27.06.2019 13:25

2. Person lokalisiert

Gasexplosion kostet Frau (29) das Leben

Bei der verheerenden Gasexplosion in Wien-Wieden am Mittwoch ist eine 29-jährige Frau ums Leben gekommen. Zudem dürfte der Hauseinsturz ein weiteres Todesopfer gefordert haben: Eine zweite Person wurde in dem teilweise eingestürzten Haus unter den Trümmern von Spürhunden lokalisiert. Die Chancen, sie lebend zu bergen, stehen allerdings schlecht. Am Nachmittag konnte Entwarnung rund um eine dritte Vermisste gegeben werden: Sie befindet sich bereits im Krankenhaus. 14 Bewohner wurden bei dem Drama, das von einer defekten Gastherme ausgelöst worden sein dürfte, verletzt, zwei davon schwer. Ein Feuerwehrmann zog sich bei den Bergungsarbeiten Verletzungen zu.

Laut Feuerwehrsprecher Christian Feiler hatte man, nachdem Suchhunde angeschlagen hatten, seit Mittwochabend fieberhaft parallel am Schuttkegel vor dem Haus und jenem im Innenbereich gearbeitet. Die Feuerwehrleute beseitigten die Trümmer zunächst händisch, um mögliche darunter liegende Personen nicht zu verletzen. Am späten Abend wurde dann schweres technisches Gerät beigezogen. Während der äußere Bereich des Hauses an der Ecke Preßgasse/Schäffergasse ergebnislos abgetragen wurde, fand sich im Gebäude die Leiche der Frau, die in der Nacht geborgen wurde.

Zweite Person lokalisiert
Mit Hohlraumkameras durchsuchte man im Innenbereich weitere Spalten in den Trümmern und lokalisierte eine weitere Person. Lebenszeichen waren allerdings nicht festzustellen. „Wir arbeiten derzeit mit Volldampf, um sie zu bergen“, so der Sprecher am Donnerstagvormittag. Die Rettungshunde sollen auch angeschlagen haben. Das müsse aber nicht zwangsläufig heißen, dass sich jemand unter dem Schuttberg befindet. „Es sind inzwischen so viele Einsatzkräfte über diesen Bereich gegangen, dass das die Spurenlage vermischt“, hieß es.

Im Laufe des Vormittags verdichteten sich dann Hinweise, dass noch eine weitere Person unter den Trümmern liegen könnte. Demnach gab es Anzeichen, dass sich jemand zum Unglückszeitpunkt im Stiegenhaus befunden hat. Am Nachmittag konnte dann jedoch Entwarnung gegeben werden: Die Frau befand sich bereits im Krankenhaus.

Feuerwehrmann verletzt
Donnerstagmittag waren 50 Mann der Wiener Berufsfeuerwehr im Einsatz. Aufgrund der schwierigen Arbeitsbedingungen - Teile des Dachs stürzten immer wieder in die Tiefe, zudem machte die Hitze den Rettungskräften zu schaffen - wechselten die Spezialisten einander regelmäßig ab. Einer der Helfer wurde bei dem Bergungseinsatz verletzt. Der Mann wurde ins Spital gebracht, es dürfte sich aber um keine schwere Verletzung handeln.

Die Einsatzkräfte hatten am Nachmittag bereits große Mengen an Schutt händisch abgetragen. Parallel dazu wurde technisches Gerät vorbereitet, um das Material wegzuschaffen. Am teileingestürzten Gebäude selbst begann die Feuerwehr damit, Geschoßdecken, die aufgrund der Explosion übereinanderzuliegen gekommen waren, von oben schrittweise abzutragen. Die Arbeiten am Gebäude würden so lange fortgeführt, bis dieses als gesichert gilt und nicht mehr einsturzgefährdet ist, teilte Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf mit. Die Instandsetzungsarbeiten sollen dann sukzessive an Baufirmen vergeben werden.

