Do, 16. August 2018

Wilhelm Krautwaschl

01.07.2018 08:00

Arbeitszeiten: Bischof warnt die Bundesregierung

Nicht nur die Gewerkschaften protestieren gegen längere Arbeitszeiten, auch die Kirche macht mobil. Der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl warnt im „Krone“-Interview die Regierung eindringlich.

„Krone“:Warum kritisiert die österreichische Kirche das geplante Gesetz zum 12-Stunden-Tag?
Wilhelm Krautwaschl: Zunächst, es sind die Bischöfe, die sich zu Wort gemeldet haben. Und das beantwortet auch schon teilweise Ihre Frage: Wir Bischöfe haben Verantwortung, auch für die Erhaltung der Sonntagsruhe beziehungsweise die Einhaltung des Konkordats. Das heißt konkret: Wir nehmen nur zum Arbeitsruhegesetz Stellung, auch weil uns dieses Thema in der Berichterstattung nicht vorzukommen scheint.

Welche Auswirkungen befürchten Sie denn?
Im Arbeitsruhegesetz werden die Sonn- und Feiertage geschützt. Eine generelle Möglichkeit, an mehreren Sonntagen zur Arbeit verpflichtet werden zu können, bedroht das, was Feiertage sowie auch der Sonntag an Positivem für das Miteinander in einer Gesellschaft einbringen. Gerade der sogenannte „flexible Mensch“ braucht einen Rhythmus. Ich glaube, wir tun uns und der Gesellschaft damit nichts Gutes. Daher warnen wir schon vor dem ersten Schritt in diese Richtung.

Lange arbeiten und Familie - lässt sich das vereinbaren?
Wir sitzen als Gesellschaft alle am selben Tisch, wenn es um die Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Und hier gilt es, verschiedenste Anliegen unter einen Hut zu bringen. Wir alle ringen um eine Lösung, die viele Interessen auszugleichen hat. Dafür braucht es vor allem die bewährte Einbindung der österreichischen Sozialpartner.

Wer sonntags arbeitet, der kann keinen Gottesdienst besuchen. Stört Sie das?
Es gibt Tätigkeiten, die uns als Gesellschaft durch ihre Arbeit an Sonn- und Feiertagen „leben“ lassen. Das ist klar. Uns geht es vielmehr um die Ermöglichung des gemeinsamen Erlebens eines Tages in der Familie. Da kann der Kirchgang ein Element sein. Es geht um Zeit für die Familie, für gemeinsame Freizeitgestaltung und den Sonntag als Tag der Barmherzigkeit für Krankenbesuche, Feiern und vieles mehr, das uns als Menschen bereichert. Das ist ein wesentlicher Aspekt geglückten Menschseins.

Welche Reaktionen haben Sie als Bischof zum 12-Stunden-Tag bekommen?
Sehr, sehr unterschiedliche, aber das finde ich auch gut so. Wir müssen in so einem wesentlichen Punkt des Zusammenlebens viel miteinander sprechen und noch mehr aufeinander hören.

Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger

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