So, 17. Februar 2019
20.01.2019 23:01

Warnung aus VW-Konzern

„Autos bald unerschwinglich für Kleinverdiener!“

Es ist kein Zufall, dass unter den Elektroautos vor allem die großen, teuren am ehesten auf dem Preisniveau gleichwertiger Verbrenner-Fahrzeuge liegen. Das bedeutet: Kleine E-Autos sind richtig teuer. Das bedeutet auch: Menschen mit niedrigem Einkommen können sich in Zukunft vielleicht gar kein Auto mehr leisten, prognostiziert Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch.

Mit dem Umstieg auf Elektroautos droht auch bei VW ein Ende des für Kleinverdiener erschwinglichen „Volkswagens“, sagte Pötsch der „Welt am Sonntag“.

„Wir haben das klare Ziel, die Elektromobilität auch für breite Bevölkerungsschichten zugänglich, das heißt erschwinglich, zu machen.“ Dies werde bei Einstiegsfahrzeugen aber zweifellos schwierig. „Das heutige Preisniveau ist nicht zu halten, wenn diese Autos mit Elektromotoren ausgestattet werden“, führte Pötsch aus. „Daher wird es im Kleinwagensegment ganz unweigerlich zu erheblichen Preiserhöhungen kommen.“

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende verwies auf die Folgen strengerer CO2-Grenzwerte für Neuwagen in der EU. So legten die EU-Institutionen im Dezember fest, dass bis 2030 der CO2-Ausstoß von Neuwagen um 37,5 Prozent sinken solle. „In unserem Fall bedeuten die Vorgaben aus Brüssel einen Anteil von etwa 40 Prozent E-Fahrzeuge ab 2030“, erläuterte Pötsch. Es stelle sich die Frage, ob bei der Festlegung der Abgaswerte alle gesellschaftlich relevanten Aspekte ausreichend berücksichtigt worden seien. „Die EU-Kommission hatte auf diese Entwicklung frühzeitig hingewiesen“, sagte Pötsch. „Leider haben EU-Parlament und EU-Rat diese soziale Frage der individuellen Mobilität nicht mehr aufgegriffen.“

BMW: „Keine Vorhersage über Zukunft der Branche möglich“
Die Autohersteller sehen sich mit unabsehbaren Entwicklungen konfrontiert. Nach Ansicht von BMW-Chef Harald Krüger ist „auf einen Zeitraum von zehn Jahren keine Vorhersage möglich“, wie die Zukunft der Autobranche aussehe. Für die kommenden fünf Jahre sei zumindest klar, dass es mehr Elektroautos geben werde, sowie auch autonome Fahrzeuge auf die Straße kämen. Aber auch für die nächsten fünf Jahre sei vieles unklar.

„Wer weiß, wie viele elektrische Fahrzeuge BMW im Jahr 2023 in Russland verkaufen wird“, fragte Krüger am Sonntag auf der Innovationskonferenz DLD in München rhetorisch in den Saal. Es könnten 10 - oder vielleicht auch 10.000 werden, erklärte er. Die Entscheidungen für diese Zeit müssten aber schon heute getroffen werden.

VW tut sich mit Ford zusammen
Volkswagen ist angesichts schwieriger Zeiten über den eigenen Schatten gesprungen und tut sich mit Ford zusammen. Der größte europäische Autobauer und die Nummer zwei in den USA wollen die Zukunft der Elektromobilität gemeinsam angehen, um gegen die aufstrebenden Tech-Giganten aus den USA und China zu bestehen. Die während der Detroiter Automesse bekannt gegebene globale Allianz erstreckt sich zunächst auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pick-ups, um kurzfristig Einsparungen zu erzielen. Später soll der Bund auf selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos ausgeweitet werden.

Je breiter die Schultern sind, desto leichter sind Lasten zu tragen.

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