25.05.2019 06:04 |

Hitze mindert Leistung

Arbeitswelt im (Klima-)Wandel

Auch in unseren Breiten steigen die Temperaturen weiter. Es wird Zeit, dass Unternehmen auf die kommenden Herausforderungen reagieren. Weltweit gibt es bereits einige Bestrebungen, die hierzulande sukzessive übernommen werden.

Es wird immer wärmer! Laut Studien war eine Person 1990 durchschnittlich einen Tag im Jahr extremer Hitze ausgesetzt, 2070 wird sich diese Zahl aufgrund des Klimawandels auf bis zu 26 erhöht haben. Darunter leiden natürlich vor allem jene Menschen, die täglich ihrem Job nachgehen müssen.

Unter freiem Himmel besonders gefährdet
„Personen, die draußen arbeiten, sind naturgemäß am stärksten mit Wetterkapriolen konfrontiert. Schwer zu schaffen macht ihnen teilweise schon jetzt die erhöhte Sonneneinstrahlung“, gibt Dr. Susanne Schunder-Tatzber, Wiener Arbeitsmedizinerin und Präsidentin der AAMP (Österr. Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention), zu bedenken. „Bereits ab einer Körpertemperatur von über 38 Grad kommt es zu Beeinträchtigungen von körperlicher sowie geistiger Leistungsfähigkeit. Niedrige Wachsamkeit, langsame Reaktionszeit und schlechte Merkfähigkeit stellen die negativen Folgen dar, die nicht nur der Produktivität schaden, sondern auch zu einem Risiko für Gesundheit und letztlich Sicherheit werden können.“ Wer in der prallen Sonne Leistung erbringt, etwa Bauarbeiter, muss besonders geschützt werden. Ansonsten drohen Beschwerden wie Hitzschlag, Kollaps, Krämpfe, aber auch Sonnenstich oder erhöhte Unfallgefahr aufgrund von Blendung und Verbrennungen durch heiße Geräte oder Bauteile. Außerdem steigt langfristig die Gefahr für Hautkrebs. Es gibt bereits internationale Beispiele, wie sich solche Arbeitnehmer vor der Hitze wappnen. Diese könnten wohl auch hierzulande künftig eine Rolle spielen: In heißen Ländern werden zeltartige Beschattungen oder Pavillons auf Baustellen aufgestellt, Verkehrspolizisten stehen unter speziellen Schirmen.

Maßnahmen, um kühlen Kopf zu bewahren
„In Österreich werden Unternehmen auf diese Problematik vermehrt reagieren müssen oder tun es bereits“, führt Dr. Schunder-Tatzber aus. „Sinnvolle Maßnahmen beginnen schon bei der grundlegenden Organisation: An zu erwartenden Hitzetagen kann z. B. früher mit der Arbeit begonnen werden. Es ist dann ebenfalls ratsam, Aufgaben auszuführen, die nicht im Freien zu erledigen sind. Der Arbeitgeber sollte weiters Kopfbedeckung und luftdurchlässige, UV-sichere Kleidung zur Verfügung stellen. Die Augen benötigen ebenfalls Lichtschutz! Alkoholfreie Getränke, die gegebenenfalls die durch Schwitzen verloren gegangenen Elektrolyte ersetzen, müssten ebenso bereitstehen. Eventuell erhältliche Nahrung sollte leicht verdaulich sein.“ Der Schutz vor Hautkrebs mittels geeigneter Sonnencremes gehört gleichermaßen dazu: „Erfahrungsgemäß lehnen diesen vor allem Männer oft ab. Aufklärung zum Thema ist hier deshalb das A und O. Schließlich sind gefährliche Melanome im Steigen begriffen“, erklärt Dr. Schunder-Tatzber. „Ähnlich wenig beachtet werden weitere Gefahren für die Haut. Durch Schwitzen sinkt ihr pH-Wert. Die Anfälligkeit gegenüber Infektionen erhöht sich. Vor allem Pilzerkrankungen im Achsel- oder Leistenbereich treten auf ,heißen‘ Arbeitsplätzen öfter auf. Auch in festen Sicherheitsschuhen haben diese leichtes Spiel. Anleitungen für geeignete Hautpflege sollte deswegen allen Arbeitnehmern zugänglich sein. Es wäre ebenfalls angebracht, für Duschgelegenheiten zu sorgen.“

Aber nicht nur für körperlich arbeitende Menschen, sondern auch im Büro kann der Klimawandel mehr als unangenehm werden. Selbst im Büroraum wird es stetig heißer„Am Schreibtisch vermag einem die Hitze ebenfalls zu Kopf zu steigen und die Leistung zu dämpfen. Die Firmen sollten laut Arbeitnehmerschutzverordnung zwar Maßnahmen wie Abschattung durch Jalousien oder Rollos und Kühlung (Durchlüftung am Morgen und Abend) veranlassen“, so Dr. Schunder-Tatzber. „Man kann jedoch kein Unternehmen zwingen, eine Klimaanlage einzubauen.“ Ein Umdenken bezüglich Arbeitszeiten oder vermehrte Ausübungsmöglichkeiten zu Hause, falls es dort kühler ist, wären laut Expertin mögliche Optionen für sehr heiße Tage.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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