21.07.2019 09:18 |

Urlaubs-Gschichtln

Venedig: Gondoliere Giacomo mag nicht mehr

Riesige Kreuzfahrtschiffe, die engsten aller Gassen und unfassbare Massen: In Venedig trifft Hochkultur auf Müll. Die Einheimischen selbst verlassen die (ab-)sinkende Stadt.

Giacomo sitzt im Schatten einer Häuserfront am Kanal. Links von ihm führt eine jener kleinen Brücken über das Wasser, die Venedig in der ganzen Welt berühmt gemacht haben. Abertausende Menschen schieben sich an ihm vorbei. Im Kanal treiben Plastikflaschen, Zigaretten und Müll, den das Salzwasser mittlerweile zu undefinierbaren Fetzen gespült hat.

Er liebe seine Stadt, sagt Giacomo. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen“, erzählt er. 15 Jahre habe er hier gelebt, dann sei er aufs Festland gezogen. „Dort ist es ruhiger und preiswerter.“ Giacomo ist nicht der einzige Einheimische, der die Koffer packte. Steigende Touristenzahlen und der Pegel der Adria führten dazu, dass nur noch gut 54.000 Menschen in der allwinterlich überfluteten Altstadt Venedigs leben.

Der Italiener trägt das typische gestreifte T-Shirt der Gondoliere und einen Hut, den er beim Sprechen aus dem Gesicht schiebt. „Natürlich“, gesteht auch er ein, „bringen die Touristen Geld.“ Man lebe davon. Aber was ihn stört, sei der Müll, der an jeder Ecke liegen bleibt - oder noch schlimmer: im Wasser landet. Auch die Kreuzfahrtschiffe seien ein Problem. Denn ja, es komme zu Unfällen, aber es gebe auch einen weiteren Punkt: Die Tagesausflüge seien gut durchgetaktet, in so einer Hektik bleibe häufig nicht sehr viel Zeit zum Geldausgeben.

„Bei den Kreuzfahrten Eintrittsgeld kassieren“
Das sagt auch einer, der es wissen muss: Karl aus Graz ist leidenschaftlicher Kreuzfahrtfahrer. 14-mal ist er bereits um große Teile der Welt geschippert, zweimal davon auch mit Halt in Venedig. Er sitzt am Wasser und genießt den Ausblick, hinter ihm schieben sich die Massen über die Rialtobrücke, an der erst jüngst zwei deutsche Rucksacktouristen eine Strafe erhielten, weil sie sich dort ihren Kaffee selbst kochten.

„Ich verstehe, wenn es langsam zu viel wird“, sagt Karl. Roswitha, ebenfalls leidenschaftliche Kreuzfahrtfahrerin, nickt neben ihm. „Für uns wäre es kein Problem, Eintrittsgeld zu bezahlen“, sagen die Österreicher und schlagen vor, es bei Kreuzfahrten gleich miteinzukassieren. „Und an einem Hafen etwas weiter weg anzulegen würde Touristen auch nicht stören“, sagt Karl. Alle am Tisch stimmen zu.

Auch Lucy und Jeanette, die zum ersten Mal in Venedig sind und trotz der Touristenmassen ganz verzaubert vom Flair dieses Ortes über das Wasser schauen. Eine andere Meinung haben Jennifer und Jürgen aus Linz. „Furchtbar und unnötig“ seien die riesigen Schiffe - „und eine Schande, dass dadurch eine so schöne Stadt beschädigt wird.“

Sie haben selbst eine Anekdote aus ihrem aktuellen Urlaub parat? Schreiben Sie uns an urlaub@kronenzeitung.at oder hinterlassen Sie uns gleich hier Ihre Bilder und die passende Geschichte dazu - wir freuen uns auf Ihre Fotos und Schilderungen!

Clara Milena Steiner und Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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