28.07.2019 15:37 |

Tausendsassa wird 72

Was unsere Politiker von Arnie lernen können

Am 30. Juli feiert Arnold Schwarzenegger seinen 72. Geburtstag. Was das mit unserer Nationalratswahl zu tun hat? Arnie hat Wahlkampftrends erfunden. Denn er war ja nicht nur Muskelprotz und Filmstar. Sondern von 2003 bis 2011 auch Gouverneur von Kalifornien.

Zunächst zeigt Schwarzenegger die vielen Meinungswechsel der Österreicher auf, wer unser Held sein soll. Anfangs schlug ihm das dumme Vorurteil entgegen, dass viele Muskeln bedeuten würden, jemand sei eine geistige Dumpfbacke. Dafür haben wir nach den ersten Welttiteln im Bodybuilding erfolgreich verdrängt, dass das ohne Unmengen von Doping nicht möglich gewesen wäre.

Beliebtheit als Politiker war kurioses Auf und Ab
Er ging in Thal bei Graz in die Volksschule. Kaum wurde Schwarzenegger zum Gouverneur gewählt, liefen in der Steiermark mindestens 500 Leute als seine angeblichen Klassenkameraden herum. Alle wollten neben Arnie gesessen sein. Bis sich herausstellte, dass der Herr Gouverneur ein Befürworter der Todesstrafe war. Was in Kalifornien jeder vorher wusste.

Auf einmal tat man so, als hätte Schwarzenegger in der Volksschule ein Einzelzimmer gehabt. Einer „Umtaufung“ des zwischenzeitlich nach ihm benannten Liebenauer Stadions kamen seine Anwälte nur durch Entzug der Namensrechte zuvor. Als er mit Ende der Amtszeit als Gouverneur niemanden mehr hinrichten lassen konnte, fanden wir ihn wieder ganz toll. So ist die österreichische Seele.

In Kalifornien gibt es seit Jahrzehnten klare Mehrheiten der Demokraten, Schwarzenegger gehörte wie Donald Trump der Gegenpartei, den Republikanern, an. Trump hat in der Präsidentschaftswahl 2016 die kalifornische Teilwahl verloren und wird auch 2020 dort verlieren. Wie konnte Arnie ebenda zweimal klar gewinnen?

Ja, Schwarzenegger wurde deutlich mehr von konservativen Männern im ländlichen Raum gewählt. Für seine Mehrheit gewann er freilich genauso in Los Angeles sowie in fast allen Alters- und Bildungsgruppen. Österreich ist heute in seinem Wahlverhalten gespaltener, als es damals Kalifornien war. Bei der Nationalratswahl 2019 müssten sich alle Parteien bemühen, die Gegensätze von Stadt und Land sowie nach Alter, Geschlecht und Beruf zu überwinden. Stattdessen wird Polarisierung betrieben.

Wahlkampf in Talkshows geführt
Schwarzenegger stand zugleich für eine Unsitte, die auch in der österreichischen Politik versucht wird. Arnie gab seine Kandidatur in einer Unterhaltungssendung des amerikanischen Fernsehens bekannt. Bei seinem Kumpel Jay Leno in der „Tonight Show“. Überhaupt mochte Arnie keine Politikformate. Mit einer einzigen Ausnahme trat er während des ganzen Wahlkampfs ausschließlich in Talkshows auf.

Kritische Nachfragen? Fehlanzeige!
Dort gab es eine Wohlfühlatmosphäre und sanfte bis witzige Fragen zu Arnies Leben. Kritische Nachfragen waren Fehlanzeige. So konnte er vermeiden, inhaltlich aufs Glatteis zu geraten. Da sind die Sommergespräche und Kandidatendiskussionen bei uns zum Glück großteils anders. Kandidaten gehören von politischen Journalisten hart befragt. Was gar nicht geht, ist, ihnen in Plauderstunden Hölzchen für Antworten zuzuwerfen, warum sie der eigenen Parteimeinung nach toll sind.

In der strategischen Kommunikation können heimische Politiker von Schwarzenegger viel lernen. Man braucht für die Wähleransprache drei Dinge. Erstens ein gutes Thema. Zweitens eine klare Botschaft. Drittens eine dazu perfekt passende Person. Wer etwa bis gestern nicht wusste, was das Ozonloch ist, ist als plötzlicher Botschafter für Umwelt- und Klimapolitik wenig glaubwürdig.

Nie hat jedoch ein Kommunikationsdreieck besser gepasst als im Fall Arnold Schwarzenegger. Als Hauptthema bei seiner Wahl 2003 ging es ums Geld. Kalifornien als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt war pleite. Nun war Schwarzenegger nicht gerade als Budgetexperte berühmt. Für finanzwissenschaftliche Analysen hätten die Leute jemand anderen gewählt.

Was war also Arnies Botschaft?
In englischer Sprache lauteten seine Werbespots „I will clean house!“. Man kann das politisch korrekt übersetzen, dass er den Haushalt des Landes in Ordnung bringen wolle. Oder freier: Ich werde diesen Saustall ausmisten! Dazu trat er auf wie der Terminator in seinen erfolgreichsten Filmen. Was könnte bis hin zur Bildwirkung besser zusammenpassen? Genial.

Derart werbetechnisch stimmig ist kein österreichischer Spitzenkandidat. Und in noch einem Punkt hinken - die Grünen ausgenommen - Sebastian Kurz, Pamela Rendi-Wagner, Norbert Hofer & Co. dem Arnie hinterher. Bei ihrer nun zur Schau getragenen Umweltliebe. Mag sein, dass sie diese bislang eher heimlich in sich trugen. Doch Schwarzenegger hat viel früher zu einem Kreuzzug gegen den Klimawandel aufgerufen, den er als „die größte Attacke“ auf das Wohlergehen der Menschheit bezeichnete.

Am 30. Juli feiert Schwarzenegger seinen 72. Geburtstag.

Peter Filzmaier, Kronen Zeitung/krone.at

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