Di, 13. November 2018

Entdeckungsreise

16.10.2018 06:00

Genuss auf der Insel Rügen

Dichte Wälder bis an den Strand, tiefblaues Meer, bunte Strandkörbe und eine kulinarische Entdeckungsreise - Sommerfrische auf Rügen wie in alten Zeiten.

Auf Rügen, der größten Insel Deutschlands, leuchten die Farben in der klaren Luft. Goldgelbe Felder, in denen der Wind spielt, wechseln sich mit tiefgrünen Wäldern ab, die Kreidefelsen schimmern schneeweiß unter dem Himmel. An der Ostseeküste ist das Licht weicher, nicht so grell wie im Süden. Das Land ist flach, der Blick schweift weit, und wenn sich der Himmel bedeckt, wird das schönste Wolkentheater aufgeführt: Kleine Schäfchenwolken trippeln vorüber, Haufenwolken marschieren in Reih und Glied, tiefschwarze Gewitterwolken ziehen dramatisch auf. Hineingekuschelt in einen Strandkorb, lässt sich das Schauspiel von Wolken und Wellen geruhsam betrachten. So spannend kann kein Krimi, so beruhigend kein Yoga sein. Und ein Schläfchen in Ehren - warum nicht?

Ein Paradies für Radfahrer
Schließlich hat man dann wieder Energie und Abenteuerlust, um die Insel zu entdecken. Radfahrer werden entzückt sein: Es gibt Radwege rund um Rügen, und die kleine Nachbarinsel Hiddensee gehört überhaupt den Pedalrittern - Autos fahren nur Arzt und Feuerwehr. Attraktionen gibt es auf der Insel genug. Die alten Ostseebäder wie Binz und Sellin beeindrucken mit ihren wunderschön restaurierten Holzhäusern. Hier traf sich in der Kaiserzeit die feine Gesellschaft von Berlin. Stolz jedes Seebades ist die Promenade samt Seebrücke, die sich weit ins Meer hinaus erstreckt. 

Sensationell ist jene von Sellin: Nach einem für die Insel ungewöhnlich steilen Aufstieg durch die Wilhelmstraße bricht diese an der Klippe plötzlich ab. Die „Himmelsstiege“ führt hinunter zu der gut 30 Meter tiefer liegenden Brücke samt Palmengarten, Restaurant und Standesamt.

Am nördlichsten Zipfel von Rügen liegt das Kap Arkona mit gleich drei Türmen. Zwei davon sind Leuchttürme, wer die 180 Stufen auf das Leuchtfeuer nicht scheut, wird mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Kap Arkona gilt mit über 2000 Sonnenstunden als sonnenreichster Ort Deutschlands. Das bekommt auch der Sanddornplantage von Ernst Heinemann, einem Rügener Original mit Schippermütze: „Die bleibt immer auf!“

Die gesunden Sanddornbeeren gelten als „Zitronen des Nordens“, nur ihre Ernte ist um einiges mühsamer. Urlauber können übrigens auf Heinemanns „Rügenhof“ mithelfen. Bis in den Dezember hinein wird geerntet, die Früchte werden zu Marmelade, Saft, Tee, Öl und Kosmetikartikeln verarbeitet. Nicht zu vergessen Heinemanns Sanddorn-Likör! Auch die Bäckerei von Nils Peters in Neu Mukran verwendet die orangen Beeren: Sie bringen eine herbe Note in Peters „Feine Kekse“.

Womit wir bei einem nicht ganz unwichtigen Aspekt erfolgreicher Sommerfrische wären, dem guten Essen und Trinken. In Binz findet sich etwa das Freustil, von Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Wer ein in weihevoller Atmosphäre zelebriertes Essen fürchtet, liegt falsch. Im Freustil und in der dazugehörenden Canteen lässt sich das Leben in vollen Zügen genießen, wenn Ralf Haug falschen und echten Fisch auftischt und Jule die dazupassenden Weine serviert.

Fisch ist das Thema an der Nordsee
Auf Hiddensee hat Mathias Schilling die Firma Kutterfisch gegründet, eine Art lokales Fair-trade-Projekt, mit dem die Fischer der Insel unterstützt werden. „Wir zahlen faire Preise, und bei uns ist alles frisch und bio.“ Verarbeitet wird hauptsächlich Hering, konserviert als Bückling, Brathering, Matjes, Salzhering und Rollmops. Im Hafenkater wird gebackener Ostsee-Dorsch aber auch frisch serviert.

Vom Fischkutter auf den Tisch! Eigentlich ist Schilling Bauer: Auf seiner Privatinsel Öhe lebt er mit Frau und Sohn, rund 100 Rindern, Schafen und Hund. Die Insel gehört seit 600 Jahren seiner Familie. Die Bäume der stattlichen Allee, die zum Gutshaus führt, pflanzten Schillings Urgroßtanten. Er selbst hat in Berlin studiert und ist wieder zurückgekehrt auf die Insel seiner Ahnen. In Schaprode - die Überfahrt dauert nur ein, zwei Minuten - hat er einen alten Gasthof restauriert: „Wir verarbeiten das gesamte Fleisch von unseren Tieren selber.“ Doch das Hauptthema auf Rügen bleibt Fisch. Überall finden sich kleine Räuchereien und Imbiss-Buden, die Fischbrötchen servieren, wie die „Alte Pommernkate“ in Rambin, gleich hinter der geschwungenen Brücke, die von Stralsund nach Rügen führt.

Ein kühles Helles von der Insel. Dazu passt ein kühles Bier - es muss nicht immer ein blondes sein. Denn die „Insel-Brauerei“ am selben Standort hat eine ganze Reihe „seltener Biere“ auf Lager. „Es sind Craft-Biere, aber uns gefällt dieser Ausdruck nicht“, meint Braumeister Frank Lucas. „Wir nennen sie lieber seltene Biere.“ Jede Flasche wird lichtdicht eingepackt: „So reifen die Biere bis zu zwei Jahre.“ 

Auch jenseits der Brücke in der alten Hansestadt Stralsund wird gebraut: Störtebeker bietet sogar kleine Verkostungen an. Das fruchtige Ale wird mit mariniertem Fisch kombiniert, das Lager mit geräucherter Entenbrust und zum Porter Bitterschokolade mit Pfeffer - es schmeckt tatsächlich. Für den krönenden Abschluss sorgt die „1ste Edeldestillerie“ in Ummanz: Vor allem Maren Hessenius‘ Bernsteinapfel-Schnaps ist jeden Umweg wert.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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