Tödliche Stromschläge

Smartphone kostete zwei Jugendliche das Leben

Digital
17.12.2018 11:33

Wer sein Smartphone beim Aufladen benutzen will, sollte lieber vorsichtig sein - umso mehr, wenn man auch beim Baden nicht auf das Handy als ständigen Begleiter verzichten kann: Binnen kürzester Zeit sind in Russland und Malaysia jetzt Teenager - 15 und 16 Jahre alt - wegen ihrer Smartphones ums Leben gekommen. Beide hatten mit dem am Ladekabel hängenden Handy hantiert und einen Stromschlag erlitten. Es sind nicht die ersten Todesfälle dieser Art …

Dem 16-jährigen Mohd Aidi Azzhar Zahrin aus Malaysia wurde das Smartphone Anfang Dezember zum tödlichen Verhängnis. Während er sein Handy auflud, soll der Teenager über Kopfhörer Musik gehört haben. Ein Stromschlag kostete ihn dabei das Leben.

Nichts für schwache Nerven: Malaysische Medien veröffentlichten Bilder von dem tragischen Todesfall. (Bild: twitter.com, stock.adobe.com, krone.at-Grafik)
Nichts für schwache Nerven: Malaysische Medien veröffentlichten Bilder von dem tragischen Todesfall.

Seine Mutter fand den Teenager in Rembau leblos im Badewasser liegen, aus seinem Ohr sei laut Medienberichten Blut geflossen. Eine gerichtliche Obduktion bestätigte dann die vermutete Todesursache: Der Jugendliche starb infolge eines Stromschlags, der durch das Aufladen des Smartphone ausgelöst wurde.

Junger Russin fiel Smartphone in die Badewanne
In Russland starb Mitte Dezember eine 15-Jährige ebenfalls durch einen Stromschlag, allerdings beim Baden. Die Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Irina Rybnikova aus der Stadt Bratsk in Sibirien lag laut Medienberichten in der Badewanne, als ihr Smartphone ins Wasser fiel. Die 15-Jährige hatte ihr Smartphone mit dem Ladekabel an einer der Steckdosen nahe der Badewanne angesteckt - ein Fehler, der sie das Leben kosten sollte.

Das Handy muss Irina aus der Hand gerutscht und ins Wasser gefallen sein. Ein Familienmitglied entdeckte Irinas leblosen Körper in der Badewanne. „Unsere Herzen sind gebrochen“, sagte ihre Schwester Tatiana russischen Medien. Neben Aufnahmen von ihren sportlichen Leistungen hatte das toughe Mädchen noch im November auf Instagram weihnachtliche Bilder von sich gepostet (siehe oben).

Nicht die ersten Todesfälle dieser Art
Es sind nicht die ersten Todesfälle dieser Art. So war erst im vergangenen Februar eine 17-Jährige in Brasilien mit regelrecht geschmolzenen Kopfhörern in ihren Ohren tot aufgefunden worden. Das Mädchen, das sein Smartphone geladen und währenddessen über Kopfhörer Musik gehört hatte, musste wegen eines plötzlichen Elektroschocks ihr Leben lassen.

Die 17-Jährige Luiza Fernanda Ghamä aus Brasilien starb an einem Stromschlag, als sie beim Laden ihres Smartphones Musik hörte. (Bild: Screenshot facebook.com)
Die 17-Jährige Luiza Fernanda Ghamä aus Brasilien starb an einem Stromschlag, als sie beim Laden ihres Smartphones Musik hörte.

Wie auch im aktuellen Fall in Malaysia dürfte das Ladekabel der Jugendlichen defekt gewesen sein. Im Jahr 2014 starb eine 28-jährige Frau aus Australien ebenfalls an einem Stromschlag, während sie ihr Smartphone auflud und über Kopfhörer Musik hörte. Weitere ähnliche Fälle sind auch aus Indien bekannt. Stets wurde der tödliche Stromstoß mit einem defekten Ladekabel in Verbindung gebracht.

Auch der tragische Tod der russischen Kampfsportlerin in der Badewanne ist leider kein Einzelfall. Eigentlich wird ja angenommen, jeder von uns hat schon als Kind gelernt, dass elektrische Geräte in der Nähe der Badewanne nichts verloren haben. Doch die Realität sieht heute anders aus: Viele - aber nicht ausschließlich - junge Leute können ihr Smartphone kaum länger als ein paar Minuten aus der Hand legen. Wenn der Akku dann leer ist, muss man ihn eben aufladen.

(Bild: thinkstockphotos.de, krone.at-Grafik)

Hätte Irina ihr Smartphone nicht ausgerechnet dann aufgeladen, während sie in der Badewanne lag, wäre sie vermutlich noch am Leben - und würde sich lediglich über ein kaputtes Handy ärgern, das ihr ins Wasser gefallen ist. Erst im Vorjahr war in den USA ein 14-jähriges Mädchen ums Leben gekommen, weil sie ihr an der Steckdose angeschlossenes Mobiltelefon versehentlich ins Wasser fallen gelassen hatte.

Stromtod in Badewanne auch in Österreich
Auch in Österreich hatte im Vorjahr ein ähnlicher Fall für Schlagzeilen gesorgt: Eine Studentin war tot in der Badewanne aufgefunden worden - sie hatte offenbar beim Sitzbaden mit dem Smartphone gespielt. Das Ladekabel des Telefons hatte die 20-Jährige in eine Steckdose nahe der Wanne gesteckt. Das Gerät dürfte ihr dann aus der Hand gerutscht sein, Mutter und Stiefvater fanden die junge Frau regungslos in der Badewanne. Für sie kam jede Hilfe zu spät, sie hatte durch den Stromschlag einen Herzstillstand erlitten.

(Bild: thinkstockphotos.de)

Mobiltelefone, die ins Wasser fallen, stellen Experten zufolge grundsätzlich keine Gefahr für den Menschen dar. Gefährlich wird es aber, wenn das Gerät an das Stromnetz angeschlossen ist. Wenn der FI-Schalter den Stromkreislauf nicht sofort unterbricht, können heftige Schläge mit bis zu 60 Volt auftreten. Eine weitere Variante ist, dass das Wasser über das Ladekabel bis in die Steckdose gelangt und der Strom dann von dort in die Badewanne geleitet wird.

Gefälschte Ladegeräte können tödlich sein
Auch Todesfälle wegen defekter Smartphone-Ladegeräte sind seit Jahren dokumentiert: In China starb etwa eine junge Stewardess, die während des Smartphone-Aufladens telefonierte. In den USA wurde ein Mann fast im Schlaf „gegrillt“, als sich das defekte Ladekabel seines Smartphones und die Metallkette berührten, die der Mann trug. Und in Vietnam war erst im Vorjahr eine Jugendliche durch einen 220-Volt-Stromschlag ihres Smartphone-Ladekabels getötet worden.

(Bild: Ken Shirriff)

Solche Zwischenfälle können in der Theorie zwar auch mit Original-Netzteilen und -Ladekabeln passieren, was die Hersteller - unter ihnen auch Apple - immer wieder zu Rückrufaktionen zwingt. Die wahre Gefahr stellen aber nach Ansicht von Experten gefälschte Billignetzteile dar. Sie sehen dem Original äußerlich zum Verwechseln ähnlich, die Hersteller sparen allerdings oft bei den Sicherheitsvorkehrungen.

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