02.03.2019 20:43 |

Analyse zum MWC-Hype

Handys zum Falten noch lange kein Massenphänomen

Es war der Mobile World Congress der Unantastbaren. Samsung präsentierte inmitten des Hypes um die ersten Falt-Smartphones sein Galaxy Fold nur hinter Glas und ließ die Weltpresse nicht Hand ans Gerät legen. Huawei will im Juni mit dem Mate X nachziehen, aber auch das gab es nur hinter Glas zu sehen. Das stärkt nicht unbedingt den Glauben in die schöne neue Welt der Falt-Smartphones.

2000 Euro ruft Samsung im Mai für sein Galaxy Fold aus. 2300 Euro Huawei für sein im Sommer erscheinendes Mate X. Für so einen hohen Preis darf man einiges erwarten. Und umso verdächtiger ist es für Kundschaft und Presse, wenn die Geräte zwei bis drei Monate vor Veröffentlichung noch nicht ausprobiert werden dürfen.

Viele offene Fragen zu flexiblen Displays
Sind sie am Ende nicht so stabil, wie es der Job als digitaler Begleiter in der Hosentasche erfordert? Zeigen die Displays schnell Verschleißerscheinungen? Wie gut lässt sich ein flexibles Display, das man nicht mit starrem kratzfesten Glas überziehen kann, vor Kratzern schützen? Die Hersteller beschwichtigen. Aber viele dieser Fragen wird man erst beantworten können, wenn die Falt-Handys erst einmal einige Monate oder Jahre auf dem Markt gewesen sind.

Klappbar wie Buch oder aufschlagbar wie Zeitung
Manch eine Frage kann man freilich auch jetzt schon debattieren - etwa jene, welches Konzept besser ist: Samsungs Galaxy Fold, bei dem das Display gut geschützt an der Innenseite liegt und bei Bedarf aufgeklappt wird wie ein Buch; oder doch Huaweis Mate X, wo das Display außen ums Handy geschlagen ist. Für die Samsung-Herangehensweise spricht der klar bessere Displayschutz. Dagegen spricht, dass sich das Gerät nicht völlig plan zusammenlegen lässt und ein zusätzliches Mini-Display an der Außenseite erforderlich ist, damit man das Fold nicht ständig auffalten muss.

Wie kratzfest ist Huaweis Mate-X-Display?
Huawei muss sich mit seiner Herangehensweise Fragen hinsichtlich der Kratzfestigkeit des flexiblen Displays gefallen lassen. Doch die Chinesen haben auch Vorteile auf ihrer Seite. Das außen liegende Display erspart ihnen das Zweit-Display, das Samsung in die Außenseite seines Galaxy Fold einbaut. Ihre Scharnierlösung gestattet das plane Zusammenfalten des Geräts. Die nicht vom Display überzogene Leiste mit der Leica-Kamera ist eine geschickte Lösung, weil als Haupt- und Frontkamera gleichermaßen nutzbar. Insgesamt wirkt die Huawei-Interpretation eines Falt-Smartphones etwas ausgereifter als jene von Samsung.

Die ersten ihrer Art - auch bei der Software
Was freilich nichts daran ändert, dass es sich um die allererste Gerätegeneration handelt. Das sorgt nicht nur für ein angesichts der zu erwartenden Nutzungsdauer unvernünftig hohes Preisniveau. Es wirft auch die Frage auf, wie gut die Software mit den ersten Geräten ihrer Art harmoniert.

Bislang setzen alle angekündigten Geräte auf Android als Betriebssystem und Google hat auch bereits offiziell verlautbaren lassen, dass man die neue Display-Vielfalt bei Android in Zukunft berücksichtigen will. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Hersteller die Google-Software zu Beginn wohl noch drastisch anpassen müssen, damit sie die potenziellen Vorzüge eines Falt-Smartphones auch wirklich zur Geltung kommen.

Fazit: Eindrucksvolle Tech-Demo - aber noch nicht mehr
Letzten Endes verhält es sich mit Falt-Smartphones bis auf Weiteres wie mit 5G. Die Hersteller lassen uns hier einige Jahre in die Zukunft blicken und zeigen inmitten einer Zeit, in der ihnen bei konventionellen Smartphones die Innovationen ausgehen, wohin die Reise geht. Die vielen offenen Fragen, die unvernünftig hohen Preise und eine noch unerprobte Technologie könnten den Nutzern zunächst einmal aber als Indiz dafür dienen, dass es vielleicht besser ist, die Falt-Revolution vorerst als Zuschauer zu verfolgen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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