Trotz aller Warnungen: In Tirol gab es am Samstag wieder Lawinenalarme! In Serfaus (Bezirk Landeck) wurde ein Wintersportler im freien Gelände von Schneemassen verschüttet. Er konnte geborgen werden, doch er starb in der Klinik. Auch in der Wattener Lizum (Bezirk Innsbruck-Land) gab es Alarm. In Tirol herrscht verbreitet Gefahrenstufe 4. Das Bundesheer steht im Assistenzeinsatz. Am Nachmittag wurde AT-Alert ausgelöst!
Den ersten Lawinenalarm am Samstag in Tirol gab es um 10.23 Uhr: Die Leitstelle Tirol meldete einen Lawinenabgang in Serfaus. Dieser ereignete sich im Bereich Hintergreitbach im freien Gelände bei der zweiten Sektion der Komperdellbahn.
Unglück in steilerem Abschnitt
Ein 41-jähriger Einheimischer war gemeinsam mit einem Deutschen (29) dort mit Skiern unterwegs. Im Bereich der Seilbahntrasse befuhren sie in rund 1600 Metern einen steileren Abschnitt und lösten ein Schneebrett aus.
Begleiter grub Opfer aus
„Der 42-Jährige wurde komplett verschüttet, sein Begleiter nicht“, schildert ein Alpinpolizist aus Landeck. „Das Opfer hatte ein LVS-Gerät, der Begleiter konnte ihn nach rund 15 Minuten ausgraben – auch mithilfe zufällig vorbeikommender anderer Skifahrer“. Der Einheimische war mehr als zwei Meter tief verschüttet, weil er sich in einer Geländefalle befand.
Das Opfer hatte ein LVS-Gerät, der Begleiter konnte ihn nach rund 15 Minuten ausgraben – auch mithilfe zufällig vorbeikommender anderer Skifahrer.
Der ermittelnde Alpinpolizist
Bergung durch den Notarzthubschrauber
Auch die Bergrettungen Serfaus und Fiss wurden alarmiert – ebenso der Notarzthubschrauber Christophorus 5 und der Polizeihelikopter Libelle Tirol. „Dem Notarztheli gelang es trotz schwieriger Witterung, das Opfer zu bergen“, so der Alpinpolizist. Der Mann musste unter Reanimation in die Innsbrucker Klinik geflogen werden, wo er leider verstarb.
Weiterer Alarm, widrige Wetterbedingungen
Kurz darauf schon der nächste Alarm – diesmal in der Wattener Lizum im Bereich des sogenannten Hillary Kreuzes in den Tuxer Alpen. Die Lage war lange Zeit unklar. Die Crew des Notarzthelikopters Alpin 5 versuchte, aus der Luft die Situation zu klären. „Allerdings sind die Sichtverhältnisse, ebenso wie in Serfaus, aufgrund der Witterungsbedingungen schlecht“, hieß es von der Leitstelle. Inzwischen konnte der Einsatz abgebrochen werden. Laut Leitstelle Tirol handelte es sich um eine sogenannte Negativlawine ohne Personenbeteiligung.
Snowboarder löst Lawine aus und kam glimpflich davon
In Kitzbühel verließ gegen 13 Uhr ein 32-jähriger Snowboarder die gesicherte Piste und löste auf rund 1850 Metern eine Schneebrettlawine aus. Der Deutsche wurde rund 85 Meter mitgerissen und bis zur Brust verschüttet. Wie durch ein Wunder konnte er sich selbst befreien und blieb unverletzt. Eine Zeugin, die angab, dass ansonsten keine Personen verschüttet wurden, verließ den Unfallort ohne ihre Daten zu hinterlassen. Die Polizei bittet um Hinweise.
AT-Alert am Nachmittag in Tirol ausgelöst
Das Land Tirol hat um 13.30 Uhr eine behördliche Gefahreninformation via AT-Alert an alle in Tirol eingeloggten Mobiltelefone ausgesendet. Hintergrund ist die derzeit hohe Lawinengefahr (Stufe 4) in zahlreichen Gebieten.
Wir rufen die Bevölkerung und unsere Gäste auf, im gesicherten Gelände zu bleiben und Variantenabfahrten, auch unterhalb der Waldgrenze, zu vermeiden.

Elmar Rizzoli, Krisenmanager Land Tirol
Bild: Christof Birbaumer
Die Bevölkerung sowie in Tirol aufhältige Gäste wurden via AT-Alert auf die große Lawinengefahr im freien Gelände aufmerksam gemacht. „Wir rufen die Bevölkerung und unsere Gäste auf, im gesicherten Gelände zu bleiben und Variantenabfahrten, auch unterhalb der Waldgrenze, zu vermeiden“, so Elmar Rizzoli, Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement. Die gekennzeichneten Pisten sollen keinesfalls verlassen werden.
Eindringliche Warnung an alle Wintersportler
Auch heute, Samstag, könnte in Tirol – so wie am Freitag – eine wahre Lawinenserie drohen. Die Lage im ganzen Land ist weiter kritisch – verbreitet herrscht Gefahrenstufe 4 von 5. Am Vormittag mahnte der Lawinenwarndienst nochmals eindringlich vor der aktuellen Situation.
Wintersportler könnten sehr leicht Lawinen auslösen. Die Gefahrenstellen seien zahlreich, sogar unterhalb der Waldgrenze. Es seien weiterhin Schneebretter zu erwarten, die wie am Freitag in St. Anton am Arlberg sehr vereinzelt sehr groß werden können. Mit dem Regen steige die Auslösebereitschaft von spontanen Lawinen markant an.
Bundesheer im Lawinen-Assistenzeinsatz
Fünf Menschen kamen am Freitag auf den Bergen in Westösterreich bei Lawinenabgängen ums Leben – vier Tote gab es allein in Tirol, einen in Vorarlberg. Nach Anforderung der Landeswarnzentrale Tirol steht das Bundesheer am Samstag in Tirol im Lawinen-Assistenzeinsatz.
Der Einsatz war für Samstag bis 18 Uhr geplant, teilte das Verteidigungsministerium mit. Vorgesehen seien Erkundungsflüge zur Lagebeurteilung sowie Personentransporte der Bergrettung, die in weiterer Folge Lawinensprengungen und Windenbergungen durchführen soll.
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