15.06.2019 08:04

Sie half in Libyen

Salzburgerin in Horror-Lagern: „EU trägt dazu bei“

Sechs Monate war sie in Flüchtlingslagern rund um Libyens Hauptstadt Tripolis für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, nun ist sie zurück in der Zivilisation. Die Salzburger Krankenschwester Sandra Miller schildert die hoffnungslosen Zustände der Migranten sowie die katastrophale Realität in den Horror-Lagern: „Die EU-Politik trägt dazu bei.“

Wir treffen Sandra Miller im Büro von Ärzte ohne Grenzen in Wien-Leopoldstadt. An den Wänden hängen eingerahmte Fotos aus Krisengebieten. Eine Weltkarte hält die flächendeckenden Einsätze der Organisation von Jemen bis Südsudan fest. „Ah! Der David ist im Libanon“, sagt Sandra.

Sandra Miller ist eine der knapp 70 österreichischen Einsatzkräfte, die in Krisengebiete fahren. Ein halbes Jahr lang war sie in verschiedenen Lagern in Libyen als Krankenschwester tätig. Es fehlen dort Wasser, Nahrungsmittel, Hygieneeinrichtungen: Mit mobilen Kliniken in fünf Lagern in Militärgebieten hat die 34-Jährige unter extremen Bedingungen eingeschlossene Flüchtlinge betreut. „Es ist jedes Lager ganz anders“, doch etwas eint alle: „die Unmenschlichkeit“.

Tagelang, so Miller, sind Menschen dort ohne Licht eingesperrt und entweder extremer Kälte oder Hitze ausgesetzt. Essen gibt es nur unregelmäßig. „Neuankömmlinge bekommen manchmal vier Tage lang nichts. Man sieht viele Mangelernährte und akut Untergewichtige, Frauen sowie Kinder.“ Viele denken an Suizid „oder haben das schon gemacht“. Fotos sind verboten.

Die Menschen kommen aus Eritrea, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien, Bangladesch, Pakistan. Ihr schlimmster Moment: „Einmal haben wir 30 Männer in einem Raum von 22 Quadratmetern eingesperrt aufgefunden, ohne sanitäre Anlagen, alle haben in einen Kübel urinieren müssen. Sie haben sich nicht einmal hinlegen können. Die sind vor uns gestanden und haben gesagt: „Ich brauch jetzt keinen Doktor, ich brauche ein Klo!“

Ein Fluchtversuch kann tödlich enden, erzählt die Salzburgerin. „Das Risiko, dass man erschossen wird, ist hoch.“ Und falls man im Mittelmeer aufgegriffen wird, geht es wieder zurück in eines der Horror-Lager: „Die EU-Politik trägt dazu bei.“

„Deswegen braucht es sichere Länder, die Menschen in Not aufnehmen und eine gute Versorgung sowie eine Möglichkeit für ein Asylverfahren geben.“ Es brauche „nachhaltige Alternativen, sichere Länder, die aufnehmen - und einen Rückbringungs-Stopp nach Libyen“.

Wohin geht’s als nächstes? „Jetzt einmal Urlaub in Österreich, danach schau ich weiter“, sagt Sandra Miller.

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Mangel an Beweisen
Frau vergewaltigt? Keine Anklage gegen Ronaldo!
Fußball International
Spiel in Kapfenberg
Remis zwischen Wolfsburg & Fenerbahce bei Testkick
Fußball International
Neuer Barcelona-Star
Griezmann: „Messi? Habe nichts von ihm gehört“
Fußball International
Transfer-Hickhack
Martin Hinteregger will „nicht unbedingt“ weg
Fußball International
Deutsche Bundesliga
SC Freiburg verlängert mit Abwehrspieler Lienhart
Fußball International
80 Millionen € Verlust
Alle Züge verkauft: Westbahn zieht Notbremse!
Österreich
Ungeliebter Star
Transfer-Hammer! Tauscht Real Bale gegen Neymar?
Fußball International
Ab nach Gladbach
Sohn von Lilian Thuram kommt in die Bundesliga
Fußball International
„Besser als gut“
Das sagt Gladbachs Weltmeister über Neo-Coach Rose
Fußball International
Kurz vor Liga-Start
Spannung im Titelkampf? Das sagen unsere Experten!
Fußball National

Newsletter