Heute rückt Heer an

„Weißer Tod“: Bangen vor nächsten Lawinendramen

Tirol
21.02.2026 08:16

Fünf Menschen kamen am Freitag auf den Bergen in Westösterreich bei Lawinenabgängen ums Leben – vier Tote gab es allein in Tirol, einen in Vorarlberg. Die Lage bleibt auch am Wochenende kritisch – in Tirol herrscht verbreitet Gefahrenstufe 4 von 5. Abseits der gesicherten Pisten lauert tödliche Gefahr! Einsatzkräfte bangen bereits vor weiteren Tragödien! Das Bundesheer startet einen Assistenzeinsatz.

Lawinenabgänge im Minutentakt – am Ende des Tages waren es am Freitag allein in Tirol mehr als 30 Einsätze. An zwei Schauplätzen im Bundesland gab es leider auch Tote zu beklagen. In St. Anton am Arlberg wurden am Nachmittag zwei Wintersportler – ein US-Amerikaner und ein Pole – konnten nur noch tot aus einer Lawine geborgen werden. Ein junger Einheimischer (21) wurde an der Unglücksstelle reanimiert und in die Innsbrucker Klinik geflogen, wo er kurze Zeit später verstarb.

Lawineneinsatz in St. Anton
Lawineneinsatz in St. Anton(Bild: ZOOM Tirol)

In Nauders (ebenfalls im Bezirk Landeck) kam für einen 42-jährigen Deutschen jede Hilfe zu spät. Der Mann und dessen Sohn wurden im freien Skiraum von einer Lawine erfasst – der Vater ist tot, der 16-jährige Jugendliche überlebte das Unglück verletzt.

Am Wochenende drohen weitere Sucheinsätze und wohl auch Tragödien.
Am Wochenende drohen weitere Sucheinsätze und wohl auch Tragödien.(Bild: zoom.tirol, Hubert Rauth)

Mehr als 30 Lawinenabgänge am Freitag
Bis zum frühen Abend verzeichnete die Leitstelle insgesamt 32 Lawinenabgänge in Tirol – 16 davon mit unmittelbarer Personenbeteiligung. Neben den vier Todesopfern gab es eine ganze Reihe von Verletzten zu beklagen. Einsätze gab es in den Bezirken Innsbruck-Land, Imst, Kitzbühel, Kufstein, Landeck, Reutte und Schwaz.

Bundesheer unterstützt Lawineneinsatz
Auch am Samstag könnte es leider in dieser Tonart weitergehen. Bergretter, Alpinpolizisten, Hubschrauber-Crews und Co. erhalten aufgrund der kritischen Lage ab sofort Unterstützung des Bundesheeres.

„In den Morgenstunden startete das Österreichische Bundesheer einen Assistenzeinsatz mit einem Mehrzweckhubschrauber AW169 in Tirol aufgrund der prekären Schneesituation. Grundlage dafür ist eine Anforderung der Landeswarnzentrale Tirol und der ausgerufenen Lawinenwarnstufe 4“, hieß es Samstagfrüh vonseiten des Verteidigungsministeriums.

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Unsere Soldatinnen und Soldaten unterstützen dort, wo spezielle militärische Mittel – insbesondere aus der Luft – Leben schützen können.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner

Ministerin Klaudia Tanner betonte: „Die Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität. In enger Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden stellt das Bundesheer rasch und flexibel Fähigkeiten bereit, die im alpinen Katastrophenfall entscheidend sein können. Unsere Soldatinnen und Soldaten unterstützen dort, wo spezielle militärische Mittel – insbesondere aus der Luft – Leben schützen können.“

Erkundungsflüge, Personentransporte und Co.
Der Assistenzeinsatz sei vorerst für Samstag bis 18 Uhr geplant. Vorgesehen seien insbesondere Erkundungsflüge zur Lagebeurteilung sowie Personentransporte der Bergrettung, die in weiterer Folge Lawinensprengungen und Windenbergungen durchführen soll.

Verbreitet Lawinengefahrenstufe 4
Auf den Bergen in Westösterreich ist die Lawinensituation auch am Wochenende kritisch. In Tirol herrscht etwa weiterhin verbreitet Gefahrenstufe 4 von 5. „Viel Neuschnee und Triebschnee überlagern eine schwache Altschneedecke. Der viele Neuschnee und die mit dem starken Westwind entstehenden, umfangreichen Triebschneeansammlungen sind an allen Expositionen oberhalb der Waldgrenze sehr störanfällig. Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Sie liegen auch im Steilgelände im Bereich der Waldgrenze“, warnen die Experten vom Tiroler Lawinenwarndienst.

Die Infografik zeigt die fünf Warnstufen der Lawinengefahr mit Beschreibung der Schneedecke und der Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung. Stufe 1 steht für geringe Gefahr mit stabiler Schneedecke, Stufe 5 für sehr große Gefahr mit instabiler Schneedecke und zahlreichen spontanen Lawinen. Quelle: lawinen.at.

Typische Gefahrenzeichen wie „Wumm“-Geräusche und Rissbildungen seien klare Alarmsignale. Zudem seien Fernauslösungen verbreitet möglich. „Das bedeutet, dass Lawinen auch aus sicher geglaubter Distanz ausgelöst werden können“, so die Experten weiter.

Mit weiteren Schneefällen und auch dem Regen bis in mittlere Lagen steige die Auslösebereitschaft von spontanen Lawinen markant an. „Die Verhältnisse für Wintersport abseits gesicherter Pisten bleiben sehr gefährlich. Lawinen können sehr leicht ausgelöst werden. Es sind auch spontane Lawinen möglich“, heißt es.

„Negativlawinen unbedingt melden“
Um unnötige Sucheinsätze zu vermeiden, sei es wichtig, auch Negativlawinen zu melden, appellierte indes das Land Tirol.  „Wer Negativlawinen – also einen Lawinenabgang bei dem niemand zu Schaden kommt – beobachtet, sollte diese unbedingt unverzüglich der Leitstelle Tirol melden.“ Die Meldung von Negativlawinen sei telefonisch über den Notruf 144, den Alpinnotruf 140 oder über die SOS-EU-Alp-App möglich.

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