15.09.2019 21:18 |

„Tore der Hölle offen“

Drohnen-Angriffe erschüttern die Ölindustrie

Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien haben die Ölproduktion im Königreich dramatisch einbrechen lassen und verschärfen die Spannungen am Golf. Die Produktionsmenge sei infolge der „terroristischen Attacken“ um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens pro Tag eingebrochen, schrieb die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA in der Nacht auf Sonntag.

Obwohl sich die Houthi-Rebellen im benachbarten Jemen zu den Angriffen bekannten, machten die USA den Iran dafür verantwortlich. Teheran bestritt jegliche Beteiligung. Der Komplex wird zu den weltweit wichtigsten Ölanlagen gezählt.

Mehrere Explosionen auf Öl-Anlagen
Nach offiziellen Angaben erschütterten am frühen Samstagmorgen gegen 3.31 Uhr und 3.42 Uhr (Ortszeit) mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik. Auf Videos in sozialen Netzwerken sind große Feuer über den Komplexen zu sehen, die den Nachthimmel erleuchten. Satellitenbilder von NASA und ESA zeigten im Laufe des Samstags mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.

Die Brände seien unter Kontrolle, teilte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulasiz bin Salman bin Abdulasiz kurz darauf mit. Durch die Angriffe sei die Produktion in Abkaik und Churais aber zeitweise ausgesetzt. Auch die Produktion von Flüssiggas sei betroffen. Der Produktionsausfall könne aber durch Lagerbestände ausgeglichen werden.

„Tore der Hölle in bisschen weiter geöffnet“
Experten sehen in der Drohnenattacke einen Angriff auf das Zentrum der saudischen Ölindustrie. „Selbst wenn die Feuer schnell gelöscht sind und der Schaden in Abkaik nur gering ist, sind die Tore der Hölle ein bisschen weiter geöffnet“, schrieb der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war, auf Twitter. Die in Washington ansässige Energieberatungsfirma „Rapidan Energy“ bezeichnete die Raffinerie in Abkaik als die wichtigste Öleinrichtung der Welt.

Nach Angaben von Saudi Aramco ist der Komplex die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Abkaik spiele eine entscheidende Rolle in der täglichen Produktion des Unternehmens. Von hier werde verarbeitetes Öl weiter an die Ost- und Westküste des Landes sowie nach Bahrain geleitet.

IEA: „Stehen in Kontakt mit saudischen Behörden“
Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris sieht nach den Drohnenangriffen zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt, teilte die IEA mit. „Wir stehen in Kontakt mit den saudischen Behörden sowie mit den wichtigsten Produzenten- und Verbrauchernationen.“ Man verfolge die Situation in Saudi-Arabien aufmerksam, hieß es weiter.

Im Falle von Engpässen seien die USA zur Freigabe von Ölreserven bereit, teilte eine Sprecherin des US-Energieministeriums am Sonntag mit. Die strategischen Ölreserven der USA umfassen nach Ministeriumsangaben 630 Millionen Barrel. Saudi-Arabien produzierte nach Angaben der OPEC im vergangenen Monat rund 9,8 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Houthis: „Nächste Operation wird schmerzhafter“
Zu dem Angriff bekannten sich die Houthi-Rebellen im benachbarten Jemen. Ein Militärsprecher der Houthis bezeichnete den Angriff mit zehn Drohnen am Samstag als „legitime Antwort“ auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen. „Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird“, sagte Militärsprecher Jahia Saria. Es handle sich um den bisher größten Einsatz in Saudi-Arabien.

Das arabische Königreich führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Houthis kämpft. Diese werden wiederum vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle.

Pompeo macht Iran verantwortlich
US-Außenminister Mike Pompeo machte jedoch den Iran direkt für den Angriff verantwortlich. „Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen“, schrieb Pompeo auf Twitter.

Rouhani: „Präsenz der Amerikaner schafft Probleme“
Irans Präsident Hassan Rouhani wies Pompeos Vorwürfe zurück. Die USA wollten mit ihren Vorwürfen nur davon ablenken, dass ihr Verbündeter Saudi-Arabien ständig Luftangriffe auf Jemen fliege und Menschen töte, sagte Rouhani am Sonntag. Die USA müssten eingestehen, „dass ihre Präsenz in der Region die Probleme schafft“, fügte Rouhani hinzu.

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini bezeichnete den Angriff als „reale Bedrohung der regionalen Sicherheit“. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, warnte vor einer Eskalation auf der arabischen Halbinsel. Solche Zwischenfälle würden den von den Vereinten Nationen geleiteten politischen Prozess im Jemen gefährden. Die UN bezeichnen den Krieg im Jemen als die derzeit größte humanitäre Katastrophe der Welt.

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