Löste defekte Therme Detonation aus?
Ursache für die Explosion könnte eine defekte Gastherme gewesen sein. „Wir sind unmittelbar nach der Explosion alarmiert worden. Es war zunächst nicht leicht, den eigentlichen Unglücksort herauszufiltern, weil so viele Menschen angerufen haben“, erklärte der Feuerwehrsprecher. „Als wir am Unglücksort eintrafen, nahmen unsere Einsatzkräfte noch Gasgeruch wahr. Das ist der Grund, warum wir eine Gasexplosion für möglich bis wahrscheinlich halten.“ Polizeisprecher Harald Sörös ergänzte: „Die Beamten der zentralen Brandermittlung konnten aber aufgrund noch nicht abgeschlossener Sicherungsmaßnahmen das Gebäude noch nicht betreten.“ 

Letzte Leitungsprüfung ohne Verdachtsmomente
Die letzte Überprüfung der Gasleitungen habe von 2017 bis 2018 durch einen Installateur stattgefunden, hieß es aus dem Büro der Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) am Donnerstag. Wiener Wohnen habe bis zur Explosion keine Hinweise auf Gasgeruch, Probleme mit Gas oder Ähnliches aus der Wohnanlage erhalten. Die Stadträtin versicherte allen Betroffenen „die volle, unkomplizierte Unterstützung durch Wiener Wohnen“. Donnerstagmittag hatte die Stadt Wien bereits Ersatzquartiere für sämtliche betroffene Bewohner organisiert.

Bierlein: „Tief empfundene Anteilnahme“
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein brachte gegenüber den Angehörigen des Todesopfers der Gasexplosion ihre „tief empfundene Anteilnahme“ zum Ausdruck. „Ich wünsche allen Verletzten rasche Genesung. Den vielen Einsatzkräften gelten mein herzlichster Dank und mein großer Respekt“, sagte Bierlein am Donnerstag.

In unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle befinden sich eine Volksschule und eine Neue Mittelschule. Wie ein Anrainer berichtete, sollen sich 30 bis 40 Minuten vor dem Unglück noch Kinder und Eltern, die ihre Kleinen von der Nachmittagsbetreuung abholten, auf der Straße befunden haben. Später wurden die Schulen vorübergehend geöffnet, in ihnen wurden evakuierte Bewohner und besorgte Angehörige gelabt.

Weitere Videos von der Unglücksstelle:

Bewohner schwebte stundenlang in Lebensgefahr
Ein 31-jähriger Mann wurde laut Wiener Berufsrettung lebensgefährlich verletzt. Er war zum Zeitpunkt der Explosion um 16.35 Uhr in seiner Wohnung im hauptbetroffenen Gebäude und dürfte von herabfallenden Bauteilen getroffen worden sein. Dabei erlitt er schwere innere Verletzungen, Knochenbrüche und Rissquetschwunden. Bis zum späten Abend stabilisierte sich sein Zustand glücklicherweise, die Lebensgefahr ist gebannt.

Ein 53-jähriger Mann - er wohnt eigentlich im Haus gegenüber - wurde auf der Straße von Glassplittern getroffen und trug schwere Schnittverletzungen davon. Zwölf weitere Menschen wurden mit leichteren Verletzungen - Verbrennungen, Schnittwunden oder Atembeschwerden - in Krankenhäuser gebracht. Einige Betroffene konnten noch am Mittwoch in häusliche Pflege entlassen werden.

Mieter aus Badezimmer auf Straße geschleudert
Augenzeuge Hannes K. schilderte gegenüber krone.tv die dramatischen Eindrücke, die sich ihm am Schauplatz boten (siehe auch Video unten). Er war einer der Ersthelfer und befreite gemeinsam mit anderen einen Mieter aus den Trümmern. Der Mann habe ihm erzählt, er sei im Badezimmer gewesen, als er einen lauten Knall gehört habe. Wenig später habe er sich in den Trümmern auf der Straße wiedergefunden.

Umliegende Verkehrssperren aufgehoben
Seit Mittwochnachmittag ist ein Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort. Die Verkehrssperren wurden um 5.40 Uhr bis auf den unmittelbar betroffenen Kreuzungsbereich Schäffergasse/Preßgasse aufgehoben. Die Wiener Polizei ist weiterhin vor Ort.

 krone.at
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