Aus für „süße“ Spots?

Kalorienbomben im TV: Werbeverbot auf Prüfstand

Österreich
03.02.2026 06:00

Dass in Großbritannien keine Anreize für den Griff zu Schokolade, Zuckerln und anderen Süßigkeiten über die Schirme flimmern dürfen, löst nun auch bei uns in Österreich eine hitzige Diskussion über „süße“ Spots aus ...

London, früher Abend. Die Fernbedienung liegt griffbereit, die Kinder sitzen noch vor dem Fernseher – doch etwas fehlt. Keine schmelzende Schokolade, keine bunten Limonaden, kein fröhlich tanzender Chip. Seit Kurzem ist im Vereinigten Königreich Schluss mit Werbung für zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel vor 21 Uhr. Im Internet ist sie ganz verboten.

Kampf gegen Fettleibigkeit
Die Regierung zieht die Notbremse – im Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern. Der Schritt kommt nicht überraschend. 36 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen in Großbritannien sind übergewichtig oder adipös, bei den Erwachsenen sind es 61 Prozent. Schon mit vier Jahren ist jedes zehnte Kind fettleibig, mit fünf Jahren hat jedes fünfte Kind Karies. Für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS ist das ein Warnsignal.

Werbung für süße Verlockungen oder auch ungesunde Lebensmittel – im britischen Fernsehen wird ...
Werbung für süße Verlockungen oder auch ungesunde Lebensmittel – im britischen Fernsehen wird der Riegel vorgeschoben (Symbolbild).(Bild: Drobot Dean - stock.adobe.com)
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Ich glaube nicht, dass man falsche Ernährung nur mit Verboten lösen kann. Die Eltern haben eine entscheidende Vorbildfunktion.

Bildungsexperte Dr. Andreas Salcher

Dabei hat Großbritannien schon vieles versucht. 2018 wurde die Zuckersteuer eingeführt, später ausgeweitet – auf Milchshakes und fertige Kaffeegetränke aus Kühlregalen. Dazu kamen Verbote für „Zwei-für-eins“- und „Drei-für-zwei“-Aktionen bei Süßem und Fettigem. Der gewünschte Effekt blieb jedoch aus.

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Ein Werbeverbot bringt auf alle Fälle etwas! Das lindert Anreize vor dem Schlafengehen und stoppt Verlockungen, denen die Kinder erliegen könnten.

Primarius Friedrich Hoppichler

Die klare Einschätzung von Professor Hoppichler, Primarius der Barmherzigen Brüder in Salzburg und Leiter des SIPCAN-Instituts: „Ich glaube, das Werbeverbot bringt auf alle Fälle etwas! Jedenfalls mehr als die Zuckersteuer. In Großbritannien hat diese gar nicht viel gebracht. Die Kinder nahmen sogar an Gewicht zu. Die Industrie hat Süßes durch Süßstoff ersetzt. So hat sich an der Süße eines Getränks gar nichts geändert. Und bei Süßstoffen weiß man aus wissenschaftlichen Studien, dass sie eine Gewichtszunahme bewirken können, sogar cancerogene Effekte wurden bei hohem Konsum beschrieben.“

Portionsgröße und Umfeld sind der Hebel
Hoppichler betont, dass der Hebel in der Praxis die Portionsgröße und das tägliche Umfeld seien. Sein Institut erreicht rund 250.000 Schüler und Schülerinnen an 1200 Bildungsinstitutionen. Programme wie „Schlau trinken“, Jausenführerschein oder Buffet-Initiativen zeigen, dass Prävention funktioniert, wenn Kinder lernen, was sie essen und was genug ist.

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Wir setzen nicht auf pauschale Werbeverbote, sondern auf Kooperationen mit Lebensmittelhändlern sowie echte Aufklärung.

Ministerin Korinna Schumann

Der britische Ansatz setzt dort an, wo das Verlangen entsteht: bei der Werbung. Keine süße Verführung zur besten Sendezeit, keine digitale Dauerbeschallung für Kinder. In Österreich verfolgt man einen anderen, praxisnahen Weg. Auf pauschale Werbeverbote setzt man nicht, sondern auf Kooperationen mit Lebensmittelherstellern, Gesundheitsförderung durch Aufklärung, gestärkte Gesundheitskompetenz sowie bessere Rahmenbedingungen in Schulen und Kindergärten.

Mehrwertsteuersenkung auf gesunde Lebensmittel 
Dazu soll eine Mehrwertsteuersenkung auf gesunde Lebensmittel Anreize bieten. Im UK rechnet man vor, was das Paket bringen könnte: bis zu 70 Milliarden Kalorien weniger pro Jahr, rund 20.000 vermiedene Fälle von Fettleibigkeit, Einsparungen für das NHS von mehr als zwei Milliarden Euro. Spitzenmediziner Hoppichler bringt es auf den Punkt: „Gesunde Ernährung beginnt, wo Kinder jeden Tag entscheiden – beim Trinken, bei der Jause.“ Bildungsexperte Andreas Salcher nimmt die Eltern in die Pflicht: „Sie tragen Verantwortung für die Gesundheit ihrer Kinder.“

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