sorte, aber für die FPÖ bieten sie kaum einen Grund zu lachen. Denn solange der gefallene Parteiobmann in der Öffentlichkeit wütet, postet und über ein Comeback sinniert, wird ihr kein Neustart gelingen. Der wäre aber nach der Serie an desaströsen Wahlergebnissen dringend notwendig.

Das Problem, das die FPÖ hat, ist, dass jeder noch so bemühte Versuch einer Rückkehr zur sachpolitischen Debatte auf der Strecke bleibt, solange Strache nach wie vor omnipräsent ist. Jeder gute Vorschlag verpufft, wenn mit nur einer Wortmeldung des Ex-Chefs Erinnerungen an laue, wodkagetränkte Nächte ins Gedächtnis gerufen werden. Und besonders schön sind diese Bilder nicht.

Der Spitzenpolitiker als einfacher Privatmann - das ist kein Leichtes
Nicht umsonst diskutiert die Partei aktuell über einen kompletten Ausschluss Straches aus der Partei. So menschlich verständlich es auch ist, dass es für einen ehemaligen Spitzenpolitiker mit Sicherheit kein Leichtes ist, sich von heute auf morgen mit der Rolle als einfacher Privatmann zufriedenzugeben - die Gefahr, zur Lachnummer der Nation zu werden, ist groß. Und der potenzielle Schaden, wenn das so weitergeht, für die FPÖ noch größer - immerhin stehen im kommenden Jahr in Wien und dem Burgenland zwei wichtige Landtagswahlen an.

Deswegen ist der frühere blaue Chef gut beraten, zumindest bis zur Aufklärung der Vorwürfe ein wenig leiserzutreten, sich wie angekündigt fürs Erste aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und einmal tief durchzuschnaufen. Ibiza soll dafür ein schöner Ort sein.

Katia Wagner, krone.at

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