Volkstheater Wien

Die virtuose wie tödliche Macht des Schwachsinns

Kultur
21.02.2026 11:21

Regisseurin Anna Marboe zeigt „Liv, Love, Laugh Strömquist“ als groteske TikTok-Demontage am Wiener Volkstheater.

Mit virtuos überschnappendem Nonsens hatte die neue Volkstheaterdirektion schon zu Saisonbeginn Glück: Die britische „Komödie mit Banküberfall“ läuft immer noch vor gut besuchtem Haus (ein Zustand, der dem Volkstheater mittlerweile nicht mehr fremd ist).

Nun dreht man die Groteske noch eine Windung weiter ins Absurde, ja Grenzdadaistische: „Liv, Love, Laugh Strömquist“ ist so undefinierbar wie sein Titel. Was die schwedischen Verfasserinnen Liv Strömquist und Ada Berger gefertigt haben, ist eine Art Musikkabarett und am ehesten durch den Untertitel „Ein Live Coaching auf Leben und Tod“ definierbar: Es geht um die Schwachsinnsfluten, die sich seit Ausbruch der sozialen Medien ungebahnt, tendenziell auch tödlich, in die Köpfe ergießen.

Belehrungsblödsinn in Hochpräzision
KI-deformierte Abhängige taumeln durch die Welt der TikToker, Youtuber, Beziehungs- und Ernährungsinfluencer.

Der Clou dabei ist, dass sich alles, was heutzutage das Theater vergiftet hat, als Karikatur gegen sich selbst wendet: Die Gesichtsmikrofone, das RTL2-Teutonisch, der Belehrungsblödsinn, das dröge Publikumsanstrudeln und der epidemische Pop-Gesang entfalten hier quasi implosive Wirkung.

Die Regisseurin Anna Marboe, selbst eine untypisch intellektuelle Musikerin, ist hier am richtigen Platz: Wenn gerockt wird, kracht in Hochpräzision das Haus, Textarbeit und Personenführung sind erstklassig, und das gut zusammengewachsene Ensemble aus Verbliebenen und Hinzugekommenen fällt wieder durch sein akrobatisches und pantomimisches Format auf.

Das Ensemble fällt durch sein akrobatisches und pantomimisches Format auf.
Das Ensemble fällt durch sein akrobatisches und pantomimisches Format auf.(Bild: Volkstheater/© Marcella Ruiz Cruz)

Mit Claudia Sabitzer und Sebastian Rudolph an der Spitze zeigen auch Nicolas Frederick Djuren, Katharina Kurschat, Nick Romeo Reimann und Sissi Reich, was sie können. Die Ausstattung von Helene Payrhuber und Sophia Profanter hat minimalistisches Format.

Fundgrube für TikToker
Einwände gibt es auch: Eine Parodie funktioniert nur, wenn ihr Gegenstand zumindest in Umrissen geläufig ist, was hier vorwiegend auf Meghan Markle zutrifft. Hier dürften vor allem TikToker fündig werden (speziell gewitzte, die man nicht mit der Kärntner Invektive „Tocker“ in Verbindung bringen will). Aber gerade die könnten sich in der Aufführung heimisch fühlen, sollte sich deren Qualität in der Altersgruppe durchsprechen (was dem Haus nicht schlecht bekäme).

So hängen die eindreiviertel pausenlosen Stunden minutenlang durch. Wo sie das aber nicht tun, freuen sich auch Besucher, denen Rollo, Milla Maklerin, Ziege und Anna Karin Bärmann bisher barmherzigerweise unbekannt geblieben sind.

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