Sa, 19. Jänner 2019

Tödliche Flutwelle

23.12.2018 12:22

Warum das Tsunami-Warnsystem nicht Alarm schlug

Seit 2011 ist in Indonesien, dem größten Inselstaat der Erde, das Tsunami-Frühwarnsystem in Betrieb - um Katastrophen wie 2004, als 230.000 Menschen von einer Mega-Flutwelle getötet wurden, zu verhindern. Am Samstagabend rollte erneut ein Tsunami über bei Urlaubern beliebte Strände und forderte nach neuesten Angaben mindestens 222 Tote und 843 Verletzte - doch gewarnt wurde nicht. Gründe dafür gibt es mehrere.

Technisch wird für eine Frühwarnung zunächst die Erfassung von Ort, Tiefe und Stärke von Erdbeben benötigt. Als zweiter Schritt wird mithilfe von Messpunkten an der Erdoberfläche und des GPS-Systems bestimmt, inwieweit sich Landmassen verschoben haben. Außerdem werden an Messstellen an der Küste die Pegelstände genau erfasst. Die Daten gehen anschließend in ein Computersystem, das anhand von Modellen in weniger als fünf Minuten ein Lagebild erstellt. Über die Herausgabe von Warnungen entscheidet dann ein Lagezentrum.

Vulkan löste die Flutwelle aus - nicht ein Erdbeben
Dass es am Samstagabend - um 21.27 Uhr Ortszeit (15.27 Uhr MEZ) traf die Flutwelle die beliebten Urlaubsstrände zu beiden Seiten der als Sundastraße bekannten Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java - keine Warnung gegeben hat, hat mehrere Gründe, wie der Direktor des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam, Jörn Lauterjung, der „Bild“ sagte. Das GFZ war federführend bei der Entwicklung des Frühwarnsystems gewesen.

„Der jetzige Tsunami wurde durch abrutschende Landmassen eines Vulkanausbruchs ausgelöst, nicht durch ein Erdbeben“, so Lauterjung. Es habe zwar seismische Aktivität vor dem Ausbruch von einer Stärke von 4,9 gegeben, doch das Gitews - das German-Indonesian Tsunami Early Warning System - alarmiert erst ab einer Erdbebenstärke von 6,5.

Verschlimmert wurde die Situation an den Stränden dadurch, dass gleichzeitig Flut herrschte, wie der indonesische Katastrophenschutzsprecher Sutopo Nugroho am Vormittag erklärt hatte. Nugroho teilte auf seiner Twitter-Seite mehrere Videos von den Ausmaßen der Katastrophe.

Bis zu drei Meter hohe Welle
Der in der Meerenge liegenden Vulkan Anak Krakatau war bereits seit Juni aktiv gewesen. Immer wieder spuckte er seitdem massive Aschewolken in den Himmel. Am Samstagabend um 21.03 Uhr Ortszeit brach er aus und löste einen Unterwasser-Erdrutsch aus. 24 Minuten später traf der Tsunami auf Land. „Die Pegel an der Küste haben dann eine Welle von 90 Zentimetern gemessen“, erklärte Lauterjung weiter. „Aber natürlich kann es lokal auch drei Meter gewesen sein.“

„Zeit wäre zu kurz gewesen“
David Rothery, Professor für Geowissenschaften der Open University, fügte gegenüber dem „Guardian“ an, dass eine Warnung möglicherweise ohnehin zu spät gekommen wäre: „Der Vulkan liegt so nah an der betroffenen Küstenlinie, dass im Vergleich zu der hohen Geschwindigkeit, mit der Tsunamiwellen unterwegs sind, die Zeit zu kurz gewesen wäre.“

In Indonesien hatte sich erst vor wenigen Monaten Verbitterung wegen technischer Mängel des Tsunami-Frühwarnsystems breit gemacht: Nach einem Tsunami, der Ende September mehr als 2200 Menschen das Leben gekostet hatte, war von einem Versagen - technischer oder menschlicher Art - die Rede. Die Behörden wehrten sich.

Nach dem Erdbeben und Tsunami auf Sumatra im vergangenen September hatte die österreichische Bundesregierung eine Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfonds zur Linderung der humanitären Notsituation zur Verfügung gestellt. Das Außenministerium kündigte am Sonntag auch Hilfe für die Opfer der nunmehrigen Katastrophe an.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler

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